15.07.2016

Insel der Entdeckungen

„GEO Tag der Artenvielfalt“ auf Juist ließ Forscherherzen höher schlagen: Zahlreiche Erstnachweise von Tier- und Pflanzenarten
Teilnehmer des GEO Tags der Artenvielfalt 2016 auf Juist. Foto: Imke Zwoch

Teilnehmer des GEO Tags der Artenvielfalt 2016 auf Juist. Foto: Imke Zwoch

Eine Insel, 726 Tier- und Pflanzenarten und 40 Kartierer/innen: so ließe sich der diesjährige GEO Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer kurz bilanzieren. Zum 11. Mal hatte die Nationalparkverwaltung Experten aus Planungsbüros, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen dazu eingeladen, einen Tag lang das Arteninventar einer der Ostfriesischen Inseln zu untersuchen. In diesem Jahr war wieder Juist an der Reihe. Nachdem dort vor drei Jahren starke Regenfälle die Aktion erschwert hatten, war ein neuer Versuch bei freundlich gestimmten Himmel deutlich erfolgreicher.

Bevor es losging, versammelten sich die Teilnehmer/innen im Nationalparkhaus. Bürgermeister Dietmar Patron ließ es sich nicht nehmen, alle persönlich zu begrüßen, und gab einen Überblick über die Anstrengungen der Inselgemeinde für den Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Arndt Meyer-Vosgerau, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung, informierte über den Ablauf des Tages und die wichtigsten „Spielregeln“: Kartiert wird nur von den zugelassenen Wegen und Flächen aus, ohne Brutgebiete oder andere besonders geschützte Bereiche zu betreten. Ausgerüstet mit Fahrrädern, guter Optik, Keschern und anderem speziellen Zubehör zogen die Teilnehmer dann in Gruppen über die 17 km lange Insel.

Am Abend wurden dann die Ergebnisse zusammengetragen. Die Botaniker hatten 295 Arten auf der Liste. Besonders glücklich waren sie, das seltene Moosglöckchen einmal selbst in freier Wildbahn zu sehen, aber auch die Waldhyazinthe sowie Knabenkräuter in ungewöhnlich großer Zahl ließen die Botanikerherzen höher schlagen. Die Experten lobten die konsequente Pflege des Billpolders, die eine Rückkehr und Ausbreitung gefährdeter Arten ermöglicht.

Die Moos-Spezialistin Monika Koperski hatte an diesem Tag 55 Arten gefunden, darunter das Weißmoos und das Gewöhnliche Igelhaubenmoos, welche beide zuvor im Jahr 1925 zuletzt auf der Insel nachgewiesen wurden.

Die Ornithologen entdeckten mit 71 Vogelarten das in diesem kurzen Zeitraum von wenigen Stunden erwartete Inventar. Besonders freuten sie sich über junge Zwergtaucher auf dem Hammersee, eine größere Zahl von Birkenzeisigen und Schwarzkehlchen sowie ein Kiebitzpaar mit drei Jungen.

Richard Podloucky fand zwei der fünf auf den Inseln heimischen Amphibien, den Teichmolch und die Kreuzkröte. Letztere in so großer Zahl (sowohl Laich als auch ausgewachsene Tiere) und selbst ganz im Osten der Insel, dass er Juist als die derzeit wohl beste Ostfriesische Insel für Kreuzkröten bezeichnete.

Carsten Heinecke war bereits in der Nacht in den Dünen und am Strand unterwegs gewesen, um mit einer speziellen Lampe Nachtfalter anzulocken. Zusammen mit den Tagfaltern kam er auf 54 Schmetterlingsarten – davon 14 Erstnachweise für die Insel Juist! Spektakulär sein Fund des Küstendünen-Kleinspanners: Er galt in Niedersachsen jahrzehntelang als ausgestorben. Erst 2013 wurde die Art auf den Ostfriesischen Inseln wiedergefunden und nun, nach über 30 Jahren, erstmals auch wieder auf Juist.

„Einfach und dankbar“ sind die Artengruppen, denen sich Rolf Niedringhaus mit Unterstützern widmete: In den wenigen Stunden stießen sie auf 43 Zikaden- und 31 Wanzenarten, jeweils mit hohen Individuenzahlen. Der „Knaller“ unter den 70 entdeckten Käferarten war eine Larve des Großen Kolbenwasserkäfers, der seit 100 Jahren auf den ostfriesischen Inseln als ausgestorben galt. Sieben Rüsselkäferarten wurden als Erstnachweise für Juist notiert. Spektakulär auch der Tausendgüldenkrautrüssler: es war der zweite Fund im Weser-Ems-Gebiet überhaupt.

Des Weiteren wurden fünf Assel-, zehn Heuschrecken- und fünf Libellen-Arten gefunden, 50 Vertreter aus dem Reich der Pilze sowie einige Säugetierarten (Seehund, Hase, Spitzmaus).

 Walter WimmerAuf der Jagd nach Schnecken war Walter Wimmer wie in jedem Jahr aus dem Harz angereist. Vier der 28 entdeckten Landschnecken waren Erstnachweise für Juist. Der "Hit" war seine Entdeckung der Nudelschnecke an diesem Tag:  der erste Freilandfund dieser Art in Niedersachsen überhaupt! Zudem freute er sich über die Begegnung mit dem Bierschnegel und dem Gewächshausschnegel.

„Der GEO TAG bestätigt uns jedes Jahr aufs Neue die beeindruckende Artenvielfalt der Ostfriesischen Inseln“, stellt Richard Czeck zufrieden fest. Seit 2006 organisiert der Biologe die regionalen GEO-Tag-Aktionen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und freut sich über die stets treue Teilnehmerschar, die sich aus beruflichen Zusammenhängen kennt, aber ehrenamtlich an dieser Aktion teilnimmt und dafür aus ganz Niedersachsen und darüber hinaus anreist.

Im kommenden Jahr feiert der „GEO Tag der Artenvielfalt“ sein 25. Jubiläum. Und natürlich ist der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer mit einer besonderen Aktion dabei.

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