13.03.2018

Der Merlin – Der kleinste Falke Europas zu Gast an der deutschen Nordseeküste

9-8-7 ... im Zugvogeltage-Countdown setzt der Merlin die Zeitmarke für den März. Der kleinste Falke Europas liebt die offenen Flächen unserer Polder und Salzwiesen, wo er mit wendigem Flug meist dicht über dem Boden auf Vogeljagd geht.
Merlin. Foto: Gerd-Michael Heinze

Merlin. Foto: Gerd-Michael Heinze

von Kai Pagenkopf

Morgens schon sehen, wer abends zu Besuch kommt: Diese Besonderheit der norddeutschen Landschaft lockt nicht nur viele Touristen an. Auch der Merlin, der kleinste Falke Europas, liebt die offenen Flächen unserer Polder und Salzwiesen, wo er mit schnellem und wendigem Flug meist dicht über dem Boden auf Vogeljagd geht. Stare, Pieper, Finken und Lerchen stehen auf seinem Speiseplan, hin und wieder auch mal eine Drossel, wenngleich diese für den kleinen Greif schon eine echte Herausforderung darstellt. Schließlich ist er selbst nur unwesentlich größer als eine Amsel.

Merline brüten im Norden Europas, Asiens und Amerikas. Die Vögel, die wir bei uns zur Zugzeit und im Winter im Nationalpark sehen können, stammen meist aus Skandinavien und dem Nordwesten Russlands. Dort brüten sie gerne in alten Nestern von Krähen in unmittelbarer Nähe von Mooren, Heiden und anderen Offenländern. Eigene Nester bauen sie nicht.

Bereits im September treffen die ersten Vögel bei uns ein, und während der Zugvogeltage im Oktober sind jedes Jahr schon einige Vögel auf den Inseln und am Festland unterwegs. Viele ziehen dann jedoch noch weiter in den Süden und Westen.

Im Winter kann man Merline in weiten Teilen Europas beobachten, besonders gute Chancen hat man jedoch an den Küsten der südlichen Nordsee. Aber auch bei uns sind sie nirgends häufig und nicht immer leicht zu beobachten. Dabei ist das Männchen des Merlins mit seinem schieferblauen Rücken und seiner hellorangen, gestrichelten Unterseite durchaus eine attraktive Erscheinung. Das Weibchen ist unscheinbarer braun gefärbt, ohne die Rottöne des vertrauten Turmfalken. Wie bei vielen Greifvögeln und Falken ist das Weibchen deutlich größer und kräftiger als das Männchen. Anders als der verwandte Turmfalke lassen sich Merline nicht in unseren Siedlungen blicken, und auch das auffällige Rütteln des Turmfalken wird man beim Merlin nicht beobachten können.

Aber wie ist der kleine Falke zu seinem „zauberhaften“ Namen gekommen? War er gar der Begleiter des gleichnamigen mächtigen Magiers aus der Artus-Sage? Nein. Der Name „Merlin“ leitet sich aus dem mittelhochdeutschen „smirlin“ ab, was einfach nur „Zwergfalke“ bedeutet. Bei unseren niederländischen Nachbarn heißt er „Smelleken“; hier lässt sich die Namensherkunft noch gut erkennen. Im Deutschen wurde im Laufe der Zeit das anlautende „s“ mehr und mehr verschluckt, und so war es vom „mirlin“ zum viel bekannteren Wort „Merlin“ nur noch ein kleiner Schritt.

Auch wenn der deutsche Name ein wenig in die Irre führt, verzaubern vermag uns der Merlin mit seinem kraftvollen und zugleich eleganten Flug aber doch. Jetzt, im März, lohnt es sich, die Felder und Wiesen nach dem kleinen Falken abzusuchen. Meist wird man jedoch eher unverhofft auf den rasanten Flieger treffen, der seine Beute genau so überrascht wie den Beobachter.

Während der Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist der Merlin regelmäßig zu beobachten. Die 10. Zugvogeltage finden vom 13. bis zum 21. Oktober 2018 statt.

Dr. Kai Pagenkopf ist Berater für nachhaltigen Tourismus, unter anderem für die Zugvogeltage, und seit seiner Jugend begeisterter Vogelbeobachter.

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