Freiwilliges Ökologisches Jahr

Schule fertig - und dann? Ein Jahr frischen Wind um die Nase wehen lassen erleichtert die Entscheidungsfindung für den weiteren Ausbildungs- und Berufsweg.

Es ist ein sonniger Spätsommertag auf der friesischen Nordseeinsel Wangerooge. In der Nationalpark- Station Ost des Mellumrat e. V. klingelt das Telefon. Es sind Touristen, die einen verlassenen Seehundwelpen an der Ostspitze der Insel melden. Sofort macht sich Nadja Hersacher (19 Jahre, aus Stuttgart, Einsatzstelle Mellumrat e. V.) ausgerüstet mit Fernglas, Notizbuch und Handy auf den Weg, um die Meldung zu überprüfen und gegebenenfalls den Seehundbeauftragten auf der Insel zu benachrichtigen.

Zur gleichen Zeit begibt sich Swantje Zipfel (19 Jahre, aus Göttingen, Einsatzstelle Nationalpark- Haus Wangerooge) mit einer 4. Schulklasse an den Weststrand. Nach dem sie den Kindern etwas über die Insel und ihre Lebensräume Strand, Dünen und Watt erklärt hat, laufen diese los und sammeln Muscheln, Krebse, Schnecken und anderes Strandgut. Die gefundenen Schätze werden zusammengetragen und Spannendes über sie erzählt.

Die beiden jungen Frauen haben sich dazu entschieden, nach dem Abitur ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zu machen. Von der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA) in Schneverdingen forderten sie die Einsatzstellenliste für Niedersachsen an und bewarben sich.

Einstieg und Orientierung

Das FÖJ beginnt am 1. September und endet am 31. August. Teilnehmen kann jede/r zwischen 16 und 26 Jahren, egal mit welchem Schulabschluss. Es eignet sich prima als Einstieg ins Berufsleben oder um sich nach der Schule zu orientieren. Jeder Teilnehmer erhält ein Taschengeld, ist sozialversichert und nimmt an vier ökologischen Seminaren teil.

Während des FÖJs bieten sich viele Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen, eigene Fähigkeiten auszubauen und Vorkenntnisse fürs Studium zu erlangen. Außerdem werden Selbständigkeit, so wie Teamfähigkeit und eigenständiges Arbeiten gefördert.

Im niedersächsischen Wattenmeer warten jährlich etwa ein Dutzend Einsatzstellen auf motivierte Unterstützung.

"Ich wollte nach dem Abitur noch nicht anfangen zu studieren und entschied mich, ein FÖJ zu machen. Die Entscheidung, auf eine Insel zu gehen, fiel mir sehr leicht, weil ich schon immer gern am Meer und an der Küste war. Meine Arbeit im Nationalpark- Haus Wangerooge macht mir großen Spaß, vor allem die Umweltbildung mit den Kindern", sagt FÖJlerin Swantje Zipfel. Das Nationalpark- Haus bietet für Besucher eine Ausstellung über das Wattenmeer und eine Vielfalt an Führungen über die Insel wie zum Beispiel Wattwanderungen, Salzwiesen- und Dünenführungen und viele mehr. Oftmals kommen Schulklassen, denen die Natur und der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer nahe gebracht werden. Die Aufgabe der FÖJler besteht größtenteils aus Öffentlichkeitsarbeit wie Führungen mit Besuchern und Schulklassen, Betreuung der Ausstellung, aber auch Büro- und Gartenarbeiten.

"Für mich war es besonders wichtig, in der Natur zu arbeiten und viel draußen sein zu können. Außerdem wollte ich nach der Schule erstmal von zu Hause weg, um neue Menschen und einen anderen Teil Deutschlands kennen zu lernen. Die Arbeit des Mellumrat e.V. entsprach deshalb genau meinen Vorstellungen", erzählt Nadja Hersacher, die auf Wangerooge die praktische Naturschutzarbeit übernimmt. Dazu gehören zum Beispiel 14tägige Vogelzählungen, die Erfassung der Brut- und Gastvögel auf Wangerooge, Kontrollgänge im Schutzgebiet, vogelkundliche Führungen und die Instandhaltung und Pflege der Station.

"Für ein Jahr auf einer Insel zu sein ist eine große Umstellung, denn es ist ein völlig anderes Lebensgefühl als auf dem Festland, aber eine sehr lohnenswerte Erfahrung", sagen die beiden jungen Frauen.

An der Ostspitze angekommen findet Nadja Hersacher den Seehund, der die vorbeilaufenden Spaziergänger mit großen Augen anschaut. Glücklicherweise schwimmt die Mutter in der Nähe und beobachtet das Geschehen argwöhnisch. Schließlich robbt das Seehundbaby wieder ins Wasser und schwimmt mit der Mutter davon.

Bei der Stranderkundung im Westen der Insel bringt eine aufgeregte Schülergruppe einen lebenden Einsiedlerkrebs, der sich in seinem Wellhornschneckenhaus verkriecht. Nach dem Swantje Zipfel vom Leben der Einsiedlerkrebse und der anderen Wattenmeerbewohner erzählt hat, kehren die Kinder mit strahlenden Gesichtern in ihre Unterkunft zurück.

Weitere Informationen zum FÖJ gibt es hier