18.09.2015

Startklar für die 7. Zugvogeltage

Themen: 
Schirmherr Prof. Dr. Klaus Töpfer kommt zum Auftakt nach Wilhelmshaven - Ein Themenschwerpunkt ist in diesem Jahr Großbritannien, das Mutterland des Birdwatching – über 250 Veranstaltungen vom 10. bis zum 18. Oktober
Petra Potel, Peter Südbeck und Christina Burmeister mit Zugvogeltake-Plakat

Petra Potel, Peter Südbeck und Christina Burmeister sind startklar für die 7. Zugvogeltage. Foto: Nationalparkverwaltung.

Der Countdown läuft: In drei Wochen beginnen die 7. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern hat die Nationalparkverwaltung wieder ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das jetzt in Oldenburg vorgestellt wurde.

Das passende Ambiente für das Pressegespräch bot der Ausstellungsbereich „Küste und Marsch“ des Landesmuseums für Mensch und Natur. Dr. Christina Burmeister, stellvertretende Leiterin des Museums, zeigte sich erfreut, die Zugvogeltage auch in diesem Jahr in ihrer Einrichtung einläuten zu dürfen. Gleich doppelt, denn am Abend präsentierte dort das Folk-Trio „DreyBartLang“ sein Arrangement „Das Jahr der Ringelgans in Wort und Musik“. „Unsere Ausstellung wird als Konzertsaal mit Leben erfüllt“, so Burmeister, die zusammen mit Nationalpark-Leiter Peter Südbeck die Kooperation der beiden Institutionen vertiefen möchte.

„Ohne überheblich zu sein, können wir die Zugvogeltage als Erfolgsmodell bezeichnen“, stellte Peter Südbeck fest. Seit dem Auftakt im Herbst 2009 hat die jeweils neuntägige Veranstaltungsreihe Strahlkraft weit über die Region hinaus entwickelt. Stammbesucher z. B. aus Süddeutschland und der Schweiz melden sich bereits im Vorfeld. Die mittlerweile feste Terminierung – Beginn jeweils am zweiten Oktoberwochenende – ermöglicht eine verlässliche Planung für alle Akteure und Teilnehmer.

Südbeck skizzierte Ideen und Ziele der Zugvogeltage in fünf Kernpunkten:

  • Symbolisch: Zugvögel charakterisieren die Landschaft der niedersächsischen Wattenmeerküste, ihr Schutz ist ein wesentliches Ziel des 1986 eingerichteten Nationalparks
  • Lebenswichtig: Das Wattenmeer ist überlebensentscheidend für 34 Zugvogel-Populationen bzw. 10 bis 12 Millionen Zugvögel, die zweimal jährlich hier durchziehen oder überwintern. So wurde nachgewiesen, dass ein Ringelgans-Ei, in der sibirischen Tundra gelegt, Reservestoffe enthält, die das Muttertier zuvor 5000 km entfernt im Wattenmeer aufgenommen hat.
  • Berührend: Über die reine Information hinaus sollen die Zugvogeltage Menschen mit dem Vogelzug in Berührung bringen – wissenschaftlich, spielerisch, künstlerisch, musikalisch, kulturell – und als Unterstützer für den Vogelschutz gewinnen
  • Grenzenlos: Vogelzug ist ein globales Phänomen, für den Schutz der Zugvögel auf dem Ostatlantischen Zugweg haben wir und alle Anrainer eine internationale Verantwortung
  • Nachhaltig: Alle Veranstaltungen unterliegen einem strengen Qualitätsmanagement: Die Veranstaltungen sollen möglichst nachhaltig ausgerichtet sein, also Speisen und Getränke regional, saisonal, bio, fair gehandelt und Mobilität per Bahn, Bus, Fahrrad. Die Angebote werden fachlich geprüft, müssen einen engen Bezug zum Thema haben und dürfen selbstverständlich keine Störungen verursachen.

