Das Seegras ist zurück

Man könnte sie als in den Gezeitenbereich hinein verlängerte Salzwiesen bezeichnen: die Seegraswiesen. Ja, tatsächlich: Auch im Meer wachsen Gräser. Und auch bei ihnen gibt es, wie bei den Salzwiesenpflanzen, einen positiven Trend zu vermelden. „Die Seegraswiesen sind so groß und dicht wie lange nicht“, heißt es in einer Pressemitteilung des AWI (Alfred-Wegner-Institutes Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung). Im Gezeitenbereich von Nordfriesland etwa bilden Seegräser vielerorts wieder ausgedehnte Teppiche auf dem Watt vergleichbar denen aus den 1930er Jahren.

Das war nicht immer so: Zwischen den 1970er- und 1990er Jahren waren die Seegraswiesen zwischen Sylt und der Halbinsel Eiderstedt auf ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft. Ursache war unter anderem ein eingeschleppter Pilz, vermutlich auch Nährstoffeintrag sowie andere Faktoren. „Wie groß die Flächen waren, die sublitoral verloren gingen und auch jetzt nicht wieder besiedelt werden, ist allerdings nicht bekannt“, sagt Jörn Kohlus aus dem Fachbereich "Umweltbeobachtung und Planungsgrundlagen" in der Nationalparkverwaltung. „Der ökologische Zustand des Lebensraumes hat sich seit Gründung des Nationalparks im Jahr 1985 deutlich verbessert“, resümiert der Diplom-Geograf, der in der Tönninger Behörde das Seegraswiesen-Monitoring betreut.

Ein eigener Lebensraumtyp

Die Seegraswiesen, die sich aus mehrjährigen Blütenpflanzen zusammensetzen, kommen an sandigen Flachmeerküsten vor und stellen, wie Salzwiesen, einen eigenen Lebensraumtyp dar. Sie sind wichtige Biotope für viele kleine Watttiere sowie Kinderstube für Fischarten wie Hering, Hornhecht und andere.
Ermittelt werden die Bestände seit mehr als 15 Jahren durch Experten der AWI-Wattenmeerstation in List auf Sylt, und zwar drei Mal jährlich vom Flugzeug aus. Darüber hinaus kartieren AWI-Mitarbeiter im Auftrag des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) pro Jahr jeweils ein Sechstel der Fläche durch Begehung. Diese Erfassungen seien zwar genauer, „aber aktuell sind sie eben nur zu den jeweiligen Teilgebieten – beziehungsweise auf das Ganze bezogen sechs Jahre alt“, erklärt Jörn Kohlus.

Darum solle die Datengewinnung  künftig durch Satellitenfernerkundung ergänzt werden. „In diesem Jahr wird erstmals in der Praxis erprobt, ob sich das Fernerkundungsverfahren im Einsatz bewährt“, erläutert Kohlus. Er selbst arbeite derzeit daran, die Ergebnisse mit „Bodendaten“ abzugleichen.