Ursache Sonnensturm?

Sind Sonnenstürme für die Walstrandungen im Wattenmeer im Januar und Februar vergangenen Jahres verantwortlich? Eine Forschergruppe um den Physiker Klaus Heinrich Vanselow vom Forschungs- und Technologiezentrum (FTZ) Westküste der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel jedenfalls sieht dies als wahrscheinlich an; ihre Erkenntnisse („Solar storms may trigger sperm whale strandings: explanation approaches for multiple strandings in the North Sea in 2016“) wurden kürzlich im „International Journal of Astrobiology“ veröffentlicht.

Angedeutet hatte Vanselow diese Möglichkeit bereits in einem Vortrag beim Walsymposium im Mai 2016 in Wilhelmshaven. Danach führen gewaltige Explosionen auf der Sonne zu geomagnetischen Stürmen und Polarlichtern (Foto oben), auch zum Zusammenbruch von Stromversorgungsnetzen, Ausfällen in der Funkkommunikation auf der Erde. Sowohl für die Sonnenaktivitäten als auch für Pottwalstrandungen in der Nordsee – ja keinesfalls ein neues Phänomen – gebe es „sehr lange Zeitreihen“.

Und ein solcher Solarsturm habe sich Anfang Februar 2016 ereignet – fast zeitgleich mit der Strandung von insgesamt 29 Pottwalen an der Nordseeküste von Frankreich über Großbritannien bis in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (wir berichteten). Die Untersuchung der Kadaver hatte gezeigt, dass die Tiere zwar große Mengen Müll im Magen hatten, aber nicht krank waren.

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass die Meeressäuger bei ihrer Wanderung nach Süden die Orientierung verloren, und zwar verursacht durch diesen Sonnensturm. Denn wie zahlreiche andere Tiere nutzen Wale ihren Magnetsinn zur Navigation – und dieser könne durch einen Sonnensturm gestört werden. Die Zusammenfassung der Studie in englischer Sprache ist hier nachzulesen.

Kleines Foto: © Brunckhorst / LKN.SH