Drei Fragen an ...

Bernd Hälterlein, Vogelexperte in der Nationalparkverwaltung

Bernd, was ist die „Wadden Sea Flyway Initiative“?

Die „Wadden Sea Flyway Initiative“, kurz WSFI,  ist ein Projekt zum länderübergreifenden Schutz und Monitoring der Vögel, die auf dem ostatlantischen Zugweg unterwegs sind. Sie wurde 2012 auf Veranlassung der UNESCO ins Leben gerufen, beteiligt sind zahlreiche Institutionen von Verwaltungen über regionale Naturschutzorganisationen bis zu international tätigen Initiativen wie BirdLife International oder Wetlands International. Die WSFI organisiert  koordinierte Zählungen an verschiedenen Stationen dieses Zugweges, der sich von den arktischen Brutgebieten über die Rastplätze hier bei uns am Wattenmeer bis zu den Überwinterungsgebieten in West- und teilweise auch Südafrika erstreckt.

Das Ganze basiert auf der Erkenntnis, dass das Wissen um die Bestandsgrößen und die Verteilung der Populationen sowie um Bedrohungen an den jeweiligen Standorten eine notwendige Grundlage ist für effektive Schutzmaßnahmen: Der Schutz von Wat- und Wasservögeln kann angesichts des ganze Kontinente umfassenden Vogelzuges nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn er nicht isoliert an einem Standort, sondern mit einer ausreichenden Zahl von Schutzgebieten in vielen Ländern auf dem gesamten Flyway stattfindet.

Du warst an der Zählaktion im Rahmen der „Wadden Sea Flyway Initiative“ im Januar in Guinea beteiligt, über die wir in einer Pressemitteilung detailliert berichtet haben. Welche Vogelarten, die du aus dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer kennst, konntet ihr dort beobachten?

Viele von denen, die wir hier im Frühjahr und Herbst sehen: Knutts, Pfuhlschnepfen, Sandregenpfeifer, Sichelstrandläufer, Sanderlinge, Rotschenkel, Brand- und Zwergseeschwalben. Und Lachseeschwalben, deren einzige, nur noch 37 Brutpaare umfassende nordeuropäische Brutkolonie bei uns in der Nationalparkregion liegt, im Neufelderkoog in Dithmarschen. Ein dort als Küken im vergangenen Jahr beringtes Exemplar haben wir in Conakry wiederentdeckt.

Es war wirklich faszinierend, diese Vögel in einem tropischen Umfeld zusammen mit vielen afrikanischen Arten wie zum Beispiel Königsseeschwalben, verschiedenen Reihern, Pelikanen und Flamingos zu sehen, in einer Szenerie mit Wattflächen und Sandbänken wie hier bei uns, die aber zumeist an einen breiten Mangrovenstreifen, Salinen, also Salzgewinnungsanlagen, oder Reisfelder angrenzen.

Warum eigentlich Guinea?

Das westafrikanische Land ist ein wichtiger Trittstein des Flyways, als Winterquartier für viele Vögel, die den ostatlantischen Zugweg nutzen. Von etwa November bis Februar halten sie sich hier auf, unter anderem im Bereich des Meeresschutzgebietes der Insel Tristao und der ausgewiesenen Ramsar-Schutzgebiete (Feuchtgebiete internationaler Bedeutung) an der Küste. In vielen Bereichen ist jedoch ein starker Wandel der Natur durch menschliche Nutzungen erkennbar. Die Naturschutzverwaltung und eine private Naturschutzorganisation sind um Verbesserungen beim Schutz der Vögel und um Aufklärung bemüht und können dabei jegliche Unterstützung gut gebrauchen.

Gezählt wurde aber auch in anderen afrikanischen Überwinterungsgebieten, etwa in Gambia, wo Kollegen aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer aktiv waren, sowie in Guinea-Bissau, Mauretanien und im Senegal. Im Januar wird in der Region die höchste Dichte an Individuen erreicht – der richtige Zeitpunkt also für Zählungen.