28.06.2011

Camp der Superlative

Über 300 Junior Ranger aus ganz Deutschland haben sich am vergangenen Wochenende (23. bis 26. Juni 2011) auf Langeoog getroffen. Weder in der Geschichte der Insel noch der des Junior Ranger Programms hat es bislang ein solch großes Jugendcamp gegeben. Höhepunkt war der vermutlich engagierteste Sandburgen-Wettbewerb aller Zeiten.
Junior Ranger bei der Wattwanderung
Normal 0 21 MicrosoftInternetExplorer4 /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin:0cm; mso-para-margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:10.0pt; font-family:"Times New Roman"; mso-fareast-font-family:"Times New Roman";}

Anlässlich seines 25. Geburtstags hatte in diesem Jahr der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zum bundesweiten Junior Ranger-Treffen eingeladen. Mit dem herrlichen Areal an der Melkhörndüne, zwischen Jugendherberge und Landessportbund, in direkter Nähe zu Dünen, Strand, Salzwiese, Watt und Vogelkolonie, bot die Insel Langeoog perfekte Voraussetzungen für das Camp der jungen Naturschützer im Alter zwischen 7 und 17 Jahren. Aus insgesamt 25 Naturlandschaften in zwölf Bundesländern und den Niederlanden reisten über 300 Junior Ranger samt etwa 150 Betreuern an. Noch ein Rekord. Und so musste das Junior-Ranger-Team der Nationalparkverwaltung um Tylke Pastuschka, unterstützt von zahlreichen Kollegen und Institutionen, ein Höchstmaß an Logistik aufbieten – was bravourös gelang.

Junior Ranger gibt es in vielen deutschen Großschutzgebieten. Die Kinder durchlaufen eine „Ausbildung“, in der sie Tiere und Pflanzen kennenlernen, praktischen Naturschutz und auch Öffentlichkeitsarbeit üben. Unter dem Motto „Leben zwischen Land und Meer“ erforschten die wissbegierigen und engagierten Kinder und Jugendlichen bei ihrem Treffen auf Langeoog zwei Tage lang die typischen Lebensräume des Wattenmeeres. Neben den Wattführern und anderen erwachsenen Fachleuten konnten auch die hiesigen Junior Ranger ihren Kollegen u. a. aus Berchtesgaden und dem Bayerischen Wald, von der Schwäbischen Alb, aus Sachsen und aus Thüringen zeigen, was sie gelernt haben.

Das Fachwissen wurde natürlich kindgerecht mit Spiel und Spaß vermittelt. So wurde zum Beispiel vor dem Wattgang bei der Übung „Nebel im Watt“ - mit verbundenen Augen geprobt, was passiert, wenn man ohne Hilfsmittel und fachkundige Führung draußen die Orientierung verliert. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten die Teilnehmer zwischen den Exkursionen Natur und Kultur des Wattenmeerraumes erkunden. Ehrenamtliche Helfer betreuten die Infostände – zum Angebot zählten Basteln mit Muscheln, Seehundquiz, Reepschlagen, ostfriesische Teetied mit Krintstuut, Trinkwasserverkostung, Möwenkiek, Dwarsloper-Rennen, Zugvogelspiel, Strandfischen und vieles mehr.

Zum unerwarteten Höhepunkt geriet der Sandburgen-Wettbewerb am Strand. In 17 Teams bauten die jungen Teilnehmer, angefeuert von ihren Betreuern, dicht am Spülsaum ihre Burgen, die sie dann mit allen Mitteln gegen die heranrollenden Flutwellen verteidigten. Diese praktische Übung im effektiven „Deichbau“ war nicht nur für die bayrischen Kinder eine Mordsgaudi und vor allem eine ganz neue Erfahrung. Wenn alle Baukunst versagte, wurde mit lautem Schrei der eigene Körper als letztes Bollwerk gegen die Fluten eingesetzt. Auch die Kinder aus den Alpen oder aus Sachsen schlugen sich tapfer, doch am Ende siegte das Meer. Als alle klatschnass aber glücklich über die Dünen ins Camp zurückkehrten, machte aber niemand den Eindruck eines wirklichen Verlierers. Am Abend gaben die „Bluespiraten„ aus Wilhelmshaven mit klammen Fingern ihr Letztes an Gitarren und Bluesharp, um trotz feuchtkühler Witterung mit maritimen Songs und Piratenlatein die Stimmung der durchgefrorenen kleinen Burgenbauer nochmals anzuheizen.

Prominentester Gast der eigentlichen Geburtstagsfeier am Samstag war Dr. Stefan Birkner, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Sein Grußwort beschränkte er auf kindgerechte drei Minuten. Die Tatsache, dass er eigens aus Garbsen bei Hannover angereist war und auf dem Weg zwischen Inselhafen und Camp auf dem Fahrrad tapfer dem starken Wind getrotzt hatte, zeigte seine Wertschätzung für die Junior Ranger besser als Tausend Worte. Ernsthaft, aber mit der richtigen Prise Humor stellte er sich anschließend den Fragen der Junior-Ranger-Maskottchen „Lotta“ und „Lars“. Zum Beispiel, ob man als Junior Ranger später bessere Chancen hat, Umweltminister zu werden? Das sei natürlich eine hervorragende Qualifikation, bestätigte Birkner, aber da spielten auch noch andere Faktoren eine Rolle. Ehrlich gab er zu, dass er sich mehr für Sport als für Naturschutz interessierte, als er so alt war wie die Junior Ranger, aber seit seinem Eintritt ins Umweltministerium hat er sich natürlich intensiv in das Thema Natur- und Umweltschutz eingearbeitet.

