06.10.2017

Bundespräsident Steinmeier zu Besuch im Nationalpark

Interessierte Blicke: Nationalpark-Ranger Martin Kühn und einige Junior Ranger stellen dem hohen Besuch Tiere des Wattenmeeres vor. ®Brunckhorst/LKN.SH

Bei seinen Antrittsbesuchen in den 16 Bundesländern hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinen nördlichsten Punkt erreicht: Schleswig-Holsteins Nordseeküste. Auf der Hamburger Hallig informiert er sich heute über den aktuellen Zustand des Weltnaturerbes Wattenmeeres und die Herausforderungen, die dort für Mensch und Natur infolge des Klimawandels bereits absehbar sind.

„Der Meeresspiegel wird steigen, das Wattenmeer wird sich verändern. Mit neuen Klimadeichen und mit der Strategie für das Wattenmeer 2100 denken wir heute bereits hundert Jahre voraus und richten unser Handeln darauf aus. Mit flachem Profil und breiter Deichkrone können die neuen Deiche in Zukunft relativ einfach und kostengünstig erhöht werden. Jetzt untersuchen wir, wie sich die Gestalt des Wattenmeeres ändern wird. Es könnte in den nächsten Jahrzehnten notwendig werden Sand gezielt einzubringen, damit es mit dem Anstieg des Meeresspiegels Schritt halten kann“, erläutert Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN.SH). Wasserbauer des LKN.SH zeigen an der Hamburger Hallig, wie Lahnungen zum Schutz des Vorlandes errichtet werden und welche Bedeutung Deckwerke für den Schutz der Hallig haben.

Dr. Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung im LKN.SH, weist auf einen anderen Punkt hin: „In unserem als Weltnaturerbe ausgezeichneten Nationalpark, dem größten zwischen dem Nordkap und Sizilien, wirkt sich der Klimawandel bereits ökologisch aus. Die Erwärmung des Meeres verändert die Fauna und Flora. Arten wie Scholle und Kabeljau verlagern ihr Hauptvorkommen nordwärts, südliche Arten wie Sardelle und Plattfußkrabbe wandern ein. Auch die Vegetation ändert sich. Hier auf der Hamburger Hallig wird dies durch künstliche Erwärmung der Salzwiese sogar experimentell untersucht.“

Pauline, Kjell, Leo und Lilly, zehn- bis zwölfjährige Junioranger aus Husum und von Nordstrand genügen einige Schritte ins Watt um Bundespräsident Steinmeier, Ministerpräsident Daniel Günther und ihre Frauen den ungeheuren Nahrungsreichtum des Wattenmeeres zu präsentieren: Reiskorngroße Wattschnecken, grabende Muscheln, räuberische Krebse und flächendeckend vorkommende Wattwürmer.

Diese Nahrungsfülle auf dem bei Niedrigwasser zugänglichen Meeresboden erklärt, warum das Wattenmeer das vogelreichste Gebiet Europas ist. „Einige Hunderttausend Vögel sind zurzeit in unserem Nationalpark. Sie kommen aus Nordost-Kanada, Nordskandinavien und von der sibirischen Eismeerküste. Mehrere Wochen nutzen sie jedes Niedrigwasser um zu fressen, fressen, fressen. Für sie ist das Wattenmeer ist Europas größte Energietankstelle. Mit 70 Gramm Fett auf ihrem Brustmuskel fliegen Knuttstrandläufer bald 4000 Kilometer in ihre Überwinterungsgebiete an den Küsten von Mauretanien und Guinea. An diese Energieeffizienz kommen die besten Techniker noch lang nicht ran“, schmunzelt Nationalparkranger Martin Kühn.

Er freut sich, Deutschlands international wichtigstes Naturgebiet vorzustellen und auf die Verantwortung unseres Landes für den internationalen Zugweg der Küstenvögel hinweisen zu können. Währenddessen beobachtet der Bundespräsident in seinem Fernglas Tausende Knutts, die sich auf ihre internationalen Aktivitäten vorbereiten.

 

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