24.07.2015

Mehr Durchblick an der Küste

Die Umweltstiftung Weser-Ems ermöglicht die Anschaffung von Spektiven für ehrenamtliche Vogelzähler

Die Zählergruppe Ostjadebusen mit den von der Umweltstiftung Weser-Ems finanzierten Spektiven: Raoul Kima, Gundolf Reichert (Nationalparkverwaltung), Andreas Laumann, Carina Blessing, Bri Esser, Wolfgang Pape

Das Wattenmeer ist für Millionen von Rastvögeln als Zwischenstation auf ihrem Zug zwischen der Arktis und den afrikanischen Überwinterungsgebieten von internationaler Bedeutung. Wesentliche Voraussetzung für einen effektiven Vogelschutz im Wattenmeer ist die regelmäßige Erfassung der Rastvogelbestände. Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wird das „Rastvogelmonitoring“ hauptsächlich von ehrenamtlichen Vogelkundlern geleistet. Am Jadebusen übernehmen dies die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Jever e.V. und die Zählergruppe Ostjadebusen. Letztere hat sich 2011 zusammengefunden, nachdem der östliche Jadebusen zwischen Dangast und Beckmannsfeld mangels Zählern über Jahre von systematischen Rastvogelzählungen ausgeschlossen war.
Zur Unterstützung ihres freiwilligen Einsatzes hat die Umweltstiftung Weser-Ems jetzt die Anschaffung von zwei leistungsstarken Spektiven mitsamt Okularen und Stativen finanziert. Spektive sind stark vergrößernde Fernrohre, die für die Bestimmung und Zählung von Wasser- und Watvögeln (WWZ) unverzichtbar sind, denn die Zählungen finden größtenteils vom Deich aus statt. Gundolf Reichert, Ornithologe bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer: „Ich bin sehr froh, dass die Umweltstiftung Weser-Ems dieses Engagement stärkt. Ohne ein gutes Monitoring ist ein Schutz der Vögel im Wattenmeer nicht möglich. Was ehrenamtliche Vogelzähler leisten – und zwar  bei Wind und Wetter –, ist sehr wertvoll für die Erforschung der Vogelwelt und ein motivierendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement im Sinne der ‚citizen science‘ (Bürger forschen mit). Darüber hinaus macht die Arbeit vor Ort viel Spaß!“
Bei der Zählung am vergangenen Samstag kamen die Spektive erstmals zum Einsatz. Die häufigsten beobachteten Arten waren Lachmöwen, Austernfischer und Große Brachvögel. Bemerkenswert an diesem Zähltermin war die Sichtung von etwa 80 Löfflern sowie über 200 Eiderenten.
Der Jadebusen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat eine herausragende Bedeutung als Rast- und Überwinterungsgebiet. Insbesondere während des Frühjahrs- und Herbstzuges und während des Winters finden sich hier beachtliche Vogelanzahlen ein. Charakterarten dieser Meeresbucht sind z.B. Alpenstrandläufer und Brandgans (regelmäßig jeweils bis zu 30.000 Individuen), Säbelschnäbler (bis zu 8.000 Individuen) oder Rotschenkel (bis zu 4.500 Individuen).
Die Umweltstiftung Weser-Ems ist eine private und unabhängige Stiftung für den Schutz von Natur und Umwelt im Raum Weser-Ems. Förderbereiche umfassen sowohl den Arten- und Biotopschutz als auch Wissenschaft und Forschung sowie die Umweltbildung junger Menschen.
Die Zählungen am östlichen Jadebusen werden koordiniert von Nadine Knipping. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: .
Bei den Zugvogeltagen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer vom 10. bis 18.10.2015 haben alle Interessierten Gelegenheit, die faszinierende Zugvogelwelt im Weltnaturerbe zu erleben (Infos unter www.zugvogeltage.de).

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