Erfolgreiche Strategien

Frühling, Sommer, Herbst, Winter: Salzwiesen sind zu jeder Jahreszeit ein faszinierendes Ökosystem. Am augenfälligsten aber wird diese Faszination, wenn die Pflanze in voller Blüte steht, die viele als die Königin der Salzwiesen ansehen: der Strandflieder (Foto oben). Und diese Zeit ist jetzt! Neben der lilafarbenen Schönheit ist jedoch die gesamte Flora in diesem von Ebbe und Flut wesentlich beeinflussten Lebensraum einzigartig.

Da blühen, als erste im Jahresverlauf, ab Mai das englische Löffelkraut, Stranddreizack, Strand-Milchkraut, Strand-Grasnelke und Gänsefingerkraut. Für Farbenreichtum von Silbergrau über Zartrosa und Lila bis zu knalligem Orange und Sonnengelb sorgt die „Hoch“-Blüte im Juli und August mit Strandwermut, Strand-Grasnelke, Strandaster (Foto), Strandflieder, Strand-Melde und Portulak-Keilmelde sowie Acker-Gänsedistel.

Es sind jedoch nicht allein die Farbenprächtigen, die die Pflanzenwelt der Salzwiese zu etwas ganz Besonderem machen, es ist allem voran die Fähigkeit dieser Pflanzen, mit den wechselhaften Bedingungen von Trockenheit und Überflutung, vor allem aber mit dem Salzwassereinfluss, zurechtzukommen. Dazu haben sie verschiedene Strategien entwickelt. Die sogenannte Sukkulenz zum Beispiel, bekannt von vielen Pflanzen aus Trockenzonen wie etwa Kakteen. Sukkulenz bedeutet die Möglichkeit, fleischig-saftige Wasserspeichergewebe auszubilden, in der Wurzel, im Stamm oder in den Blättern. In der Salzwiese ist der Queller (Nomen est Omen!) ein Vertreter dieser Gattung – und ein pflanzlicher Salzwiesenbewohner, der durch Salzzufuhr besonders bei der Keimung gefördert wird (Foto).

Die Häufigkeit von Überflutungen, sprich die Lage im Verhältnis zum Meeresspiegel, ist der entscheidende Faktor für die Ausgestaltung und Zusammensetzung verschiedener Zonen der Salzwiese. Der oben genannte Queller sowie das Schlickgras etwa wachsen in der tief liegenden Pionierzone. Die höher gelegenen Bereiche heißen Andel- und Rotschwingelzone und werden von den namensgebenden Gräsern dominiert. Die obere Salzwiese ist hinsichtlich der Pflanzenvielfalt die wohl vielfältigste Zone: Strand-Grasnelke und Strandflieder sind hier zu finden, dazu Strand-Wegerich, Strand-Melde (Foto), Strand-Wermut, Tausendgüldenkraut und viele, viele andere.

Kleine Fotos: © Schnabler / LKN.SH