Ein echter Vogelschatz im Nationalpark: die Strandbrüter

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Regenpfeifer & Co.
Seeregenpfeifer. Foto: Gundolf Reichert/NLPV

Seeregenpfeifer. Foto: Gundolf Reichert/NLPV

Die Brutzeit der Strandbrüter im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat begonnen. Zu den Strandbrütern zählen namentlich die Zwergseeschwalbe, der Sandregenpfeifer und der Seeregenpfeifer. Im vergangenen Jahr brüteten 168 Paare der Zwergseeschwalbe und 14 Paare des Seeregenpfeifers in Niedersachsen und dies ausschließlich im Nationalpark. Zudem brüteten Im vergangenen Jahr 116 Paare des Sandregenpfeifers – und damit der Großteil des niedersächsischen Brutbestandes – im niedersächsischen Wattenmeer.

Nach der Roten Liste sind sie vom „vom Aussterben bedroht“. Strandbrüter sind echte Spezialisten und brüten bevorzugt in solchen Bereichen, die eine hohe Dynamik aufweisen: Im Nationalpark sind dies vor allem Primärdünen sowie naturnahe Strände. Die Strandbrüter wie Regenpfeifer und Zwergseeschwalbe sind nur etwa 16 cm bzw. 22 cm klein. Sie bauen als Nester kleine Mulden, in die sie ihre gut getarnten Eier legen, um sie auszubrüten.

Das Vogelmonitoring in den drei Wattenmeer-Anrainerstaaten hat gezeigt, dass Strandbrüter in den letzten 20 Jahren wattenmeerweit stark rückläufig sind. Dabei spielten Störungen während der Brutzeit leider eine große Rolle. Anders als die Brutvögel der Dünen und Salzwiesen müssen sich die Strandbrüter ihr Brutgebiet mit den Erholung suchenden Menschen teilen. „Spaziergänger oder Sonnenbadende dringen dabei häufig in die Brutreviere ein, ohne es zu merken. Die Altvögel verlassen bei sich nähernden Spaziergängern, unangeleinten Hunde oder Flugdrachen bereits auf große Distanz ihr Gelege. Eier oder Küken sind dann schutzlos dem Wetter ausgesetzt und können unterkühlen oder bei Sonneneinstrahlung überhitzen“, weiß Nationalpark-Ranger Sebastian Keller von Borkum zu berichten.

In den Bereichen der Zwischen- und Erholungszone ist daher eine Beruhigung der Brutgebiete erforderlich. Dieser Schutz wird von der Nationalparkverwaltung im Rahmen des Strandbrüter-Schutzes organsiert und umgesetzt. Im Wesentlichen leisten dies vor Ort Nationalpark-Ranger und Artenschutzkräfte. Sie werden zudem durch die Dünen-und Vogelwartin und die Bundesfreiwilligen des NLWKN sowie ehrenamtliche Helfer unterstützt.

Der Strandbrüterschutz läuft wie folgt ab: Während der Brutzeit werden die Ansiedlungen von Strandbrütern frühzeitig erfasst. So können rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden, um die Reviere bzw. Neststandorte der Strandbrüter zu beruhigen. Die Brutgebiete werden durch einen Mobilzaun für die Dauer der Brutzeit abgesteckt und mit Hinweisschildern versehen. Damit werden die sensiblen Brutgebiete für „menschliche Strandbesucher“ sichtbar gemacht. Ein auskömmliches Nebeneinander von Mensch und Natur wird so in der Regel ermöglicht.

Bewohner und Gäste auf den Inseln können zum Schutz der Strandbrüter beitragen, indem sie die Abgrenzungen der Mobilzäune einhalten. Hunde müssen während der Brutzeit im gesamten Nationalpark an der Leine geführt werden und auch Drachen sowie Kitesegel sollten nicht in der Nähe der Brutgebiete aufsteigen, um die Vögel nicht zu beunruhigen. Wenn sich Strandbesucher an diese Regeln halten, haben sie aktiv zum Schutz der Vögel beigetragen!

Erfolge im letzten Jahr

Auch die Erfolgskontrolle gehört zum Strandbrüterschutz im Nationalpark. Sie ergab, dass Strandbesucher eine hohe Akzeptanz gegenüber den Absperrungen während der Brutzeit zeigten. Zu absichtlichen Übertritten kam es kaum. „Das Verständnis seitens der Strandnutzer sehen wir mit großer Freude. Wir führen dies auch auf die Information zum Strandbrüterschutz auf den Infotafeln an den Absperrungen zurück“, so Gundolf Reichert, verantwortlicher Koordinator des Brutvogelschutzes in der Nationalparkverwaltung.

Die Maßnahmen zeigten Wirkung: Mithilfe der Mobilzäune konnten die Brutplätze der Strandbrüter so gut geschützt werden, dass ein Großteil der Gelege erfolgreich schlüpfte und viele Küken flügge wurden.

Information schafft Verständnis. Aus diesem Grund gibt die Nationalparkverwaltung einen neuen Flyer heraus, der Besuchern ausführliche Informationen zum Schutz der Strandbrüter liefert:


 

Text & Foto: Gundolf Reichert