Neben Umweltstaatssekretär Birkner, Nationalpark-Leiter Peter Südbeck, Nationalpark-Mitbegründer Holger Wesemüller und Bettina Münch-Epple vom WWF stellte sich schließlich auch Inselbürgermeister Hans Janssen den kritischen Fragen und verstand, sie ehrlich und kindgerecht zu beantworten. So räumte er ein, dass vor 25 Jahren – weit vor seiner Amtszeit – die meisten Insulaner nicht begeistert waren, dass ihre Insel Teil des Nationalparks werden sollte. Sie empfanden das so, erklärte Janssen den Kindern, als wenn plötzlich jemand ins Kinderzimmer käme und ganz neue Regeln aufstellen wollte und man Angst haben müsse, dass man jetzt nicht mehr darf, was immer erlaubt war. Heutzutage seien er und die meisten Insulaner aber glücklich und stolz, dass ihre Insel dazugehört. Nicht zuletzt ein guter Beweis für die Worte des Bürgermeisters war die tolle Unterstützung für das Camp seitens der Gemeinde- und Kurverwaltung, der Inselschifffahrt und anderer Insulaner.

Dann wurde es aber Zeit, die von der Inselbäckerei Reckenwald liebevoll mit Nationalpark-Logo gestaltete Geburtstagstorte anzuschneiden und zu verteilen. Bei der abendlichen Abschlussparty wurde der „Hut“ für die Ausrichtung des bundesweiten Junior-Ranger-Camps 2012 an den Nationalpark Hainich übergeben, der an diesem Samstag zusammen mit vier weiteren deutschen geschützten Buchenwäldern von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. An genau dem Wochenende, an dem das Weltnaturerbe Wattenmeer seinen zweiten Geburtstag feiern konnte. Und so gratulierten dessen Vertreter dem „Familienzuwachs“ aus ganzem Herzen, denn sie wissen, welche Anstrengungen es erfordert, diesen „Oscar des Naturschutzes“ zu erlangen.

Im Namen seines Teams bedankte sich Peter Südbeck bei den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, vielen Eltern, Partnern, Unterstützern und Sponsoren, die zum Gelingen des Camps beigetragen haben: Allen voran EUROPARC Deutschland und der WWF, die 2008 das bundesweite Junior Ranger-Programm ins Leben riefen, es national koordinieren und weiter entwickeln; weiterhin die Niedersächsische Wattenmeer-Stiftung, der Lions-Club, Kurverwaltung und Inselgemeinde Langeoog, Jugendherberge und Landessportbund, Nationalpark-Häuser, der OOWV, Wattführer, DLRG und Rotes Kreuz, der NLWKN, „Draußen unterwegs“, Tatonka, Vaude, Thiele Tee, Edeka und Bäckerei Reckenwald sowie Klaus Kremer mit intensiver Berichterstattung in Wort und Bild in den „Langeoog News“ und Klaus Witte, der die Bühnenprogramme locker-professionell moderierte. Sie alle haben dazu beigetragen, dass das Camp den jungen Teilnehmern nachhaltig in guter Erinnerung bleiben wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Zwergseeschwalbe. Foto: Jan Goedelt/www.natur-linse.de

Zwergseeschwalbe. Foto: Jan Goedelt/www.natur-linse.de

21.04.2018 Strandbrüter Die Ostspitze von Wangerooge war in früheren Jahren ein traditioneller Brutplatz für Vogelarten, die auf Stränden brüten. Dazu zählen unter anderem der Sandregenpfeifer und die Zwergseeschwalbe. mehr »

© Stock / LKN.SH

17.04.2018 Am Samstag, den 21. April, werden die Ringelganstage auf Hallig Hooge feierlich eröffnet. Neben naturkundlichen Wanderungen und kreativen Angeboten wird dort auch die „Goldene Ringelgansfeder“ für besonderes Engagement für die Natur und die Region verliehen. mehr »

Experimente zur Erwärmung von Salzwiesen auf der Hamburger Hallig | © Nolte

16.04.2018 Klimawandel, Salzwiese, Vortrag Im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum geht die Veranstaltungsreihe zum Thema Klimawandel und Wattenmeer in die letzte Runde. Am 26. April 2018 hält Dr. Stefanie Nolte von der Universität Hamburg einen Vortrag mit dem Titel „Salzwiesen im Klimawandel". mehr »
Löffler. Foto: Marcus Säfken
13.04.2018 Zugvogeltage, Löffler 10-9-8-7 ... im aktuellen Beitrag unseres Zugvogeltage-Countdowns geht es um einen wahrhaft königlichen Vogel: den Löffler. mehr »

Plattdeutsch-hochdeutsche Buchvorstellung: Autor Steffen Walentowitz (3. v.l.), Schulleiterin Anja Kujas (hinten links), Grietje Kammler, Leiterin des Plattdüütskbüros der Ostfriesischen Landschaft (5. v.l.), Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer (7. v.l.), Leana Frisch, Nationalparkverwaltung, Projekt Umweltbildung (8. v.l.) Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler der Oberschule Borssum.
Foto: Wagner/NLPV

12.04.2018 Plattdeutsch ist eine reiche und häufig auch sehr bildhafte Sprache. So wird der Austernfischer, einer der Charaktervögel des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, auch „Klipp“ genannt – wegen seines an der Küste häufig zu hörenden, kräftigen Warnrufs „kliep-kliep“. mehr »