28.12.2014

Sterne statt Raketen, Vogelstimmen statt Böller

Themen: 
Böller und Feuerwerk erschrecken die Tierwelt und sind deshalb im Nationalpark streng verboten. Die Inselgemeinde Spiekeroog verbietet Feuerwerke ganzjährig auch im Ortsbereich.
Ein Trupp Ringelgänse im Flug

Ringelgänse und andere Wintergäste im Wattenmeer dürfen nicht durch Feuerwerk gestört werden. Foto: Reno Lottmann

 

Alle Jahre wieder kommt nach dem Weihnachtsfest die Zeit der Feuerwerkskörper. Schon Tage vor der Silvesternacht wird auch tagsüber schon geknallt, und im neuen Jahr werden die Reste des „Arsenals“ verballert.

Des einen Spaß ist des anderen Leid. Viele Haustier-Besitzer können ein Lied davon singen. Statt auf einer Party das neue Jahr zu begrüßen, verbringen sie jede Silvesternacht zu Hause oder im Stall, um Hund oder Katze, Pferd oder Kuh vor Panikattacken zu schützen.

Wildlebende Tiere müssen ohne tröstende Zuwendung auskommen. Laute Geräusche und grelle Lichtblitze lösen ihren natürlichen Fluchtinstinkt aus. Wenn sich die Knallerei allerorten über viele Tage hinzieht, mit einer zweistündigen Kumulation in der Neujahrsnacht, haben wilde Vögel und Säugetiere zeitlich und räumlich keine Chance für eine Atempause. Jetzt im Winter, wenn Nahrung und Energiereserven knapp sind, ist das besonders fatal.  

In der Nationalpark- und Weltnaturerberegion Niedersächsisches Wattenmeer sind vor allem Zehntausende Wildgänse betroffen, die, aus ihren arktischen Brutgebieten kommend, den ganzen Winter hier bei uns verbringen. Dann lenken ihre Rufe regelmäßig unseren Blick nach oben und wir erfreuen uns an ihren Formationsflügen, wenn  sie zwischen Fress- und Schlafplätzen pendeln. Doch auch  zahlreiche Wat- und Singvögel verzichten auf die weite Reise bis nach Afrika und bleiben als Wintergäste am Watt.

Im Nationalpark selbst sind, zum Schutz der Tierwelt, Feuerwerke (ganzjährig!) streng verboten. Doch Licht und Schall aus benachbarten Ortsbereichen wirken bis in das Schutzgebiet hinein. „Da können wir nur appellieren, als ‚Weltnaturerbe-Nachbar’ freiwillig aufs Feuerwerk zu verzichten oder es zumindest auf die Neujahrsnacht zu beschränken“, erklärt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. „Man darf nicht vergessen, dass es mittlerweile Mode geworden ist, das ganze Jahr hindurch zu allen möglichen Anlässen, von Volksfesten bis hin zu Hochzeitsfeiern, Feuerwerke zu zünden.“

Das Feuerwerksverbot gilt übrigens auch im Nationalpark Harz und anderen Schutzgebieten.

Manche mögen nicht glauben, dass die Tierwelt wirklich so heftig auf explosiven Lärm reagiert. Inzwischen ist die spezielle Störwirkung von Feuerwerken wissenschaftlich untersucht und belegt. Doch auch ohne diese Studien zu kennen, muss man sich nur vor Augen halten, dass gezielt Knallapparate eingesetzt werden, um hungrige Vögel von Obstplantagen und Äckern zu vertreiben.

Wenn man Augen und Ohren aufsperrt, kann man in der Silvesternacht den Scheucheffekt selbst beobachten: In deutlich höherer Frequenz und Geschwindigkeit als sonst ziehen Gänsetrupps hektisch hin und her. Und wenn man beim Neujahrsspaziergang am Deich die Watvögel im Watt vermisst, dann braucht man Geduld, bis die verstörten Tiere sich beruhigt haben und zum Fressen zurückkehren.

