21.10.2014

Viele neue Unterstützer für den Zugvogelschutz

Die Nationalparkverwaltung zieht ein positives Resumee der 6. Zugvogeltage. 1000 Besucher kamen zum abschließenden Zugvogelfest in Horumersiel. Cuxhaven und Borkum gewinnen den spannenden Aviathlon, dessen Ergebnisse auch wissenschaftlich interessant sind.
Mitmachtheater "Wattpolizei" von und mit Sebastian Fuhrmann

Mitmachtheater "Wattpolizei" von und mit Sebastian Fuhrmann (Foto: Nationalparkverwaltung)

Das Thema Zugvogelbeobachtung und Zugvogelschutz ist bei Gästen und Einheimischen angekommen. Etwa 12.500 Teilnehmer kamen zu den über 250 Veranstaltungen der 6. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, die am Sonntag mit einem großen Fest in Horumersiel zu Ende gingen.

"Viele planen schon extra ihren Herbsturlaub zu den Terminen der Zugvogeltage" weiß Nationalpark-Leiter Peter Südbeck nach Gesprächen mit vielen Teilnehmern aus nah und fern. "Wir hatten noch mal zehn Prozent mehr Besucher als im letzten Jahr. Unser erklärtes Ziel ist allerdings eher die weitere qualitative Steigerung des Angebotes. Wir wollen anspruchsvolle Inhalte passend für verschiedene Zielgruppen vermitteln, von der naturbegeisterten Familie mit Kindern bis zum Profi-Ornithologen." Im Mittelpunkt stehen Veranstaltungen mit begrenzten Teilnehmerzahlen, damit jeder intensiv angesprochen werden kann. Flankierend gibt es aber Angebote wie die festen Beobachtungsstationen, z.B. den Vareler Vogelturm oder den Pilsumer Leuchtturm, die über neun Tage verteilt mehrere tausend Besucher anziehen.

Beim abschließenden Zugvogelfest in Horumersiel am gestrigen Sonntag nutzten etwa 1000 Besucher die Gelegenheit, sich bei Vorträgen, im Gespräch mit Fachausstellern und Mitmachaktionen zum Thema Vogelzug und Vogelbeobachtung zu informieren. Gespannt wurde der Ausgang des diesjährigen Aviathlons erwartet. Dieses Jahr nahmen 17 Inseln und Küstenregionen an diesem Wettbewerb teil, bei dem es darum geht, wo die meisten Vogelarten beobachtet werden. Es war sehr knapp und blieb bis zum Schluss spannend. "Die Inseln sind prinzipiell im Vorteil, weil die Vögel sich auf einer konzentrierten Fläche sammeln. Zudem treiben Nordwestwinde typische Seevögel wie Sturmtaucher oder Schwalbenmöwen heran, die beim so genannten Seawatching auf den Inseln erfasst werden" erläuterte Südbeck. "Deshalb werden fairerweise Inseln und Küste getrennt gewertet. Doch in diesem Jahr haben warmes Wetter und südliche Windrichtungen die Karten neu gemischt. Mit 144 Arten ging Cuxhaven als Festlands-Sieger aus dem Aviathlon hervor und übertraf damit sogar den Inselsieger Borkum mit 136 Arten."

Insgesamt wurden beim Aviathlon 205 Vogelarten gezählt. Am Sonntag kamen noch zwei weitere Arten hinzu, die aber für den Wettbewerb nicht mehr zählen: Spiekeroog verlängerte die Liste der bei den Zugvogeltagen beobachteten Arten um den Zwergsäger, das Wangerland um den Seeadler.

"Der Aviathlon ist eine sportliche Herausforderung für die Teilnehmer, die Ergebnisse sind aber auch aus wissenschaftlicher Sicht von Interesse", so der Nationalpark-Chef. So wurden in diesem Jahr wegen des warmen Herbstes mehrere Singvogelarten beobachtet, die sonst schon längst im Süden wären. Des Weiteren wurden große Trupps von Silberreihern beobachtet, die bislang in Deutschland sehr selten sind. Über viele Jahre wird eine Veränderung des Artenspektrums sichtbar.

Die Zugvogeltage sind die Kernveranstaltung zur Vermittlung der internationalen Bedeutung und somit Schutzwürdigkeit des Wattenmeeres als zentraler, unersetzlicher Rastplatz auf dem Ostatlantischen Zugweg zwischen Arktis und Afrika. Sie sollen das Bewusstsein für globale Zusammenhänge schärfen und Entwicklungen in Gang setzen. "In diesem Jahr war eine Delegation aus dem Nationalpark und Weltnaturerbe Banc d'Arguin in Mauretanien zu Gast. Dort überwintern viele unserer Zugvögel und gemeinsam wollen wir die Verantwortung für ihren Schutz übernehmen". Afrika war auch das Thema der diesjährigen Kinderaktion. Die Werke der jungen Künstler konnten gestern auf dem Zugvogelfest bewundert werden. Den Abschluss bildete die wunderschöne Darbietung von Auszügen aus dem Musical Afrika von der "Academy of Dance".

Südbeck bedankte sich bei allen Akteuren und Unterstützern der gelungenen 6. Zugvogeltage. Für sein Team geht es jetzt schon weiter mit der Planung der 7. Zugvogeltage vom 10. bis zum 18. Oktober 2015.

 

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