18.05.2016

Walsymposium:Verstärkte Ursachenforschung und noch mehr Anstrengungen beim Meeres- und Artenschutz

Das Niedersächsische Umweltministerium und die Nationalparkverwaltung Wattenmeer (NLPV) hatten für heute (Mittwoch) zu einem Walsymposium nach Wilhelmshaven eingeladen. Mit rund 100 Gästen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Verbänden und Medien erörterten der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel und der Leiter der Nationalparkverwaltung Peter Südbeck Fragen zu den Ursachen und den Konsequenzen der Pottwal-Strandungen Anfang des Jahres. Minister Wenzel sprach von einem „traurigen Superlativ“: „Auf Wangerooge begann im Januar die wohl größte bekannte Strandungsserie seit der Dokumentation solcher Ereignisse im 16. Jahrhundert. 29 Pottwale fanden an den Küsten der Nordsee ihr Ende. Die einzig sinnvollen Konsequenzen aus dieser Tragödie können nur die verstärkte Ursachenforschung und noch mehr Anstrengungen beim Meeres- und Artenschutz sein.“
Umweltminister Stefan Wenzel begrüßt die Teilnehmer des Pottwalsymposiums. Foto: Nationalparkverwaltung

Umweltminister Stefan Wenzel begrüßte zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Verbänden und Medien zum Pottwalsymposium. Foto: Nationalparkverwaltung

Auch wenn die Untersuchungen der Tiere noch nicht endgültig abgeschlossen sind, muss nach Ansicht der Experten davon ausgegangen werden, dass nicht eine einzelne Ursache, sondern eher eine Mischung aus unterschiedlichen Faktoren zu den Strandungen geführt hat: Sowohl die Verschiebung der Nahrungsgründe, als auch geänderte Meeresströmungen, riesige Mengen an Müll im Meer und desorientierende Geräuschentwicklungen oder Sonnenwinde kommen dafür in Frage.
Das Umweltministerium und die Nationalparkverwaltung wollen insbesondere die Aktivitäten gegen die Vermüllung der Meere verstärken. „Es gibt die Schätzung, dass rund 600.000 Kubikmeter Müll auf dem Meeresboden der Nordsee liegen. Fast drei Viertel des Abfalls besteht aus Plastikmüll“, sagte Wenzel. „Plastik ist besonders gefährlich, weil Tiere die Müllteile fressen oder sich in ihnen verfangen.“ Deshalb ist die Reduzierung der Müllbelastung einer der Handlungsschwerpunkte der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der Europäischen Union. Die Müllsammelaktion der Fischer und der Verbände „Fishing for litter“ sowie die Aktion „Strandmüllbox“ in den Küstenbereichen tragen dazu bei, die Öffentlichkeit für das Problem Meeresmüll zu sensibilisieren.

Diskutiert wurde auch, wie die Information über das Schicksal der Pottwale dazu beitragen kann, das starke emotionale Interesse der Bevölkerung zur Motivation für den aktiven Meeres- und Artenschutz zu nutzen. Wenzel: „Die Wale sind Botschafter für die Vielfalt, die Erhabenheit und die Schönheit der Natur. Nach der Strandung waren viele Menschen schockiert, berührt und besorgt. Dies alles sind Momente, die auch Mut machen auf dem Weg zu einer besseren, sauberen und nachhaltigen Umwelt.“ Der Schlüssel sei die Information über Umweltbildung und die Entwicklung von Angeboten zur Einbeziehung der Bevölkerung und ein tieferes Verständnis für die Dynamik unserer Ökosysteme.

Nationalparkleiter Peter Südbeck dankte den vielen Helfern der Bergung und allen anderen Beteiligten in den Behörden, auf der Insel Wangerooge, am Jade-Weser-Port und in der Stadt Cuxhaven. „Auch dieses Engagement war ein eindrucksvolles Beispiel für mehr Naturbewusstsein und die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz. Es tut gut zu wissen, dass sich im 30. Jahr des Nationalparks, dessen runden Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, so viele Menschen für den Schutz der Nordsee mit dem Wattenmeer engagieren und interessiert zeigen. Diese Unterstützung brauchen wir alle, um auch in den nächsten Jahren eine erfolgreiche Arbeit zum Erhalt des Weltnaturerbes Wattenmeer  leisten zu können“.

Gemeinsame Medieninformation des Nds. Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz und der Nationalparkverwaltung Nds. Wattenmeer

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