16.04.2014

Klare Grenzen für Kitesurfer

Zugelassene Flächen wurden neu festgesetzt
Kitesurfer im niedersächsischen Wattenmeer

(Wilhelmshaven).  Das Wattenmeer ist durch die Wattenmeer-Nationalparke streng geschützt. Dieser Schutz war auch Voraussetzung für die hohe Auszeichnung als Weltnaturerbe durch die UNESCO. Kitesurfer haben hingegen in den letzten Jahren das niedersächsische Wattenmeer für sich entdeckt. In vielen Bereichen waren Kitesurfer rechtswidrig unterwegs, denn in der Ruhe- und Zwischenzone des Nationalparks ist der Drachensport in jeglicher Form, dementsprechend auch das Kitensurfen, grundsätzlich verboten. Robben sowie Brut- und Rastvögel können durch die für sie bedrohlich wirkenden Drachen erheblich gestört werden. Durch Störungen verlieren Zugvögel dringend benötigte Fettreserven oder Brutvögel verlassen ihre Nester, so dass Gelege auskühlen und Jungvögel zeitweise ungeschützt verbleiben.

So hat der Schutz der Natur im Nationalpark auch Vorrang. Trotzdem müssen laut Nationalparkgesetz regionale Belange, wie z. B. die touristische Entwicklung, berücksichtigt werden. Um dem gerecht zu werden und gleichzeitig den Sport so zu kanalisieren, dass die Natur des Nationalparks nicht beeinträchtigt wird, wurden in den vergangenen Jahren auf Antrag einiger Gemeinden in der Zwischenzone des Nationalparks Flächen für den Kitesport festgelegt. Die Befreiungen waren bis Ende letzten Jahres befristet. Damit wurde ein klarer Schnitt gemacht: Alle Gemeinden  erhielten nun zeitgleich Gelegenheit, bis zum Herbst 2013, die Zulassung von Kitesurfflächen neu zu beantragen. So war es möglich, die Anträge gesamträumlich zu bewerten.

14 Küsten- und Inselgemeinden machten von der Möglichkeit Gebrauch. Beantragt wurden 17 Kitesurfzonen mit einer Gesamtfläche von rund 2.500 Hektar. Genehmigt wurden 14 Zonen mit einer Fläche von 1.318 Hektar.

Rechtlich gesehen handelt es sich um eine Befreiung von den Verboten des Nationalpark-Gesetzes. Die Kitesurfflächen sind räumlich so zugeschnitten, dass ausreichend Abstand zu Brut- und Rastgebieten im Nationalpark verbleibt. „Die zugelassenen Flächen für Kiter vor allem an der Küste mussten deshalb zum Schutz von Hochwasserrastplätzen, Zugvogelrouten und Robbenliegeplätzen außerhalb der Ruhezonen deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich beantragt,“ erläutert Bernd Oltmanns, in der Nationalparkverwaltung für die Fachkonzeption zum Kitesurfen zuständig. Insgesamt wurde die für den Kitesurfsport zugelassene Fläche durch die neue Festsetzung um rund 1.200 ha reduziert. Außerhalb dieser Flächen wird das Kitesurfen wie bisher nicht geduldet.

Zum Schutz der Vogelwelt sind auch zeitliche Beschränkungen vorgegeben, denn bei niedrigem Wasserstand beginnen die Vögel mit ihrer Nahrungssuche im Watt. An den Küstenstandorten Upleward, Neuharlingersiel, Burhave, Wremen  und Dorum ist das Kitesurfen von April bis Oktober von jeweils 3 Stunden vor bis 3 Stunden nach Hochwasser erlaubt. Die Kitesurfzonen in Norddeich und Cuxhaven sind ganzjährig zugelassen (jeweils 5 bzw. 3 Stunden vor und nach Hochwasser), die in Dornumersiel von Juni bis Oktober (3 Stunden vor und nach Hochwasser). Die Regelungen an den Standorten Schillig und Hooksiel bleiben in 2014 wie bisher erhalten.
An den Inselstandorten Norderney Nordstrand, Baltrum, Langeoog und Wangerooge Nordstrand darf von April bis Oktober von 10 Uhr morgens bis eine Stunde vor Sonnenuntergang gekitet werden. Nur für Schulungszwecke mit maximal sechs Kites und nur vom 1. Mai bis zum 15. September dürfen die Kitesurfzonen Norderney Riffgat und Wangerooge Westen genutzt werden und auf Borkum, Juist und Spiekeroog darf nur in der Erholungszone gekitet werden.

