05.04.2017

Russische Kollegen zu Besuch im Nationalpark Wattenmeer

Eine 16köpfige Delegation aus Leitern und Mitarbeitern von Schutzgebieten in Russland und Kasachstan war jetzt zwei Tage lang in der Krummhörn und auf Norderney unterwegs, um sich über Schutzkonzepte im Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer zu informieren. Begleitet wurden sie von Nationalpark-Leiter Peter Südbeck, Bernd Oltmanns, Biologe bei der Nationalparkverwaltung, und den örtlichen Rangern. Die Exkursion wurde für einen regen Erfahrungsaustausch genutzt, von dem beide Seiten profitierten.
Internationale Begegnung bei der Vogelbeobachtung. Foto: Onno K. Gent

Internationale Begegnung bei der Vogelbeobachtung. Foto: Onno K. Gent

Neben Nationalparks und Naturparks gibt es in Russland auch Totalreservate, die weder betreten noch anderweitig menschlich genutzt werden. Die Wattenmeer-Vertreter zeigten sich von der schieren Größe der russischen Schutzgebiete beeindruckt, von denen das älteste bereits vor über 100 Jahren eingerichtet wurde. „Wenn man die Karten mit den Schutzgebieten von Deutschland und Russland nebeneinander sieht, wird man demütig“, berichtet Bernd Oltmanns. „Unser Nationalpark ist mit 345.000 Hektar Fläche eigentlich riesig, aber allein das Naturreservat Taymir ist vier Millionen Hektar groß, da verschieben sich die Dimensionen.“

Ökologisch betrachtet gibt es allerdings viele Gemeinsamkeiten. So weist der Nationalpark Wolgadelta ganz ähnliche Lebensräume auf wie das Wattenmeer. Und die Taymir-Halbinsel ist ein nördlicher Endpunkt des ostatlantischen Vogelzugweges. Dort brüten die Ringelgänse, die im gemäßigten Klima des Wattenmeeres überwintern und sich zum Frühjahr hin gut genährt auf den weiten Weg Richtung Sibirien machen. „Dieser Austausch mit russischen Kollegen ist ein Baustein des Netzwerkes entlang der Zugroute, das wir auch Richtung Süden mit afrikanischen Kollegen gemeinsam ausbauen“, erklärt Peter Südbeck. „Naturschutz ist nicht nur eine lokale, sondern auch eine globale Aufgabe“.

Bereits vor zwei Jahren waren russische Naturschutzexperten auf Besuch im Wattenmeer. Organisiert wird der Austausch von der slowakischen Organisation Machaon International. Jozef Bednar hatte nicht nur als Reiseleiter alle Hände voll zu tun, sondern überwand auch als Dolmetscher die sprachlichen Barrieren. Wattenmeer-Ranger Simon Potthast konnte hingegen seine eigenen Russisch-Kenntnisse für intensive Gespräche nutzen.

Zu den Anregungen, die die Gäste mit nach Hause nehmen, gehört das hiesige Konzept der Schutzgebiets-Partnerschaften und Allianzen. Einen konkreten Eindruck davon bekamen sie durch ihre Übernachtung auf dem Nationalpark-Partnerbetrieb „Ferienhof Saathoff“ in der Krummhörn. An der Akzeptanz für Schutzgebiete muss in Russland noch gearbeitet werden, Partnerschaften könnten auch dort den Weg ebnen.

Darüber hinaus nehmen sie wunderschöne Bilder mit nach Hause. So konnten sie in der Leybucht 20.000 rastende Nonnengänse beobachten – und einen Seeadler, der ordentlich Unruhe unter den Gänsen stiftete.

Hier geht's zur Bildergalerie mit Impressionen der internationalen Begegnung.

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