Mit Professor Dr. Klaus Töpfer konnte die Nationalparkverwaltung einen prominenten wie auch höchst kompetenten Schirmherren für die Zugvogeltage gewinnen. Bekannt wurde Töpfer vor allem als Bundesumweltminister (1987-1994). Bereits zuvor war er an verschiedenen Universitäten im Bereich Entwicklungspolitik tätig. Von 1998 bis 2006 war Töpfer Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Seitdem konzentriert er sich, in verschiedenen Funktionen und internationalen Gremien, auf das Thema nachhaltige Entwicklung. Zum Auftakt der diesjährigen Zugvogeltage kommt Prof. Töpfer nach Wilhelmshaven.

Um die internationale Dimension des Vogelzuges zu verdeutlichen, bildet jedes Jahr ein anderes Land entlang der Ostatlantischen Zugroute, zwischen Sibirien und Südafrika, einen Themenschwerpunkt. Dieses Jahr sind es die Britischen Inseln. Eine verbindende Vogelart ist die Ringelgans, die in großen Zahlen in Südengland überwintert. Zudem gilt Großbritannien als das „Mutterland“ der Vogelbeobachtung als „Volkssport“. Allein die RSPB (Royal Society for the Protection of Birds) zählt über eine Million Mitglieder, 20 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche. Südbeck verdeutlichte an einem Beispiel, wie liebenswert verrückt die britischen „Birder“ sind: 2500 reisten mit Kameras und Spektiven ausgerüstet nach Kent, nachdem dort ein Exemplar des höchst seltenen Goldflügel-Waldsängers gesichtet wurde. Mittlerweile ist die Begeisterung schon zu uns übergeschwappt: Ein einziger Sahara-Steinschmätzer zog 2007 mehrere Hundert Vogelfreunde an die Wurster Küste.

Bewährte Veranstaltungsformate sind der Zugvogel-Aviathlon, bei dem sich Inseln und Festlandsregionen darin messen, während der Zugvogeltage die meisten Vogelarten zu zählen; die Kinderaktion, bei der in diesem Jahr Bilder gefragt sind, die Vogelbeobachter zeigen; und die stationären Beobachtungspunkte wie der Turm am Vareler Hafen, der Pilsumer Leuchtturm oder an der Kugelbake in Cuxhaven, die während der Zugvogeltage nahezu ganztags von Ornithologen betreut werden. Im Einsatz sind auch die Nachwuchsexperten: Die Junior Ranger im Alter zwischen 9 und 16 Jahren betreuen mehrere Beobachtungsstandorte außerdem gibt es an der Wurster Nordseeküste eine Führung von Kindern für Kinder.

Neue Perspektiven eröffnen Veranstaltungen wie „O hätte ich Flügel!“, ein Gottesdienst aus der Vogelperspektive mit Jan Janssen, Bischof der Ev.-Luth. Kirche Oldenburg (am 16.10. im Welterbeportal Dangast) oder „Ostatlantischer Vogelzug auf neuen Wegen?“, ein Vortrag von Dr. Peter Prokosch über Zugvögel und Klimawandel (14.10. im Klimahaus Bremerhaven).
Krönender Abschluss wird auch in diesem Jahr das große Zugvogelfest (18.10. Haus des Gastes in Horumersiel) mit Musik, Vorträgen, Spiel und Spaß, Ausrüstung für Vogelbeobachter, Ergebnissen des Aviathlons und der Kinderaktion, Verlosung und leckerem Essen.
11.000 Besucher kamen im letzten Jahr zu den Zugvogeltagen. „Den Erfolg messen wir jedoch nicht an der reinen Teilnehmerzahl“, erklärte Peter Südbeck. „Wir spüren, dass die Stimme des Wattenmeeres in der Region immer stärker gehört wird. Ein höchst erfreuliches Ergebnis ist, dass wir jetzt zehn hauptamtliche Ranger bekommen haben. Ohne Unterstützung aus der Region wäre das nicht denkbar gewesen. Diese wachsende Akzeptanz ist sicher nicht allein den Zugvogeltagen zu verdanken, aber sie leisten doch einen wesentlichen Beitrag dazu, die Menschen im Sinne des Naturschutzes zu verbinden.“
Alle Veranstaltungen und viele weitere Infos unter www.zugvogeltage.de.

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