01.12.2016

7. Weltnaturerbeforum: alle an einem Tisch

Schortens/Rysum, 1. Dezember 2016 – Das diesjährige Jubiläum des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer inspirierte die Organisatoren des 7. Weltnaturerbeforums dazu, einen Blick in diese 30-jährige Geschichte zu werfen. Am 30. November brachten Die Nordsee GmbH und die Nationalparkverwaltung erstmalig Interessensvertreter aus Naturschutz, Küstenschutz, Fischereiwirtschaft und Tourismus zu einer gemeinsamen Gesprächsrunde zusammen. Nach Impulsvorträgen aus eben diesen Bereichen diskutierten die 85 Teilnehmer Ansätze für eine engere Zusammenarbeit an der niedersächsischen Nordsee.
7. Weltnaturerbeforum. Foto: I. Zwoch/NLPV

Insgesamt 85 Teilnehmer diskutierten während des 7. Weltnaturerbeforums über die Verbindung von Naturschutz, Fischerei, Tourismus und Kultur.  Foto: I. Zwoch/NLPV

Zum Thema Fischerei äußerte sich Dirk Sander, Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems: „Vor 50 Jahren gab es nur wenig Tourismus, wenig Sportboote. Die kleinen Küstenorte hatten ihre aktiven Kutterflotten und lebten von der Fischerei. Die Menschen haben sich aus der Natur, speziell aus der Nordsee ernährt. Selbst der Beifang wurde mit an Land gebracht und verkauft“, erinnerte Sander. Heute gebe es nur noch 132 aktive Kutter an Niedersachsens Küste, die jährlich 32.000 Tonnen Fisch und 6.000 Tonnen Krabben in die verbliebenen Fischereihäfen bringen. Beifang gebe es kaum noch, so der ehemalige Fischer. Die Fischer haben sich aus freien Stücken für spezielle Fangnetze entschieden, die keinen Beifang mehr mit an die Küste bringen.

Mittlerweile leben auch die Fischer vom Tourismus. Einige, speziell dafür umgebaute Kutter nehmen Gäste mit auf Schaufisch-Fahrten und Nationalpark-Erlebnisfahrten. Touristisch sei es durchaus interessant, die Fischerei mitzuerleben, bestätigten die teilnehmenden Touristiker. Dies ist auch möglich mit besonderen Kutterfahrten und Nationalpark-Erlebnisfahrten mit Schaufischen.

Küstenschutz bleibt wichtiges Thema für regionale Entwicklung

Heiko Albers, Präsident des Wasserverbandtags e. V., thematisierte in seinem Impulsreferat den Anstieg des Meeresspiegels. Die Aufgabe des Küstenschutzes sei es, die Menschen vor dem steigenden Wasser zu schützen. Der alte Spruch „Well nich will dieken, de mutt wieken“, gilt auch heute noch, versicherte Albers. Als Konsequenz aus früheren Katastrophen entstand der Generalplan zum Küstenschutz, der in den Folgejahren immer wieder angepasst wurde. Ab 1986 begann die Nationalparkverwaltung ihre Arbeit. Albers bewertete die Zusammenarbeit zwischen Küstenschutz und Nationalparkverwaltung als stets sinnvoll und konstruktiv, wenngleich es zu Beginn  ein paar  Anlaufschwierigkeiten gab.
Mit dem Klimawandel muss sich auch der Küstenschutz neuen Herausforderungen stellen: Deicherhöhung um einen Meter bei gleichzeitiger Deichverbreiterung um ca. zehn Meter, Kleibodengewinnung und das sogenannte Gänse-Management stehen aktuell auf dem Plan.

Kultur trifft Natur im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer

Walter Theuerkauf, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kulturschatz Bauernhof, zeigte den Zusammenhang zwischen Kultur und Natur auf. Die Menschen an der Küste mussten sich mit dieser dynamischen Natur arrangieren. Der Deichbau war eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung dieses Lebensraumes. Dieser war wiederum stark mit den  Klöstern des 11. und 12. Jahrhunderts verbunden. „Die Mönche brachten Wissen an die niedersächsische Nordseeküste“ sagte Theuerkauf. Ähnlich wie beim UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer gelte es auch hier ein kulturelles Erbe zu schützen.

Doch wie sollen Natur und Kultur an den Touristen gebracht werden? Wie werden vor allem junge Leute motiviert, sich mit der Geschichte einer Region oder dessen Kultur zu beschäftigen. „Wir benötigen spannende Angebote, in denen sich Erlebnis und Bildung zu den Themen Natur und Kultur miteinander verbinden“, so Roger Staves, Leiter der Bildungsabteilung im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven. Im Tourismus gilt es Geschichten zu erzählen. Das sogenannte Storrytelling muss für die einzelnen Zielgruppen spannend aufbereitet werden, so die Teilnehmer der Arbeitsgruppe. Junge Menschen lassen sich sehr gut über die sozialen Kanäle erreichen. „Mit einem Bild des typischen Ostfriesentees erlangt man schnell viele Likes“, so Oliver Knagge von der Ostfriesland Tourismus GmbH. Es gibt so viele Möglichkeiten, selbst Kinder für die Themen Heimat, Kultur oder Kunst zu begeistern“, bestätigt auch Michael Diers von der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH. Nach einer erfolgreichen Entwicklung des Streetart Festivals entstehen in der Jadestadt immer mehr Kunstwerke an Häuserwänden.

„Es zeigt sich, wie tief das Weltnaturerbe mittlerweile in der Region verankert ist und wie ein moderner Tourismus gestaltet ist, der diesen umfassenden Anspruch an Schutz und Nachhaltigkeit erfüllt“, so Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, nach der Veranstaltung.  „Durch die intensive Diskussion in den drei Arbeitsgruppen sind zahlreiche Ideen für die Verknüpfung von Naturschutz, Fischerei, Küstenschutz und Kultur entstanden, die es in ein nachhaltiges Tourismusangebot umzusetzen gilt“, fügte Carolin Wulke, Geschäftsführerin der Nordsee GmbH hinzu.

Zum Abschluss gab es noch eine gute Nachricht: An diesem Tag erhielt die Stadt Wilhelmshaven aus Berlin den offiziellen Bescheid über die Fördergelder für das Weltnaturerbe-Partnerzentrum, das in Wilhelmshaven entstehen soll.

Zum Förderprojekt Watten-Agenda

Das 7. Weltnaturerbeforum ist Teil des Projektes Watten-Agenda, welches im Rahmen des INTERREG V A-Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und der Niedersächsischen Staatskanzlei sowie der Provincie Fryslân und Provincie Groningen kofinanziert wird. Es wird begleitet durch das Programmmanagement bei der Ems Dollart Region (EDR).

Gemeinsame Pressemitteilung von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und Die Nordsee GmbH

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