03.06.2015

Brutvogelwelt profitiert von der Deichöffnung

Im Langwarder Groden in Butjadingen werden erste Auswirkungen der Öffnung des Vordeichs erkennbar.
Schlammfläche im Langwarder Groden

Ausgedehnte Schlamm- und Wattflächen sind optimale Nahrungshabitate für Säbelschnäbler und andere Watvögel.

Seit der Deichöffnung am Langwarder Groden im Oktober letzten Jahres hat sich die Grodenlandschaft stark gewandelt. Die Baumaschinen sind weg, Ebbe und Flut haben Einzug gehalten. Zweimal täglich schwingt die Tide in den Groden ein und überschwemmt die niedrig gelegenen Bereiche, wodurch nahrungsreiche Schlickflächen entstehen. Der regelmäßige Einfluss des Salzwassers ist außerdem Voraussetzung dafür, dass  die für die Küste so typischen Salzwiesen entstehen können. Sie prägten das Landschaftsbild an dieser Stelle Butjadingens, bis der Vordeich gebaut wurde.

„Wir waren von Anfang an sehr gespannt, wie die Brutvögel auf den Tideeinfluss durch Öffnung des Vordeiches reagieren“, so Gundolf Reichert, Brutvogelexperte bei der Nationalparkverwaltung. Derzeit laufende Erfassungen der Brutvogelbestände deuten darauf hin, dass insbesondere Watvögel vom Nahrungsangebot der Schlickflächen profitieren, die mittlerweile im Groden entstanden sind.

„Durch die Deichöffnung haben wir keine Arten verloren, es sind sogar typische Pionierarten wie Sandregenpfeifer und Säbelschnäbler dazu gekommen. Beim Rotschenkel können wir bereits im ersten Jahr einen deutlichen Bestandsanstieg erkennen“ zieht Reichert ein vorläufiges Fazit. Der Rotschenkel gilt hier als Indikator für eine natürliche Salzwiesenentwicklung. Er benötigt – anders als andere Watvögel – eine eher höhere Vegetation zur Nestanlage.

Die Erfassungen der Brutvogelbestände zeigen zudem, dass typische Grünlandarten wie Kiebitz und Uferschnepfe, aber auch Singvögel wie Feldlerche, Wiesenpieper und Schafstelze nach der Deichöffnung weiterhin im Groden brüten. Für die wenigen Paare von Röhrichtbrütern wie Teichrohrsänger oder Rohrammer ist es durch die Maßnahme offenbar schwieriger geworden, denn die Verbreiterung des Sieltiefs und der Salzwassereinfluss haben die Röhrichtbereiche stark verkleinert.

Auch die Wiesenvögel der näheren  Umgebung des Langwarder Grodens profitieren von der Maßnahme. „Uferschnepfen aus dem Binnenland fliegen regelmäßig in den Groden und suchen dort in den Schlammflächen nach Nahrung“ erläutert Reichert.

Seit Anfang April hält sich die besenderte Uferschnepfe „Alcollarin“ in Butjadingen auf. Es ist ein Weibchen, das nach dem Ort in der Extremadura in Spanien benannt wurde, wo es am 10. Februar von niederländischen Vogelforschern mit einem Sender ausgestattet wurde. Anfangs hielt sich „Alcollarin“ südlich von Fedderwardsiel auf. Dann hat sich der Vogel südlich vom Langwarder Groden  angesiedelt, wo er wahrscheinlich gebrütet hat. Die Sendersignale zeigen, dass „Alcollarin“ regelmäßig in den Langwarder Groden zur Nahrungssuche fliegt. Vor der Brutzeit hat die Schnepfe auch im Watt Nahrung gesucht.

„Wir sind erfreut über die Entwicklung im Langwarder Groden. Es zeigt sich, welches Potenzial die Natur entfaltet, wenn wir ihr Raum zurückgeben,“ erklärt Reichert.

Hintergrund

Das Renaturierungsprojekt Langwarder Groden ist eine Kompensationsmaßnahme zum Ausgleich von Eingriffen im Wattenmeer durch den Bau des JadeWeserPorts und verschiedene Deichbauprojekte. Finanziert wurde die Maßnahme von der JadeWeserPort Realisierungsgesellschaft sowie vom II. und III. Oldenburgischen Deichband.

Mit der Öffnung des Vordeichs am Langwarder Groden im Oktober 2014 wurden 140 ha ehemaliger Sommerpolder wieder dem regelmäßigen Salzwassereinfluss zugeführt. Die Einrichtungen zum Naturerleben wurden vom Land Niedersachsen, der Wattenmeerstiftung und der Bingo-Umweltsstiftung sowie der Gemeinde Butjadingen finanziert.

Weitere Informationen zur Renaturierung des Langwarder Grodens

 

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