03.05.2011

Rückbau von Stacheldrahtzäunen

Stacheldrahtzäune können zur tödlichen Falle für tief fliegende Greifvögel werden. Deshalb werden sie sukzessive gegen Glattdrahtzäune ausgetauscht.
Neuer Weidezaun auf Borkum, dahinter Robustrind, vorn Stacheldrahtreste

Intensiv arbeitet die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit Rinder- und Pferdehaltern daran, die Stacheldraht-Fallen gegen Glattdrahtzäune auszutauschen. Die bislang umfangreichste Maßnahme wurde Ende April 2009 auf Borkum fertig gestellt: im Bereich des Tüskendörsees wurde auf insgesamt fast 12 km Länge der bisherige Stacheldrahtzaun in einen Elektrozaun umgewandelt. Die Kosten von knapp 100.000 € wurden aus Naturschutzmitteln finanziert.

Die Insel Borkum ist ein unverzichtbares Rückzugsgebiet für gefährdete Greifvogelarten wie Kornweihe und Sumpfohreule. Beide sind in Deutschland im Bestand stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Ehemals in weiten Gebieten des nordwestdeutschen Tieflandes in Mooren, Heiden und feuchten Grünlandgebieten heimisch, haben sie sich in den letzten Jahren fast ausschließlich auf die Ostfriesischen Inseln zurückgezogen. Der seit vielen Jahren hohe Bestand auf Borkum sowie auf einigen anderen Inseln ist somit bundesweit von herausragender Bedeutung, die Verantwortung zu ihrem Erhalt liegt damit in besonderem Maße in unseren Händen.

Leider wurden die tief über dem Boden fliegenden Jäger immer wieder Opfer von Stacheldrahtzäunen. Sie verheddern sich mit ihren Flügeln darin, verletzen sich dabei schwer und verenden qualvoll, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden werden. Im Nationalpark und Weltnaturerbegebiet ist es ein vordringliches Ziel, konsequent Gefahrenquellen für diese Vogelarten zu beseitigen. So tragen diese Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Nationalpark bei und sind Teil der Aktivitäten zur Sicherung des Weltnaturerbegebietes.

Der neue Zaun hindert die dort gehaltenen Robustrinder daran, aus der Weide auszubrechen. Die hohe Spannung von Spitzenwerten über 6000 Volt ist mit einer sehr geringen Stromstärke gekoppelt, was eine Berührung zu einer schmerzhaften Erfahrung macht. Für Menschen stellt dieser Elektrozaun keine Gefährdung dar, sie sollten allerdings gebührenden Abstand halten. Alle 200 m weisen Warnschilder auf die unangenehmen Eigenschaften des Zauns hin. An den Punkten, an denen sich besonders viele Menschen aufhalten, sollen zusätzlich kleine Info-Schilder auf den Zaun hinweisen. Es ist zu beachten, dass auch die Tore durch eine elektrisch geladene Kordel auf der Innenseite geschützt sind. So können die Tore zwar berührt, jedoch nicht überstiegen werden.

Der neue Zaun wirkt sich auch positiv auf das Landschaftsbild auf Borkum aus, anschaulich zu beobachten entlang der Strasse zum Ostland. Der frühere vier- bis fünfreihige Stacheldrahtzaun an abgewinkelten Stahlpfosten vermittelte manchem ein "Lagerflair". Der jetzige Elektrozaun ist sehr viel unauffälliger. Neben seinen positiven Wirkungen für den Vogelschutz macht der verschwundene Stacheldrahtzaun die Insel ein Stück attraktiver für die Borkumer und ihre Gäste.

Bis Ende April 2011 wurden auf Spiekeroog in den mit Pferden beweideten Inselhellern rund 10 km Stacheldrahtzaun durch Elektrozaun ersetzt.