Salzwiesen weltweit

Salzwiesen sind ein einzigartiger Lebensraum im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer – einzigartig in ihrer ökologischen Bedeutung, nicht allerdings in dem Sinne, dass sie nur hier vorkommen. Denn „salziges Land“ findet sich an vielen Küsten Europas, an der Nord- und der Ostsee sowie am Atlantik, insgesamt geschätzte 200.000 Hektar. Die Standortbedingungen und damit auch das Gesicht dieses Lebensraumes in den verschiedenen Regionen differieren jedoch stark.

Das gilt auch für die Salzwiesen weltweit. Denn überall dort, wo flache Gezeitenküsten vorkommen, genügend Sediment herantransportiert wird und ein gemäßigtes Klima herrscht, gibt es Salzwiesen: an der rauhen Atlantikküste Schottlands ebenso wie im Ärmelkanal oder im Mississippidelta. Ist das Klima dagegen tropisch, werden die Salzwiesen durch Mangrovenwälder abgelöst wie etwa in Westafrika.

Unterschiedliche Erscheinungsformen treten sogar in ein- und derselben Region hervor, wie die Salzwiesen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer eindrucksvoll zeigen. Denn Salzwiesen wachsen mit dem steigenden Meeresspiegel beständig in die Höhe, weil das Wasser Schwebstoffe heranträgt. Die Höhe im Verhältnis zum Meeresspiegel bestimmt die Überflutungshäufigkeit und diese wiederum die Flora und Fauna.

Von der Pionier- zur Rotschwingelzone

In der tief liegenden Pionierzone etwa wachsen vor allem Queller und Schlickgras. Die höher gelegenen Bereiche heißen Andel- und Rotschwingelzone. Nomen est omen: Es sind die genannten Gräser, die hier dominieren, neben dem Andel außerdem Löffelkraut und Strandmelde, in der oberen Salzwiese neben dem Rotschwingel Strandwegerich, Strandnelke und die vielleicht bekannteste Salzwiesenpflanze, der Strandflieder.

Weiterer prägender Faktor sind die jeweiligen geomorphologischen Gegebenheiten. Im Wesentlichen wird zwischen drei Salzwiesentypen unterschieden:

  • Küstengebundene Sandsalzwiesen bilden sich durch Sedimentation und/oder Sandflug in geschützten Bereichen wie Stränden oder der windabgewandten Seite von Dünen aus. Die auf dem Sand aufliegende Schlickschicht ist sehr dünn. Beispiele im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer finden sich an der Westküste Eiderstedts sowie auf Amrum und Sylt.
  • Vorlandsalzwiesen entstehen auf natürliche Weise an strömungsberuhigten Küstenabschnitten, heute finden wir sie überwiegend in Lahnungsfeldern vor den Landesschutzdeichen. Sie sind bestimmt von einer starken Schicht tonreichen Sediments; vor den Deichen an der Westküste gibt es zahlreiche entsprechende Standorte.
  • Ästuar-Salzwiesen, charakterisiert durch nährstoffreiche Böden aus feinem Sediment, entwickeln sich im Brackwasserbereich geschützter Flussdeltas. „Ästuar“ ist der lateinische Begriff für von den Gezeiten beeinflusste Flussmündungen, Beispiel an der schleswig-holsteinischen Nationalparkküste ist die Elbmündung. Übrigens ist dieser Salzwiesentyp der weltweit häufigste.
  • Ein „Sonderfall“ sind die Salzwiesen im Binnenland, und zwar an Binnenseen, an denen salzhaltiges Grundwasser an die Oberfläche tritt.

Ein paar Worte noch zur Begrifflichkeit:

Für das deutsche Salzwiese werden im in der Wissenschaft vorherrschenden Englischen verschiedene Worte verwendet, sowohl salt marsh als auch salt meadow und coastal meadow. Das Oxford Dictionary hilft bei der Klärung: Es behandelt die beiden erstgenannten Begriffe als Synonyme, definiert salt meadow als „a meadow that is subject to flooding by seawater; a salt marsh“ – eine Wiese (oder Marsch) also, die von der Überflutung durch Meereswasser beeinflusst ist. Coastal meadow bezeichnet, etwas allgemeiner, dem Wasser ausgesetztes Grünland im Küstenbereich.