Nicht genehmigt wurden die beantragten Flächen unter anderem auf Juist und am Wilhelmshavener Südstrand. Die Befreiungen sind bis Ende Oktober 2018 befristet. Bei Nichteinhaltung der Nebenbestimmungen kann eine Befreiung jederzeit angepasst oder aufgehoben werden. Die Nationalparkverwaltung weist darauf hin, dass die Befreiungen für die Kitesurfzonen nicht für Buggy-Kiting, Buggy-Dragging oder das Fliegenlassen von Drachen, Modellflugzeugen oder anderen Kleinflugkörpern sowie den Start von Ballons gelten.

Vor Ort werden die Kitesurfzonen durch die Gemeinden deutlich gekennzeichnet. Kartendarstellungen der einzelnen Kitesurfflächen mit den gebietsspezifischen Regelungen sind hier zu finden:

www.nationalpark-wattenmeer.de/nds/nationalpark/erlaubt-verboten/kitesurfen

Das könnte Sie auch interessieren

Nationalparkleiter Peter Südbeck (Mitte) freut sich über die Spende von Harald Lesch (VR-Stiftung, links) und Matthias Osterhues (Volksbank Oldenburg). Foto: Zschech

16.08.2017 Zugvogelmusik, Zugvogeltage Die VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken in Norddeutschland unterstützt gemeinsam mit der Volksbank Oldenburg eG die Realisierung eines deutschlandweit einmaligen Projekts: Im Konzert „Zugvogelmusik“ werden am 27. August neun Musikgruppen aus neun Ländern auf der Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters authentische Musik aus ihren Heimatländern darbieten. Jeder Musikgruppe ist dabei eine in ihrem jeweiligen Land rastende, brütende oder überwinternde Zugvogelart zugeordnet, wodurch eine künstlerische Verbindung zwischen den Zugvögeln, der Musik und den Menschen geschaffen wird. mehr »

Salzwiese in Westerhever | © Stock / LKN.SH

14.08.2017 Rechtzeitig zur „Hoch“-Zeit der Salzwiesenblüte hat die Nationalparkverwaltung ein neues Faltblatt über dieses einzigartige Ökosystem vorgelegt. mehr »

Hoch motiviert: Die jungen Freiwilligen der ijgd-Gruppe zusammen mit den gleichaltrigen Naturschutzwarten des Mellumrates, herzlich begrüßt von Freiwilligen-Koordinatorin Imke Zwoch (links), Mellumrat-Geschäftsführer Mathias Heckroth (5.v.r.) und Bürgermeister Dirk Lindner (rechts). Foto: NLPV

11.08.2017 Wangerooge, Küstenheide, Neophyten 16 junge Menschen aus sieben Ländern waren jetzt zwei Wochen im Einsatz auf Wangerooge, um die wertvolle Küstenheide von invasiven standortfremden Pflanzen zu befreien. Das 2010 begonnene Gemeinschaftsprojekt von Nationalparkverwaltung, ijgd, Mellumrat und Inselgemeinde zeigt von Jahr zu Jahr immer deutlicher die Erfolge solcher langfristig angelegten Pflegemaßnahmen. mehr »

Sieht aus, als habe er ein Gesicht: ein kleiner Fleckrochen, von unten betrachtet. | © Wells / LKN.SH

09.08.2017 Im Multimar Wattforum in Tönning tummelt sich derzeit jede Menge Nachwuchs: kleingefleckte Katzenhaie, Fleckrochen, Sepien, Nagelrochen, Seestichlinge, verschiedene Quallen sowie Neptunshörner, eine Schneckenart, werden hinter den Kulissen aufgezogen. mehr »
Freiwillige sammeln Strandmüll auf der Insel  Mellum

Neben Plastikmüll fanden die freiwilligen Helferinnen und Helfer am Strand von Mellum häufig Teile von Fischernetzen. Foto: J. Wagner/NLPV

08.08.2017 Mellum, Meeresmüll, Müll Am Samstag, den 5. August 2017 sammelten 45 Freiwillige einen Tag lang angespülten Meeresmüll auf der Insel Mellum. mehr »