Drei Fragen an ...

Diplom-Ökologe, stellvertretender Leiter des Fachbereiches Umweltbeobachtung und Planungsgrundlagen in der Nationalparkverwaltung und dort zuständig für die Koordinierung von Monitoring und Forschung

Wortbildungen wie STopP, MSRL oder OSPAR sind euer täglich Brot im Fachbereich Umweltbeobachtung und Planungsgrundlagen. Dahinter verbergen sich  Forschungsvorhaben, EU-Richtlinien oder internationale Konventionen. Welche Rolle(n) spielen die Kolleginnen und Kollegen der Nationalparkverwaltung dabei?

Die derzeit neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liefern die wissenschaftlichen Daten, Fakten und Hintergründe für die Erstellung von Schutzkonzepten, die Bewertung von Eingriffen in den Nationalpark und die Darstellung des Nationalparks in der Öffentlichkeit. Sie erarbeiten Bewertungen und erstellen Berichte nach den einschlägigen EU-Richtlinien und internationalen Konventionen und stellen die interne und öffentliche Verfügbarkeit unserer Monitoring-Daten sicher. Dazu haben wir im Fachbereich seit Bestehen des Nationalparks ein breitgefächertes naturwissenschaftliches Monitoring-Programm aufgebaut, für dessen einzelne Bestandteile die Kolleginnen und Kollegen die Verantwortung tragen. Die Untersuchungsparameter und damit die Arbeit umfassen den gesamten Nationalpark mit seinen Arten und Lebensräumen von der Salzwiese über die Miesmuschelbank bis zum tiefsten Priel mit den jeweiligen Bewohnern vom Seestern über Vögel bis zum Schweinswal.

Kannst du die wichtigsten derzeit laufenden Projekte nennen und was sie jeweils beinhalten?

Unser Monitoring-Programm kann natürlich nicht alle Fragen beantworten. Insbesondere bei speziellen oder neuen Fragestellungen sind wir auf die Hilfe unserer Partner in der Wattenmeerforschung angewiesen. Am Beispiel des STopP-Vorhabens kann ich das verdeutlichen. STopP versucht das Nahrungsnetz des Wattenmeeres zu entwirren und mit Hilfe von Modellen Habitate zuverlässig zu identifizieren.

Der Forschungsverbund dazu setzt sich aus Forschungseinrichtungen, Naturschutzbehörden und Consultants zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehren die Erkenntnisse zum Nahrungsnetz einzelner Habitate des Wattenmeeres, die Consultants erarbeiten daraus Bewertungsverfahren und die Naturschutzbehörden setzen diese in die Bewertungen nach den EU-Richtlinien (FFH und MSRL) oder Konventionen (OSPAR) oder in Konzepte zum Nationalparkmanagement um.

Monitoring und diese Art der Forschung sind ja kein Selbstzweck, sondern verfolgen Ziele und haben einen Nutzen. Kannst du dafür konkrete Beispiele nennen?

Ohne Forschungsvorhaben mit Anwendungsbezug wie STopP würde unser Nationalpark heute nicht so aussehen wie er aussieht. Seit Nationalparkgründung haben wir intensiv mit Forschungseinrichtungen kooperiert, mit einer Reihe von ihnen haben wir sogar langfristige Kooperationen geschlossen. Letztlich gehen unser heutiges Zonierungssystem und das Besucher-Informationssystem (BIS) auf Ergebnisse der umfangreichen Ökosystemforschung der 1990er Jahre zurück. Und letztlich ist auch unser anfängliches Monitoring-Programm ein Ergebnis dieser Wattenmeerforschung.

Heute sind wir da etwas kleinteiliger unterwegs: Aus den Forschungsergebnissen der letzten zehn Jahre haben wir unter anderem die Unterwassermikrofone zum Erfassen von Schweinswalen zur Anwendungsreife gebracht und die Einsetzbarkeit von Satellitenbildern vom Wattenmeer verbessert. Zuletzt ist es uns erstmals gelungen, gesetzlich geschützte Biotope wie Schill- oder Kiesflächen unter Wasser eindeutig zu kartieren. Damit wurden erneut Grundlagen zum Schutz von Arten und Habitaten des Wattenmeeres geschaffen.

Kurzworte in Kürze:

STopP: Verbundvorhaben „Vom Sediment zum Top-Prädator“ (2013 bis 2019). Es ist eines von fünf geförderten Projekten zur „Küstenmeerforschung in Nord- und Ostsee" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)" und wird von der Nationalparkverwaltung koordiniert.

OSPAR: Oslo-Paris-Konvention, Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks von 1992. Ziel ist die Erhaltung der Meeresökosysteme des Nordost-Atlantiks und deren Schutz vor nachteiligen Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten. Soweit möglich sollen beeinträchtigte Meereszonen wiederhergestellt werden.

MSRL: Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, Ordnungsrahmen für notwendige Maßnahmen aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, um bis 2020 einen „guten Zustand der Meeresumwelt“ in allen europäischen Meeren zu erreichen oder zu erhalten. Alle europäischen Meeresanrainerstaaten sind verpflichtet, dies in ihren jeweiligen Meeresregionen durch die Erarbeitung und Durchführung von nationalen Strategien umzusetzen.

FFH: Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, Naturschutznormen der Europäischen Union mit dem Ziel, wildlebende Pflanzen- und Tierarten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Die Vernetzung dient der Bewahrung und Wiederherstellung ökologischer Wechselbeziehungen.