Gute Kinderstube für Säbelschnäbler
Sie sind schön und elegant, mit ihrem kontrastiert schwarz-weißen Gefieder, dem aufwärts gebogenen Schnabel und langen Beinen wirken sie beinahe exotisch: Unter allen Watvögeln des Wattenmeeres sind Säbelschnäbler unverwechselbar. Heikel sind sie in der Wahl ihrer Brutplätze: offene, allenfalls niedrig bewachsene Flächen müssen es sein, dazu Flachgewässer mit seichtem Ufer. Salzwiesen und Schlickwatt sind die klassischen Kinderstuben der Säbelschnäbler im Wattenmeer, doch zur Nistplatzwahl werden auch binnendeichs gelegene Pütten angenommen, wie z. B. im Iheringsgroden zwischen Carolinen- und Neuharlingersiel im Landkreis Wittmund. Säbelschnäbler-Küken sind Nestflüchter und müssen von Anfang an selbst auf Nahrungssuche gehen und folgen dabei den Eltern ins Watt. Dazu müssen sie hier vom Groden aus zunächst einen Graben, dann den Radweg und schließlich den Deich überqueren - ein Parcours mit gefährlichen Hindernissen und hohem Risiko für die Jungvögel.
Mit gezielten Maßnahmen wird den Kleinen seit Beginn dieser Brutsaison das (Über-) Leben erleichtert: Der Graben wurde auf einer Teilstrecke verrohrt, so dass sie ihn überqueren können, ohne zu ertrinken. In der Pütte wurden vegetationsarme Flächen hergestellt, die Oberfläche wurde abgeflacht, die Ufer wurden abgeschrägt. Radfahrer und Fußgänger am Deichweg werden durch eine Infotafel sensibilisiert und aufgefordert, ihren Beitrag zum Säbelschnäbler-Schutz zu leisten.
Bei einer Projektvorstellung vor Ort berichteten jetzt Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, und sein Mitarbeiter Gundolf Reichert über den Erfolg dieser Maßnahmen: "Wir haben über 150 Brutpaare des Säbelschnäblers gezählt, das entspricht einem Anteil von mehr als zehn Prozent vom Landesbestand in Niedersachsen. Und wir können einen beachtlichen Schlupferfolg verzeichnen - die Schutzmaßnahme hat bereits im ersten Jahr Wirkung gezeigt." Darüber freuen sich auch die Partner, die in Planung, Umsetzung und Begleitung intensiv mitgewirkt haben: Die Deichacht Esens-Harlingerland, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund sowie die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz Jever e. V. (WAU) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Landesverband Niedersachsen, die wesentliche Planungen zur Umsetzung der Strategie des Landes zum Erhalt der Biologischen Vielfalt erarbeitet haben. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Natur- und Küstenschutz (NLWKN) organisierte die Bauabwicklung und beteiligte sich mit einer naturfreundlichen Ausgestaltung des Lahnungs- und Grüppensystems im Vorland.
Finanziert wurden die Maßnahmen vom Land Niedersachsen und der Deichacht Esens-Harlingerland, die ihren Beitrag auch als Ausgleichsmaßnahme für eine anstehende Deichverstärkung einbringt. Zusätzlich konnten Partner aus der Wirtschaft gewonnen werden, so die GEW (Gas Elektrizität Wasser) Wilhelmshaven, die mit Erlösen aus ihrem Ökostromprodukt "GEW Küstenplus" Naturschutzprojekte im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer fördert.
Auf Grundlage der jetzigen positiven Erfahrungen wird das Säbelschnäbler-Brutgebiet im Iheringsgroden auch in den kommenden Jahren weiter optimiert werden können.
Die Binnendeichs-Pütte selbst liegt zwar nicht im Nationalpark, sondern in der angrenzenden potenziellen Entwicklungszone des Biosphärenreservates Niedersächsisches Wattenmeer. "Das zeigt, wie die Lebensräume vor und hinter dem Deich miteinander verzahnt sind und wie ein nachhaltiger Schutz der Arten und Lebensräume übergreifend ausgestaltet werden kann und muss. Eine enge Kooperation vieler Partner ist dabei Voraussetzung und Erfolgsgarantie in einem", erläuterte Südbeck. "Dieses Projekt ist ein schönes Beispiel für lokale Beiträge zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Niedersachsen, aber auch im und für das Weltnaturerbe Wattenmeer".
Gemeinsam für den Säbelschnäbler: Vertreter der beteiligten Institutionen vor Ort. (Foto: GEW)

