16.11.2011

Seehunde im Wattenmeer: Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Nach Auswertung der diesjährigen Flugzählungen ist der Seehundbestand im gesamten Wattenmeer gegenüber dem Vorjahr um 9% auf jetzt über 24.000 Tiere angewachsen. Erfreulich ist auch das Wachstum des Kegelrobbenbestandes auf mehr als 3300 Tiere.
Seehunde liegen auf einer Seehundsbank
© Kreuijer / CWSS

Der Seehundbestand im Wattenmeer steigt weiter an. Dies bestätigen die Ergebnisse der koordinierten Flugzählungen im niederländisch-deutsch-dänischen Wattenmeer, die jetzt durch die Trilaterale Seehund Expertengruppe gesammelt und analysiert wurden.

Danach betrug die Gesamtzahl der gezählten Seehunde im August 2011 24.118 Tiere, eine Steigerung von 9% im Vergleich zu 2010. Bei den Jungtieren ist der Bestand im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls angestiegen. Während der Jungtieraufzucht im Juni wurden 7.044 Jungtiere gezählt, 8% mehr als im Vorjahr. "Die Zahlen von 2011 zeigen wieder eine Zunahme sowohl des Gesamtbestandes als auch bei den Jungtieren", sagte Jens Enemark, Leiter des Internationalen Wattenmeersekretariats in Wilhelmshaven, das das Seehundmonitoring koordiniert. „Dies ist die höchste Zahl von Seehunden, die wir im Wattenmeer seit Beginn der Zählungen beobachtet haben. Wir freuen uns über diesen Anstieg und obwohl sich die Zunahme in den letzten Jahren verlangsamt hat, sehen wir keine Anzeichen, dass bereits ein Maximum erreicht ist.“

Die Gesamtzahl von 24.118 Seehunden im Wattenmeer setzt sich zusammen aus 3.105 (699 Jungtiere) in Dänemark, 8.493 (3.294) in Schleswig-Holstein, 4.699 (1.606) in Niedersachsen und Hamburg und 7.821 (1.445) in den Niederlanden. Es gibt jedoch deutliche regionale Unterschiede: ein extrem hoher Anstieg ist im niederländischen Teil des Wattenmeeres zu verzeichnen, während die Zahlen in Schleswig-Holstein nur gering zunahmen und im niedersächsischen Teil leicht abnahmen. Diese Ergebnisse unterstreichen den Wert einer wattenmeerweit koordinierten Zählung, nur so kann der Gesamtbestand der Seehundpopulation zuverlässig ermittelt werden.

Die regionalen Unterschiede in der Bestandsentwicklung sind vermutlich hauptsächlich auf Wanderungen der Tieren zwischen den einzelnen Regionen und auf Probleme bei der Flugzählung aufgrund schlechter Wetterbedingungen zurückzuführen. Die Seehunde können nur gezählt werden, wenn sie bei Ebbe auf den Sandbänken rasten. Viele Tiere halten sich während der Zählung aber im Wasser auf und werden somit nicht erfasst. Die Gesamtzahl aller Seehunde im Wattenmeer, d.h. einschließlich der Tiere, die sich im Wasser aufhalten, wird auf ca. 35.500 geschätzt.

Die Zahl der Kegelrobben ist im Vergleich zu 2010 ebenfalls gestiegen. Die Gesamtzahl der gezählten Kegelrobben im Wattenmeer belief sich während des Fellwechsels im März-April auf 3.312 Tiere. Damit liegt die jährliche Wachstumsrate seit 2007 bei über 15% pro Jahr. Die Gründe für diesen Anstieg liegen in der wachsenden Zahl von Geburten im Wattenmeer und der Einwanderung von Kegelrobben aus Großbritannien.

Kegelrobben haben einen anderen Lebenszyklus als Seehunde. Die Jungtiere hier werden im Winter geboren, sie tragen ein charakteristisches weißes Fell. Wie bei den Seehunden werden die Jungtiere für 3-4 Wochen gesäugt, können danach aber noch bis zu einem Monat an Land bleiben. Solange die Jungtiere an Land liegen, besteht das Risiko, dass sie von Winterstürmen ins Meer gerissen oder durch Störungen vom Liegeplatz vertrieben werden. Falls das in den ersten Lebenswochen geschieht, kann das Jungtier den Kontakt zur Mutter verlieren.

"Der Anstieg der Seehundzahlen und die Wiederansiedlung der Kegelrobbe ist ein großer Erfolg für den Schutz des Wattenmeeres. Wir haben es geschafft, die Lebensbedingungen der Meeressäuger durch einen angemessenen Schutz zu verbessern. Aber wir müssen wachsam bleiben, unseren hohen Schutzstandard erhalten und die Zusammenarbeit im Wattenmeer weiter ausbauen, um gegenüber zukünftigen Herausforderungen gewappnet zu sein“, so Jens Enemark.