Die Insel Mellum - Paradies zwischen Jade und Weser

Mellum ist eine relativ junge Düneninsel an der Nordspitze des Hohe-Weg-Wattrückens. Sie ist erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auf der Wattwasserscheide zwischen Jade und Weser entstanden.
Luftaufnahme Insel Mellum. Foto: Norbert Hecker

Foto: Norbert Hecker

Der Flutstrom, der von Nordwesten aufläuft, transportiert Sand heran, aus dem sich Strandriffe aufbauen. Die Brandung schiebt den Sand hoch und bildet einen Strandwall, der auf alten Seekarten als "Hochdünkirchen" bezeichnet ist. Wasserströmungen und Winddrift erhöhen die Sandplate, Pflanzen siedeln sich an und halten den Sand fest, so dass Dünen entstehen. Im Schutz der Dünen entwickelt sich eine Salzwiese. Das Grünland ist von sieben Hektar im Jahre 1903 auf heute über 750 Hektar gewachsen.

Die Oldenburger Dr. h. c. Heinrich Schütte und Karl Satorius verfolgen am Anfang dieses Jahrhunderts die Entwicklung genau, notieren alle Veränderungen und legen entscheidende Grundsteine für die heutigen wissenschaftlichen Arbeiten. Während des zweiten Weltkrieges erfolgt der einzige künstliche Eingriff in die natürliche Entwicklung der Insel: In der Südhälfte wird durch Sandaufspülung ein Ringdeich errichtet und eine vier Hektar große sturmflutsichere Fläche - "das Eingedeichte" - geschaffen. Bunkerruinen und Betonklötze zeugen noch heute davon, dass sich hier einst eine Flakbatterie befand.

Mellum heute

Ständig ändert die Insel ihr Gesicht. Sandbänke entstehen und verschwinden. Dünen werden vom Wind aufgeweht, winterliche Sturmfluten nagen an ihnen und spülen sie davon. An anderer Stelle erhöht herangewehter Sand die Insel. Schlickfelder verlagern sich. Das Grünland mit der Salzwiese wächst und dehnt sich weiter aus. Tiefe Priele durchschneiden diesen Inselbereich.

Vom Menschen unbeeinflusst gestalten vor allem die Naturkräfte - Wind und Wasser -, aber gleichfalls Vögel und Pflanzen die Insel. Deshalb hat Mellum für den Nationalpark eine ganz besondere Bedeutung und zählt zur Ruhezone, die streng geschützt ist.

Die Tierwelt der Insel Mellum

Anfangs war Mellum eine Insel der Seeschwalben. Mit der Veränderung der Vegetation änderte sich die Zusammensetzung der Brutvogelarten. Heute ist Mellum eine Insel der Möwen. Es brüten hier etwa 10.000 Paare Silber- und Heringsmöwen, deren Rufe im Frühjahr und Sommer die Luft erfüllen. Unüberhörbar sind zudem die Rufe der Austernfischer, die auf Mellum mit etwa 400 Brutpaaren vertreten sind.

Im Herbst und Frühjahr suchen Hunderttausende von Wat- und Wasservögeln die Insel und die sie umgebenden Sandplaten und Wattflächen auf. Hier können sie ungestört rasten und fressen - entscheidende Voraussetzungen, um das nötige Fettpolster für den Weiterflug ins Winterquartier oder in das Brutgebiet anlegen zu können.

Mellum und das südlich angrenzende Hohe-Weg-Watt mit seinen zahlreichen Sandbänken ist einer der wichtigsten Seehund-Lebensräume im Nationalpark.

Mellum, Luftaufnahme, Winter

Ein Besuch auf Mellum?

Die gesamte Insel und die sie umgebenden Platen, Sände und Wattflächen stehen als Ruhezone des Nationalparks "Niedersächsisches Wattenmeer" unter besonders strengem Schutz. Nur mit einer Sondergenehmigung darf Mellum betreten werden. Dies gilt für Teilnehmer von Exkursionen ebenso wie für Wissenschaftler. Auf der Insel sind zudem die Anweisungen der Naturschutzwarte des Mellumrates zu befolgen.

Der Mellumrat

Der Mellumrat e. V. betreut die Insel bereits seit dem Jahre 1925 und sorgt für eine kontinuierliche Naturschutzarbeit. Auf Mellum, Wangerooge, Minsener Oog und in weiteren Schutzgebieten in Niedersachsen unterhält der Verein Stationen. Sie sind Ausgangspunkt für Betreuungs-, Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit des ehrenamtlich tätigen Naturschutzverbandes.

Buchtipp: Gerdes, G./Krumbein, W.E./Reineck, H.-E.: Mellum, Portrait einer Insel, Frankfurt 1987, W. Kramer Verlag, ISBN 3-7829-1107-5, 345 Seiten.