Rettich im Nationalpark

Während meiner jährlich stattfindenden Kartierarbeiten auf der neu entstandenen Insel im Norden des Norderoogsandes konnte ich kürzlich den Strandrettich (Raphanus raphanistrum ssp. maritimus) als neue Pflanzenart für unseren Nationalpark nachweisen. Mit Hilfe der Biologen Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer und des niederländischen Kollegen Pieter Slim wurde die Art sicher bestimmt.

In einem hoch gelegenen Spülsaum des letzten Winters fiel der auffällig wüchsige Kreuzblütler mit seinen gelben Blüten und knubbeligen Früchten sofort ins Auge (siehe Foto rechts). Entsprechend der „Flore de France“ und der „New Flora of the British Isles“ ist die Art durch folgende Merkmale gekennzeichnet: Blüten hellgelb mit Äderung, Kronblätter (gestreckt) 15 bis 22 Millimeter lang, untere Stängelblätter relativ dicht gelappt, Früchte mit 1 bis 3 (selten 6) runden Knubbeln, Schnabel höchsten 20 Millimeter (3 x so lang wie der letzte Knubbel). Die Pflanze ist im Unterschied zur Stammform mehrjährig oder sogar ausdauernd; sie ist vermutlich die Stammform von Rettich und Radieschen.

Der Strandrettich zählt zur mediterran-atlantischen Flora und erreicht seine nördlichste Verbreitungsgrenze in Schottland. Er kommt an sandigen Küstenstandorten, in Dünen und Kliffs vor.  Zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Art gehören das Mittelmeer, die mediterranen Atlantikküsten, die Küsten Frankreichs und Großbritanniens. Auch in den Niederlanden ist die Art inzwischen seit ein paar Jahren auf drei Wattenmeerinseln und an zwei Küstenabschnitten am Festland entdeckt worden. Ein erster Fund für Deutschland stammt aus dem Jahr 2015 von der Insel Helgoland.

Wir gehen von einer Ausbreitung auf natürlichem Wege aus, da die für diese Strandsippe typischen verdickten Fruchtwände gut schwimmfähig sind und die Samen auch über Seevögel verbreitet werden können. Dass sich der Strandrettich nun bei uns ansiedelt,  ist sicherlich auch dem Klimawandel zuzuschreiben. Damit hat eine weitere küstentypische und wärmeliebende Art den Norderoogsand als Trittstein für seine Ausbreitung entdeckt. Bleibt zu beobachten, wo diese auffällige Küstenpflanze weiterhin auftreten wird. Im BeachExplorer der Schutzstation Wattenmeer können weitere Funde gemeldet werden.

Martin Stock

Kleines Foto: Stock / LKN.SH