Drei Fragen an ...

Nationalpark-Wattführerin und Mitglied des Sprecherrates der Nationalpark-Wattführer/innen

Eine Familie per Fahrrad unterwegs auf einer Sandbank in St. Peter Ording, zwei Männer werden auf dem Weg von Amrum nach Föhr von der Flut überrascht: Diese Fälle aus den vergangenen Wochen sind spektakulär, aber nur zwei von vielen, bei denen sich – trotz intensiver Aufklärung – jedes Jahr wieder Menschen durch unvorsichtiges Verhalten im Watt in Gefahr bringen. Wie erklärst du dir diesen Leichtsinn?

Einige Besucher im Wattenmeer haben trotz viel Aufklärungsarbeit kein Verständnis für Gezeiten. Damit fehlt ihnen auch der Blick für die daraus resultierenden Gefahren im Watt und was man beim Wattwandern beachten muss. So kommen sie in gefährliche Situationen, aus denen sie manchmal von den Seenotrettern befreit werden müssen. Auf meinen Wattführungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein großer Teil der Gäste von den Gefahren im Watt gehört hat, entsprechend sensibilisiert ist und nachfragt. Aber eben nicht alle – und ein paar Unverbesserliche gibt es leider immer.

Was sind denn die Gefahren, die das Wattenmeer bereithält?

Eine Gefahr im Wattenmeer stellen die Priele dar. Aus einem knietiefen Priel um Niedrigwasser wird bei einsetzender Flut schnell eine unüberwindbare Barriere, die einem den Rückweg zum Festland abschneidet. Auch vor dem Durchschwimmen muss man abraten, da in den Prielen mit dem Einsetzen von Flut oder Ebbe sehr hohe Strömungsgeschwindigkeiten herrschen. 

Nicht zu unterschätzen ist auch Seenebel. Dieser kann sehr schnell und unerwartet aufziehen, bei Sichtweiten unter zehn Metern verliert man den Blick zum Land und damit die Orientierung. Nur ein Kompass hilft, wieder sicher ans Ufer zurückzufinden. Ferner sind Gewitter im Watt gefährlich, da man auf der flachen Wattoberfläche, auch wenn man sich so klein wie möglich macht, als höchster Punkt vom Blitz getroffen werden kann. Daher niemals bei Gewitterwarnung ins Watt gehen und bei aufziehendem Gewitter schnell das Watt verlassen! 

Schlick- oder Treibsandgebiete können ebenfalls eine Gefahr darstellen. Dort kann man bis über das Knie oder tiefer einsinken. Es bedarf schon viel Geschick und vor allem Ruhe statt Panik, um sich wieder daraus zu befreien.

Viele Menschen möchten jedoch das Watt hautnah erleben. Worauf sollten Sie dann unbedingt achten?

Der erste Rat ist, sich einer erfahrenen Nationalpark-Wattführerin  oder einem -Wattführer anzuschließen. Sie kennen sich mit den Gegebenheiten vor Ort aus, also mit den Prielen und den Schlickgebieten. Sie leiten einen nicht nur sicher durch das Watt, sondern sie informieren auch über die Gezeiten, die Lebewelt  und Besonderheiten im Wattenmeer. Ferner geben sie Tipps, was man bei einem eigenen Ausflug ins Watt beachten sollte.

Möchte man sich allein ins Watt aufmachen, ist es notwendig, sich über die Tidezeiten zu informieren. Wann hat man Niedrigwasser, wann Hochwasser? Diese Informationen sind an allen offiziellen Badestellen und Stränden ausgehängt. Mit diesem Wissen und einer Uhr weiß man, wann man sich spätestens auf den Rückweg machen muss. Ist man sich unsicher, sollte man nachfragen. Bei längeren Touren bitte auch immer einen Kompass mitnehmen, wegen der Gefahr des oben erwähnten Seenebels. 

Allgemein gilt, sich dem Wetter gemäß kleiden, bei kühler Witterung entsprechend warme Kleidung und Regenzeug anziehen und bei intensivem Sonnenschein – auch den können wir im Watt haben – an Sonnenschutz wie Kopfbedeckung und Sonnencreme denken. Mit diesen Tipps und Umsicht steht einem unvergleichlichen Naturerlebnis im Wattenmeer nichts mehr im Wege und man kann in diesem einzigartigen Weltnaturerbe viel Spaß haben. Infos zu Wattführern vor Ort erhält man  im Internet bei den Nationalpark Partnern oder den Wattenlöpers.