Ein Schotte in St. Peter

Es ist ein Schotte! Das Anfang Januar am Strand von St. Peter-Ording entdeckte und zur Aufzucht in die Seehundstation Friedrichskoog gebrachte Kegelrobbenjunge (siehe Nationalpark Nachrichten Ausgabe 1/2017) ist am 28. Oktober vergangenen Jahres auf der schottischen Isle of May geboren. Ermittelt werden konnte dies durch zwei Flossenmarken, berichtete die Leiterin der Seehundstation Tanja Rosenberger auf Anfrage der Nationalpark Nachrichten. Auf der vor der Ostküste Schottlands gelegenen Insel laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, unter anderem, um Erkenntnisse über den Verbleib der dortigen Kegelrobbenpopulation und ihre Wanderbewegungen zu gewinnen.

Der Kegler sei schon bei seiner Markierung „recht klein“ gewesen, fand Rosenberger durch Kontakte zu den schottischen Forschern heraus. In die Station eingeliefert wurde er mit kleinen Verletzungen und einem Gewicht von 14 Kilo – deutlich zu wenig für sein Alter. In Friedrichskoog habe sich „Gerald“, wie er genannt wurde, gut erholt, konnte schnell aus der Quarantäne ins Becken 10 des Aufzuchtbereiches verlegt werden und wiegt mittlerweile 25 Kilo, berichtet Rosenberger. Die Pfleger stellten allerdings fest, dass das Sehvermögen des Tieres stark eingeschränkt ist. Das linke Auge sei blind, auf dem rechten zeige er allerdings Reaktion und habe keine Probleme, Fische im Wasser zu finden – wie an obigem Foto unschwer zu erkennen ist.

Wie bei seiner Art üblich, könne sich „Gerald“ jedoch durch seine Barthaare gut orientieren, so dass einer späteren Auswilderung nichts im Weg stehe. Auch in der großen Kegelrobbenkolonie auf Helgoland würden immer mal wieder blinde Exemplare beobachtet. Wichtiger als die Augen (die ihnen im trüben Nordseewasser ohnehin wenig nutzen) sind für Kegelrobben nämlich eben diese Barthaare, mit deren Hilfe sie sogar jagen. Außerdem verfügen die Meeressäuger über einen gut ausgeprägten Geruchssinn.