Heuler

Im deutschen Wattenmeer werden jährlich rund 4000 Seehunde geboren. Einige von ihnen verlieren den Kontakt zur Mutter und werden so zu Heulern. Jährlich werden über 100 dieser jungen Seehunde in den Seehundstationen Friedrichskoog und Norddeich aufgezogen dann und wieder frei gelassen.
Junger Seehund auf einer Sandbank

Junger Seehund auf einer Sandbank  | © Foto: Peter Körber

Verhalten bei Heulerfunden

Heuler sind bis zu fünf Wochen alte, allein liegende Robben-Jungtiere, die den Kontakt zur Mutter verloren haben. Sie heulen, um den Kontakt zur Mutter wiederherzustellen. Das Heulen ist ein Kontaktsuchlaut, kein Klagelaut. 

Bei Fund von lebenden Heulern sollte man sich wie folgt verhalten:

  • Das Tier am Fundort belassen und nicht anfassen.
  • Den zuständigen Jagdaufseher /Seehundjäger, die Seehundstation oder die Polizei benachrichtigen
  • Den Fundort weiträumig absperren und Spaziergänger und Hunde fern halten.

Das Verlassen-Sein kann verschiedene Ursachen haben. Kein Handlungsbedarf besteht in diesen Fällen:

  • Die Mutter ist wegen einer Störung vorübergehend zu Wasser gegangen.
  • Die Mutter ist auf Futtersuche.
  • Das Jungtier wurde gerade abgestillt, wobei die Umstellung auf die eigenständige Jagd oft schwierig ist.

In folgenden Fällen kann der Seehundjäger eingreifen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die Mutter ist wegen einer Störung zu Wasser gegangen und findet ihr Junges wegen erschwerender Umstände nicht wieder (z.B. Sommersturm).
  • Die Mutter verstößt das Jungtier wegen Krankheit oder Mißbildung.
  • Die unerfahrene Mutter nimmt das Jungtier nicht an (Erstaufzucht).
  • Zwillingsgeburt. Meist kann nur ein Tier großgezogen werden.
  • Die Mutter ist krank oder tot.

Seehunde unterliegen dem Jagdrecht; zuständig ist daher der amtlich bestellte Seehundjäger bzw. Jagdaufseher, der Erfahrung im Umgang mit diesen recht bissigen Tieren hat. Er entscheidet über das weitere Vorgehen, wobei es mehrere Möglichkeiten gibt:

  • das Tier vor Störungen abschirmen und abwarten, ob die Mutter das Jungtier wieder abholt.
  • Abtransport in die autorisierte Seehundstation Friedrichskoog bzw. Norddeich, wenn der Heuler noch nicht abgestillt ist und tatsächlich endgültig von der Mutter getrennt ist und überlebensfähig ist. Die Jungtiere werden dort aufgezogen und später wieder ausgewildert.

Eine Aneignung von Seehunden durch andere Personen ist nach Jagdrecht Wilderei!

Aufgaben von Seehundjägern

Früher haben die Seehundjäger Seehunde gejagt, um Felle, Fleisch und Speck zu verwerten, oder einfach aus Freude an der Jagd. Seit 1974 wurde die Jagd jedoch eingestellt. Anlaß dazu war die damals sehr schlechte Bestandssituation der Seehunde.

Seehundjäger sind bestätigte Jagdaufseher und kümmern sich heutzutage im Nationalpark um die Hege der Tiere, um Naturschutz, Umweltbeobachtung und Öffentlichkeitsarbeit vor Ort.Sie erfüllen ihre Aufgaben gemäß Jagdrecht:
Bei schwerkrankem Wild haben sie vermeidbare Schmerzen und Leiden zu verhindern, eventuell auch durch eine tierschutzgerechte Tötung. Sie schützen das Wild vor Wilderern, versuchen Wildseuchen einzudämmen und sorgen für die Einhaltung von Schutzvorschriften.

Darüber hinaus bergen Seehundjäger an den Stränden gefundene Kadaver von Robben und Kleinwalen, registrieren diese auf einem Meldebogen und etikettieren sie für spätere wissenschaftliche Untersuchungen. Sie betreuen Lebendfunde, melden besondere Beobachtungen an die Nationalparkbehörde und die Jagdbehörde, arbeiten bei Forschungsvorhaben mit und setzen die Heulervermeidungsstrategie um.

Strategie der Heulervermeidung

Nicht abgestillten Seehund-Jungtieren, die ihre Mutter verloren haben, soll grundsätzlich geholfen werden (Tierschutz).

Eine künstliche Aufzucht bedeutet jedoch Gefangenschaftshaltung. Diese ist verbunden mit einem streßreichen Transport, anfänglicher Zwangsernährung, Trennung von Mutter und Rudel und sozialer Isolation. Es gibt keine Möglichkeit, arteigene Verhaltensweisen zu erlernen, sondern es besteht die Gefahr einer Gewöhnung an Menschen und menschliche Umgebung. Zudem besteht das Risiko, durch die spätere Auswilderung verdeckte Krankheitserreger in den Wildbestand einzutragen.

Für die Erhaltung des Bestandes, der derzeit im internationalen Wattenmeer bei über 20000 Tieren liegt, ist die künstliche Aufzucht nicht notwendig. Diese erfolgt allein aus Tierschutzgründen - ein hilfloses Tier, das vom Menschen aufgefunden wurde, lässt man nicht einfach im Stich. Daher werden vom Seehundjäger zuerst Alternativen geprüft, insbesondere, ob der Heuler nicht wieder der Mutter zugeführt werden kann. Weiterhin wird darauf geachtet, dass die natürliche Selektion nicht unterlaufen wird: kranke oder sehr schwächliche Heuler werden daher nicht aufgezogen.