Die Gemeinde Spiekeroog hat als Nationalpark-Partner unlängst eine richtungsweisende Satzung erlassen: Auf der Insel ist das Abbrennen von Feuerwerken oder Feuerwerkskörpern aller Kategorien auch im Ortsbereich, außerhalb des Nationalparks, ganzjährig verboten, ebenso das Steigenlassen von sogenannten Himmelslaternen. Das Verbot gilt ausdrücklich auch für Silvester und die Neujahrsnacht. Dabei hat man auch das Schutzgut Mensch im Auge. Denn viele verbringen ihren Urlaub gerade deshalb im Nationalpark, um Ruhe und Abgeschiedenheit zu genießen: Sterne statt Raketen, Vogelstimmen statt Böller.

Rastende Nonnengänse

Auch für rastende Nonnengänse bedeutet jede Störung Stress, Fluchtreaktion und damit verbunden unnötigen Energieverlust. Foto: André Thorenmeier

Das könnte Sie auch interessieren

Auch der Sanderling ist derzeit im Nationalpark zu sehen. © Ralph Martin

21.09.2017 Vogelzug Der "Westküsten-Vogelkiek" 30. September bis 8. Oktober in Schleswig-Holstein bietet eine Vielzahl attraktiver Veranstaltungen rund um den Vogelzug. mehr »
Hallig Gröde © Alex MacLean

Hallig Gröde | © Alex MacLean

13.09.2017 Klimawandel, Umweltbildung, Multimar Wattforum Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum startet eine Reihe von neuen Angeboten zum Thema Klimawandel. Am Donnerstag, den 21. September 2017 hält Prof. Dr. Karsten Reise einen Vortrag mit dem Titel „Mensch und Küste: Was tun, wenn die Nordsee steigt?“. mehr »
In einer Sammelaktion wurde am 2. September das Ostende Wangerooges von Strandmüll gesäubert. Foto: C. Schmidt/NLPV

In einer Sammelaktion wurde am 2. September das Ostende Wangerooges von Strandmüll gesäubert. Foto: C. Schmidt/NLPV

07.09.2017 Müllsammelaktion, Wangerooge, Soltwaters e. V. In einer Sammelaktion der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, des Mellumrat e. V., dem Nationalparkhaus Wangerooge, der Gemeinde Wangerooge und der Soltwaters e. V. Interessenvertretung der Wattfahrer wurde das Ostende Wangerooges von Strandmüll gesäubert. mehr »
Überreichung der Evaluierungsurkunde für das Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer

V.l.n.r.: Joke Pouliart (Biosphärenreservats-Partner Wattwanderzentrum Ostfriesland), Jürgen Rahmel (Dezernatsleiter Biosphärenreservat der Nationalparkverwaltung), Stefan Wenzel (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz), Peter Südbeck (Leiter Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer), Dr. Christiane Paulus (Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Michael Hook (Bürgermeister der Biosphärenreservats-Gemeinde Dornum), Stephan Eiklenborg (Bürgermeister der Biosphärenreservats-Gemeinde Sande)

01.09.2017 Biosphärenreservat, Partnerinitiative Am Rande des 12. Wattenmeertags am 31.8. in Wilhelmshaven überreichte Dr. Christiane Paulus, Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), die Urkunde zur erfolgreichen Evaluierung des Biosphärenreservats an den Niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel. mehr »
Teilnehmer des Wattenmeertags am 31.8.2017

V.l.n.r.: Rüdiger Strempel (Leiter Gemeinsames Wattenmeersekretariat), Bernard Baerends (Niederländisches Wirtschaftsministerium), Stefan Wenzel (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz), Juliana Köhler, (Geschäftsführerin UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven), Andreas Wagner (Oberbürgermeister Stadt Wilhelmshaven), Dr. Christiane Paulus (Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Peter Südbeck (Leiter Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer), Co Verdaas (Vorsitzender Waddensea Board). Foto: J. Wagner/NLPV

01.09.2017 Wadden Sea Day „Partnerschaften für das Weltnaturerbe“ – diesem Thema hat sich der 12. Wattenmeertag („Wadden Sea Day“) am 31. August 2017 in Wilhelmshaven verschrieben. mehr »