27.04.2015

Uferschnepfen zurück im Grohdepolder

Nationalparkverwaltung setzt Maßnahmen zum Schutz der seltenen Vogelart fort
fliegende Uferschnepfe. Foto Jan Weinbecker

Fliegende Uferschnepfe. Foto: Jan Weinbecker

Wer in diesen Tagen auf Norderney über den Grohdepolderdeich wandert, hat sie vielleicht schon entdeckt: Uferschnepfen, die den Winter im Süden, zwischen Westafrika und Spanien verbringen, haben ihren Weg zurück gefunden und besetzten nun ihre Brutreviere. Die Balz der Vögel ist ebenso schön anzusehen wie anzuhören, wenn die Partner einzeln oder gemeinsam umherfliegen und lautstark rufen. Die rhythmischen Balzrufe klingen lautmalerisch wie „Greta“, der plattdeutsche Name für die Uferschnepfe.

„Niedersachsen ist Wiesenvogelland. Deswegen tragen wir für diese Art eine besondere Verantwortung“ erklärt Bernd Oltmanns, Biologe bei der Nationalparkverwaltung. Gerade in den Polderflächen der Inseln brüten nennenswerte Anteile des Landesbestandes an Uferschnepfen. Besonders erfreulich ist, dass hier die Uferschnepfe und andere Wiesenvögel wie Kiebitz und Rotschenkel auch einen guten Bruterfolg haben, also viele Junge groß ziehen.

Damit das so bleibt und die Bedingungen sogar noch verbessert werden, wurde in den letzten Jahren eine Menge unternommen. So wurde als Kompensation für Baumaßnahmen der Firma Tennet die Pflege des Grünlandes verbessert und störende Binsenbestände wurden zurückgedrängt. Gleichzeitig wurden alle Stacheldrähte durch Elektrodraht ersetzt und damit die Verletzungsgefahr für Vögel deutlich verringert. „Unsere Wiesenvögel sind Vögel des Feuchtgrünlandes und brauchen vor allem eines: Wasser“ erläutert Oltmanns. Deswegen wurden Regulierungen in drei Gräben eingebaut, um bei trockener Witterung Regenwasser zurückzuhalten.

Die Begleituntersuchungen zu den Maßnahmen im Polder zeigen, dass man auf einem guten Weg ist. Die Bestände der Wiesenvögel sind stabil oder wachsen sogar. Viel wichtiger ist jedoch, dass der Bruterfolg hoch ist: Er liegt weit über Werten, die in konventionell bewirtschafteten Bereichen auf dem Festland erreicht werden. Idealerweise könnten die Inselpolder wie der Norderneyer Grohdepolder gewissermaßen einen „Überschuss“ an andere Gebiete abgeben. Damit das gelingt, hat sich die Nationalparkverwaltung zusammen mit dem Domänenamt, welches die Flächen als Eigentümer verpachtet, aber noch mehr vorgenommen. So soll die Grünlandmahd, die den Küken potenziell gefährlich wird, später erfolgen, nämlich dann, wenn die Küken bereits flügge sind oder flüchten können. Gerwin Harms, Sprecher der Pächtergemeinschaft im Grohdepolder, ist noch skeptisch: „Wir wollen gerne unseren Beitrag leisten, um die Bedingungen für die gefährdeten Arten wie die Uferschnepfe zu verbessern. Ohne Bewirtschafter kann das Grünland dort aber nicht dauerhaft erhalten und gepflegt werden.“ Dessen sind sich Domänenamt und Nationalparkverwaltung durchaus bewusst. „Ich werde ein genaues Auge darauf haben, wo sich noch Uferschnepfen- oder Austernfischerfamilien aufhalten“, erklärt Nico Erdmann, Ranger der Nationalparkverwaltung. „Wo das der Fall ist, muss mit der Mahd noch gewartet werden.“ Andererseits können Flächen, auf denen keine Jungvögel mehr sind, früher gemäht werden, was den Pächtern entgegenkommt.

Ob diese Form der Bewirtschaftung den Wiesenvögeln im angestrebten Maße nützt, soll anhand der Erfassungsergebnisse nach der Brutzeit bewertet werden.

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