19.10.2015

Aviathlon beflügelt die Zugvogeltage

Cuxhaven und Wangerooge beobachteten die meisten Vogelarten. Schirmherr Prof. Klaus Töpfer überreichte die Siegerurkunden beim Zugvogelfest. Insgesamt zählten die 7. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer etwa 13.000 Teilnehmer.
Ansprache von Schirmherr Prof. Dr. Klaus Töpfer beim Zugvogelfest. Foto: R. Czeck

Ansprache von Schirmherr Prof. Dr. Klaus Töpfer beim Zugvogelfest. Foto: R. Czeck

Mit dem schon traditionellen großen Zugvogelfest endeten gestern die 7. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Weit über 1000 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich im Haus des Gastes in Horumersiel bei Fachausstellern und Vorträgen noch einmal intensiv über Vogelzug, Zugvogelbeobachtung und Zugvogelschutz zu informieren. Für kleine Vogelfreunde wurde ganztags ein kindgerechtes Programm angeboten.

Prominentester Gast war der ehemalige Bundes-Umweltminister Professor Klaus Töpfer, der seit dem letzten Jahr Schirmherr der Zugvogeltage ist. Seit Jahrzehnten steht Prof. Töpfer auf internationaler Ebene für Naturschutz und Nachhaltigkeit und unterstreicht somit inhaltlich genau die Themen, die auch über die Zugvogeltage vermittelt werden sollen. Zugvogelschutz am Wattenmeer kann nur erfolgreich sein, wenn auf dem gesamten Zugweg der Vögel die wichtigen Lebensräume geschützt und die Regionen nachhaltig genutzt werden. Klaus Töpfer ging mit gutem Beispiel voran: Konsequent war der weltweit viel gefragte Experte am Morgen mit der Bahn vom Weserbergland nach Friesland gereist. Nach seinem Rundgang übers Fest zollte Töpfer allen Beteiligten hohe Anerkennung.

Mit Freude übernahm Töpfer die Siegerehrung für den diesjährigen Zugvogel-Aviathlon. Dieser Wettbewerb der Inseln und Regionen um die meisten beobachteten Arten hat innerhalb des Gesamtprogramms einen zentralen Stellenwert, motiviert er doch alle Beteiligten zur intensiven Erfassung der Vogelwelt im Nationalpark. Seit diesem Jahr kooperieren die Zugvogeltage dabei mit ornitho.de, einer Internetplattform für Vogelbeobachtungen in ganz Deutschland, so dass die Zugvogeltage auch überregional als Projekt für „citizen science“ (Bürgerwissenschaft) wahrgenommen werden können. Insgesamt wurden während der 7. Zugvogeltage erstaunliche 203 Vogelarten entdeckt, der Rekord des Vorjahres (2014: 207 Arten) wurde dabei allerdings  knapp verpasst.

Denn der Aviathlon vermittelt gleichzeitig, wie stark der Vogelzug durch äußere Umstände beeinflusst wird: Bei den oft im Herbst hier vorherrschenden Nordwest-Winden sind die Ostfriesischen Inseln klar im Vorteil, weil ihnen mehr Vögel aus der weiten Nordsee bis hin zum Atlantik „zuwehen“. In diesem Jahr jedoch mit stetigen Ostwinden hatten die Regionen an der Küste bessere Chancen, weil hier die Lebensraumvielfalt höher ist. Grundsätzlich werden deshalb Inseln und Küsten getrennt gewertet. Das mit Spannung erwartete Ergebnis 2015: Klarer Festlands-Sieger war erneut Cuxhaven mit 141 Arten vor Greetsiel (132) und dem Wangerland (129). Bei den Inseln hatte erstmals Wangerooge den Schnabel vorn mit 132 Arten, dicht gefolgt von Norderney mit 130 Arten, den dritten Platz erkämpfte sich Spiekeroog mit 124 Arten.

Unter den Ausstellern des Zugvogel-Festes waren allein neun namhafte Hersteller und Anbieter von Ferngläsern und Spektiven vertreten. Das Zugvogelfest will nicht mit großen Optik-Messen konkurrieren, doch im eher familiären Rahmen kommt man intensiver ins Gespräch, und so nehmen einige dieser Aussteller schon seit Jahren gern die zum Teil weite Anreise an die Küste auf sich und wollen auch 2016 dabei sein. Zudem stiften sie hochwertige Ferngläser für die Verlosungen unter allen Besuchern und den Teilnehmern der Kinderaktion. Auch weitere Aussteller wie Fachverlage, Künstler oder Naturschutzorganisationen sind dem Zugvogelfest treu und ergänzen das attraktive Besucherangebot.

Eine neue Attraktion des Festes waren die Nationalpark-Ranger. Erst seit diesem Jahr hat das niedersächsische Wattenmeer die lang ersehnten hauptamtlichen Schutzgebietsbetreuer erhalten. An ihrem gut besuchten Infostand präsentierten sie sich und ihre Aufgaben, konnten ungezählte Fragen beantworten und waren zudem eine spürbare Entlastung für das Organisations-Team der Nationalparkverwaltung.

Insgesamt nahmen etwa 13.000 Gäste und Einheimische an den über 250 Veranstaltungen der 7. Zugvogeltage teil. Ein besonderer Besuchermagnet waren wieder die festen Beobachtungsstationen wie der „Vogelturm“ am Vareler Hafen oder der Pilsumer Leuchtturm. Je nach Andrang und Verweildauer besteht dabei für die anwesenden Ornithologen auch Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Gästen. So ist zu erfahren, dass manche Gäste schon zum wiederholten Male von weither, z. B. aus der Schweiz, extra wegen der Zugvogeltage an die niedersächsische Küste kommen. Einheimische freuen sich über die Gelegenheit, den „Schatz vor ihrer Haustür“ wirklich kennenzulernen.

Auf der anderen Seite gibt es auch kleine feine Veranstaltungen mit weniger als zehn Teilnehmern, die dann aber besonders intensiv erleben konnten, was den Vogelzug am Wattenmeer im Herbst ausmacht. Für das gesamte Zugvogeltage-Programm gilt: Klasse statt Masse, jeder Besucher soll sich gut betreut fühlen und wirklich etwas zum Thema Vogelzug lernen und erfahren.

„Unserem Ziel, ein Kernthema unserer Arbeit im Nationalpark Wattenmeer möglichst vielen Menschen näher zu bringen und sie so zu Unterstützern des Schutzes der Vögel zu machen, sind wir wieder ein kleines Stück näher gekommen“, freut sich Petra Potel, die die Zugvogeltage in der Nationalparkverwaltung inhaltlich koordiniert.

Der Termin für die 8. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer steht bereits: Vom 8. bis zum 16. Oktober 2016 dreht sich wieder alle um die Zugvögel im Nationalpark und Weltnaturerbe Niedersächsisches Wattenmeer.

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