Kegelrobben: Heimkehrer im Wattenmeer

Sir Elton John hat ihr sogar ein Lied gewidmet, bei uns wird sie in den letzten Jahren wieder populär: die Kegelrobbe (Halichoerus grypus).
Junge Kegelrobbe im Geburtsfell

Bei Amrum und Helgoland  und im niederländischen Wattenmeer waren schon seit längerem Kegelrobben-Kolonien bekannt. Seit gut zehn Jahren werden auch zwischen Borkum und Baltrum immer mehr Kegelrobben beobachtet. Um ein genaueres Bild über den Bestand vor Ort zu bekommen, führt die Nationalparkverwaltung im Winter und Frühjahr spezielle Erfassungsflüge durch. Im Winter wird der Nachwuchs geboren und im Frühjahr schließt sich der jährliche Fellwechsel der Kegelrobben an - beide Lebensabschnitte bieten eine gute Gelegenheit, die Tiere an Land zu zählen.

Schon die erste Befliegung im Dezember 2005 hatte eine erfreuliche Überraschung parat: Auf der Kachelotplate bei Juist wurden 23 Alttiere und 19 Jungtiere gezählt. Die Zählsaison 2013/2014 brachte ein Ergebnis von 62 Kegelrobben in Schleswig-Holstein und 227 im Niedersächsischen und Hamburgischen Wattenmeer.

Wie man aus archäologischen Funden schließt, gab es vor ein paar tausend Jahren im Wattenmeer sogar mehr Kegelrobben als Seehunde. Ihren Namen verdanken die Robben übrigens ihrem kegelförmigen Kopf, der bei den männlichen Tieren, den Bullen, besonders deutlich ausgeprägt ist. Auch in der Größe und der Fellfärbung lassen sich die Geschlechter gut unterscheiden: Die deutlich größeren Männchen haben ein dunkleres Fell, oft mit hellen Flecken, weibliche Tiere tragen ein helles Fell mit dunklen Flecken. Die jungen Kegelrobben kommen mit einem hellen, flauschigen Geburtsfell, auch ‚Lanugo’ genannt, zur Welt. Dieses Fell wird im Verlauf der ersten sechs Lebenswochen abgestoßen und durch das ‚normale’ Fell ersetzt, bevor die Jungen das erste Mal freiwillig in das nasse Element schlüpfen. Eine dicke Speckschicht schützt vor drohender Unterkühlung. Pro Tag futtern sich die kleinen Kegelrobben 1-2 Kilo an Gewicht an, so lange, bis sie etwa viermal so schwer sind wie bei der Geburt. Sollten Sie also bei einer Fahrt zu den Seehundbänken oder von den Fähren aus einmal einen besonders großen "Seehund" mit kegelförmigem Kopf sehen, haben Sie das große Glück, einer Kegelrobbe begegnet zu sein.