Typenvielfalt

Marschland oder sandig, am Festland oder auf den Halligen: Salzwiese ist nicht gleich Salzwiese, vielmehr gibt es Salzwiesen schon im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches in unterschiedlicher Ausprägung – ganz zu schweigen von der Vielfalt mit Blick auf andere (auch internationale) Regionen.

Gemeinsam ist allen, dass sie sich nur an flachen, strömungsarmen Küsten mit Ebbe und Flut bilden können, wo eine stetige Sedimentablagerung möglich ist und ein gemäßigtes Klima herrscht – in  den Tropen treten anstelle der Salzwiesen Mangroven auf. Erhebliche Unterschiede gibt es bei den geomorphologischen Gegebenheiten. Unterschieden wird im Wesentlichen zwischen folgenden drei Salzwiesentypen:

Küstengebundene Sandsalzwiesen entstehen durch Sedimentation und/oder Sandflug in geschützten Bereichen wie Stränden oder der windabgewandten Seite von Dünen. Die auf dem Sand aufliegende Schlickschicht ist sehr dünn. Beispiele im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer finden sich an der Westküste Eiderstedts sowie auf Amrum und Sylt.

Die eher schlickigen Vorlandsalzwiesen bilden sich auf natürliche Weise an strömungsberuhigten Küstenabschnitten aus. Sie sind bestimmt von einer starken Schicht tonreichen Sediments und heute überwiegend in Lahnungsfeldern vor den Landesschutzdeichen zu finden.

Ästuar-Salzwiesen – der weltweit häufigste Salzwiesentyp – entwickeln sich im Brackwasserbereich geschützter Flussdeltas. „Ästuar“ ist der lateinische Begriff für von den Gezeiten beeinflusste Flussmündungen. Diese Salzwiesen sind geprägt von nährstoffreichen Böden aus feinem Sediment, Beispiel an der schleswig-holsteinischen Nationalparkküste ist die Elbmündung.

Was aber hat es mit den Salzwiesen auf den Halligen auf sich – welcher „Typ“ sind sie? Im Wesentlichen entsprechen sie den oben geschilderten Vorlandsalzwiesen, sind jedoch gekennzeichnet durch eine deutliche Sturmflutschichtung aus Muschelschill- und Sedimentlagen. Dadurch sind sie besser belüftet als klassische Vorlandsalzwiesen – und das hat Auswirkungen auf ihre Pflanzenwelt. So sind auf den Halligen große Vorkommen des Strandflieders (Foto) anzutreffen.

Schutzprogramm für die Salzwiesen

Was den Salzwiesenschutz angeht, ist das Stichwort „FFH“ entscheidend. Die Abkürzung steht für „Flora-Fauna-Habitat“ und bezeichnet ein Schutzprogramm der Europäischen Union im Rahmen des Natura-2000-Netzwerkes; die Details dazu sind in der FFH-Richtlinie definiert.

„Auch das Wattenmeer ist FFH-Gebiet“, erläutert Jörg Olischläger, im Fachbereich „Schutz und Entwicklungsplanung" der Nationalparkverwaltung zuständig für Managementkonzepte inklusive NATURA 2000. „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete“ lautet die genaue Bezeichnung des FFH-Gebietes und es umfasst drei Teilbereiche: den Nationalpark, die Halligen Langeneß, Gröde und Nordstrandischmoor (Foto) sowie die Naturschutzköge.

Laut der vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium festgelegten Erhaltungsziele für das FFH-Gebiet Wattenmeer sollen dort 18 FFH-Lebensraumtypen geschützt werden, darunter auch die Salzwiesenn, die danach in zwei Kategorien eingeteilt sind, erläutert Olischläger: „Im Teilgebiet 'Nationalpark' werden die Salzwiesen überwiegend sich selbst überlassen, damit die für natürliche Salzwiesen charakteristischen Strukturen, etwa die typische Vegetation und mäandrierende Priele, bestehen bleiben oder sich entwickeln können. Im Teilgebiet 'Halligen Langeneß, Gröde und Nordstrandischmoor' sollen auch extensiv oder sporadisch genutzte Salzwiesen geschützt werden, die von anderen Arten geprägt sind und genutzt werden – aus Sicht des Naturschutzes jedoch ebenfalls wertvoll sind."

Kleine Fotos: © Stock / LKN.SH