Menschen und Medien

In der März-Ausgabe der Nationalpark-Nachrichten haben wir vom „Making-of“ der zwei 360°-Videos mit einer zehn-linsigen Kamera  berichtet, jetzt sind die Ergebnisse auf YouTube zu sehen: Per Video kann man virtuell den Nationalpark-Ranger Christian Piening auf einem Ausflug in den Nationalpark Wattenmeer am Westerhever Leuchtturm begleiten oder sich von Claus von Hoerschelmann durch das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum führen lassen. Die Kameratechnik macht es möglich, sich per Rundumblick in alle Richtungen umzuschauen, indem man entweder die Maus klickt/zieht oder das Smartphone bewegt (Hinweis: Das funktioniert nur bei aktuellsten Versionen von Browsern und Geräten). Noch spektakulärer sind die Filme in einer speziellen Virtual-Reality-Brille, die in den kommenden Monaten an vielen Infoständen der Nationalparkverwaltung zum Einsatz kommen wird.

Alina Claußen

Rechtzeitig zum Vogelzug im Wattenmeer ist das erweiterte Internetportal „Eurobird“ online. Die englischsprachige Website bietet per Mausklick spannende Einblicke in die Welt der Zugvögel, basierend auf der Mitwirkung von 100.000 freiwilligen Vogelbeobachtern und 40 Millionen Sichtung pro Jahr: http://www.eurobirdportal.org/ebp/en/

© SH Landtag

Nach kurzer Krankheit ist Professor Berndt Heydemann im Alter von 87 Jahren gestorben. In den 1970er bis 1990er Jahren prägte der äußerst kenntnisreiche, unablässig eloquente, bienenfleißige und umsetzungsstarke Zoologieprofessor die Diskussion und Entwicklung des Naturschutzes in Schleswig-Holstein wie kein anderer. In seinen Büchern beschrieb er die fachlichen Grundlagen des Naturschutzes in Schleswig-Holstein (unter anderem 1980: Biologischer Atlas Schleswig-Holstein, 1981: Ökologie und Schutz des Wattenmeeres).

Bereits 1964 hatte sich Berndt Heydemann als Küstenökologe habilitiert. 1970 wurde er Professor für Ökologie an der Universität Kiel, später Direktor am Biologiezentrum. Er gründete die Abteilung Angewandte Ökologie und Küstenforschung sowie die Forschungsstelle für Ökosystemforschung und Ökotechnik und das Forschungs- und Technologiezentrum in Büsum. Seine Arbeiten über die Salzwiesen des Wattenmeeres waren wesentlich bei den Eindeichungsdiskussionen der 1970er Jahre – die er engagiert begleitete – und bei der Gründung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Neben vielen Aufgaben im Wissenschaftsbereich war Berndt Heydemann auch langjähriger Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes. 1988 wurde der parteilose Ökologe Schleswig-Holsteins erster Umweltminister. Als er 1993 abtrat, hatte er die Landesgesetze für Wasser, Abfall, Naturschutz, Wald und Jagd erneuert. Schleswig-Holstein galt in diesen Bereichen als bundesweit wegweisend. Heydemann wies zudem zahlreiche Wasser- und Naturschutzgebiete aus und gründete die Umweltakademie des Landes.

Persönlich lebte der vielfach ausgezeichnete Heydemann bescheiden. Sein Privatvermögen investierte er in das Zukunftszentrum Mensch – Natur – Technik – Wissenschaft, das er 1998 in Nieklitz in Mecklenburg-Vorpommern gründete.
Wer Heydemann kennenlernte, erlebte einen äußerst schaffenskräftigen Menschen, der für den Schutz der Natur „brannte“ – und eine äußerst eindrucksvolle Persönlichkeit. Berndt Heydemann war ein großer Verfechter der Nationalparkidee. An der Entwicklung des Nationalparks war er maßgeblich beteiligt, den Aufbau des Nationalparkamts hat er nach Kräften gefördert. Dafür danken wir ihm sehr.

Detlef Hansen
Leiter der Nationalparkverwaltung

 

© Simone Ahrend

Karl Friedrich Sinner, langjähriger Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald und Vorstandsmitglied von EUROPARC Deutschland, ist überraschend verstorben. Im Alter von 70 Jahren wurde er bei einer Wanderung mit seinem Hund vom Tod überrascht.

„Noch in der letzten Woche erlebten wir ihn in gewohnt engagierter Art und Weise beim Einsatz für einen dritten bayerischen Nationalpark im Münchener Landtag“, schreibt Guido Puhlmann, Vorstandsvorsitzender von EUROPARC Deutschland, dem Dachverband der Nationalen Naturlandschaften, in seinem Nachruf. Mit Sinner sei „ein guter, wahrhaftiger Mensch und bedeutender, tatkräftiger Naturschützer gegangen“, so Puhlmann, und: „Die Nationalen Naturlandschaften verlieren mit Karl Friedrich Sinner einen verehrten Kollegen, tatkräftigen Ratgeber und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im deutschen Naturschutz.“

„Was für ein Verlust!“, war die erste Reaktion von Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung, der Sinner seit Jahrzehnten verbunden war, nicht nur von Kollege zu Kollege. Karl Friedrich Sinner sei für ihn Vorbild gewesen in seinem Engagement für das Thema Evaluierung, also die regelmäßige Überprüfung und Bewertung von Schutzzielen und -maßnahmen, so Hansen: „Er war ein Vorreiter, ein glaubwürdiger Botschafter und unermüdlicher Streiter für die Nationalparkidee.“