20.01.2016

Zerlegung der Wangerooger Wale abgeschlossen

Gestrandeter Pottwal an der Ostspitze von Wangerooge

Insgesamt 12 Pottwale strandeten im Januar an der deutschen und der holländischen Nordseeküste.
Foto: Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer

Die Arbeiten an den beiden verendeten Pottwalen, die am 8. Januar am Ostende Wangerooges entdeckt worden waren, sind gestern (Dienstag) abgeschlossen worden. Die Wale wurden vergangenen Freitag zum JadeWeserPort (Wilhelmshaven) geschleppt und an Land gehievt. Für den sicheren Abtransport mit fachgerechter Entsorgung wurden die Kadaver von Fachleuten unter Mithilfe zahlreicher Freiwilliger komplett zerlegt. Das Skelett eines der beiden Tiere wird zur weiteren Bearbeitung in die Niederlande transportiert. Das präparierte Walskelett soll später beim Nationalpark-Haus auf Wangerooge ausgestellt werden. Vom zweiten Tier werden Teile des Skeletts präpariert. Die Reste der Kadaver werden in der Tierkörperbeseitigung in Friesoythe entsorgt.

Die Bergungsarbeiten stellten für die zuständige Nationalparkverwaltung eine ganz neue Aufgabe dar, die in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium und weiteren Behörden, Institutionen, Firmen und Einzelpersonen gelöst wurde: „Das war ein Kraftakt, den wir dank tatkräftiger Hilfe von THW, Jade-Weser-Port, Jadedienst und vielen anderen erfolgreich bewältigen konnten“, erklärt Arndt Meyer-Vosgerau, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.

Hintergrund

Im Laufe des Januars 2016 sind insgesamt zwölf Pottwale an der deutschen und der holländischen Nordseeküste verendet. Dabei handelt es sich ausschließlich um noch nicht ausgewachsene männliche Tiere. Von den sommerlichen Jagdgründen im Nordatlantik kommend, ziehen Pottwalbullen im Winterhalbjahr in subtropische und tropische Breitengrade, beispielsweise zu den Azoren. In die Nordsee gelangten die Tiere vermutlich versehentlich bei ihrer Wanderung Richtung Süden entlang der norwegischen Küste, anstatt nach Südwesten um Großbritannien herumzuschwimmen. Die flache Nordsee erweist sich für die Wale immer wieder als Sackgasse, denn ihre Echoortung eignet sich an der flach auslaufenden Küste nur schlecht zur Orientierung. Zudem finden Pottwale in der Nordsee kaum geeignete Nahrung: Sie jagen bevorzugt Tiefseetintenfische, aber auch mittelgroße Fische wie Kabeljau, Thunfisch, Seeteufel und Seehase.

Ob Unterernährung und Entkräftung zur Strandung der Wale geführt haben, wird derzeit untersucht. Im Magen des einen auf Wangerooge entdeckten Wals fanden sich nur wenige Nahrungsreste. Es handelte sich dabei ausschließlich um Tintenfisch-Schnäbel. Der Magen-Darmtrakt des anderen dagegen war gut gefüllt. Im Vormagen befand sich jedoch ein Fischernetz aus Nylon, das mit großer Wahrscheinlichkeit das Tier beeinträchtigt hat. Ausgewachsene Pottwalbullen können eine Länge von bis zu 20 Meter und ein Gewicht von bis zu 50 Tonnen erreichen und benötigen schätzungsweise 1,5 Tonnen Nahrung pro Tag.

Strandungen von Pott- und anderen Großwalen sind an der Nordseeküste kein neues Phänomen, sondern seit dem 16. Jahrhundert belegt. Nach Angaben des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) sind seit 1990 insgesamt 80 Pottwale an den Küsten der Wattenmeer-Anrainerstaaten Dänemark, Deutschland und Niederlande aufgefunden worden. Ein historischer Überblick von Walstrandungen im Wattenmeerbereich ist hier zu finden.

Heimische Vertreter der Wale

Im Gegensatz zum Pottwal und anderen Großwalen bietet das Wattenmeer für den sehr viel kleineren Schweinswal gute Lebensbedingungen. Mit einer Länge von etwa anderthalb Meter und einem Gewicht von 50 bis 80 Kilo sind Schweinswale die kleinste Walart überhaupt. Sie kommen mit dem flachen Wasser im Wattenmeer gut zurecht, wo sie nach Fischen jagen. Aber auch sie sind vor Strandungen nicht gänzlich gefeit. Untersuchungen im Jahre 2005 ergaben einen Bestand von etwa 230.000 Schweinswalen in der gesamten Nordsee (Quelle: SCANS II: Issue 8, September 2005).

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©Stock/LKN.SH

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