29.11.2017

Checkup bestanden

Eine Urkunde für das Biosphärengebiet Wattenmeer

Langeneß | © Stock / LKN.SH

NORSTRANDISCHMOOR. Das Biosphärenreservat „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“ hat den Check-up durch die UNESCO bestanden. Heute nahmen der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck und Michael Pollmann, Staatsrat der Freien und Hansestadt Hamburg, die entsprechenden Urkunden von der Vorsitzenden des deutschen MAB-Komitees Dr. Christiane Paulus entgegen. „Die Auszeichnung als UNESCO Biosphärenreservat ist etwas Besonderes. Sie ehrt, was für die Halligbewohner Grundlage ihres Lebens ist: die wilde, eigensinnige Natur des Wattenmeeres verbunden mit der Kulturlandschaft – ein einzigartiger Raum, in dem die Menschen hier naturverträglich leben und wirtschaften. Damit ist die Auszeichnung zugleich auch Anerkennung für das tägliche Tun der Halligbewohner- und -bewohnerinnen“, sagte Habeck heute (29. November 2017) im Rahmen einer Feierstunde auf der Hallig Nordstrandischmoor.

Alle drei Biosphärenreservate im Wattenmeer wurden gemeinsam evaluiert. Das UNESCO-Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen hat 2016/2017 die periodische Überprüfung entsprechend den internationalen Leitlinien des UNESCO-Programms ‚Der Mensch und die Biosphäre (MAB)‘ erfolgreich absolviert.

Im Zuge der Evaluierung hatten internationale UNSECO-Vertreter die Region 2014 und 2016 bereist. Im vergangenen Jahr besuchten der damalige Direktor des UNESCO MAB-Sekretariats in Paris, Han Quinli, und das Mitglied des Koordinierungsrates der UNESCO, Petr Cupa, die drei deutschen Wattenmeer-Biosphärengebiete.

Dabei überzeugten nicht nur die Besonderheit des marinen Biosphärenreservates Wattenmeer, Sachargumente und die gute Vorbereitung des Besuches durch die Nationalparkverwaltung, sondern auch die Halligleute mit ihrem Engagement für das UNESCO-Programm. „Wir sind Biosphäre‘ – dieses Bekenntnis der Menschen hier hat die Kommission offensichtlich beeindruckt. Zu recht. Denn ohne das Engagement der Leute hier würde es das Biosphärenreservat nicht geben“, sagte Habeck.

Er kündigte an, dass künftig die drei deutschen Wattenmeer-Biosphärenreservate in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen verstärkt zusammenarbeiten werden. Dazu werde es turnusmäßige Treffen geben. „Wir sind ein gemeinsamer Naturraum. Diese Besonderheit gilt es zu nutzen.“ Staatsrat Pollmann ergänzte: „Das Wattenmeer ist ein atemberaubend schönes und besonders schützenswertes Ökosystem direkt vor unserer Haustür. Auch wenn Hamburg nur ein recht kleines Stück Wattenmeer in seiner Obhut hat, freuen wir uns sehr über die Auszeichnung. Die Zusammenarbeit über Länder- und Bundesländergrenzen hinweg ist gelebte Nachhaltigkeit zum Nutzen der Natur und der Bewohnerinnen und Bewohner an der Küste und in den Biosphärenreservaten.“

Kleines Foto: © Jess / LKN.SH

Hintergrund:

Daten und Fakten zum Biosphären-Programm „Man and Biosphere“ – der Mensch und die Biosphäre (MAB) – ist ein seit 1971 bestehendes Programm der UNESCO, der Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen. Ziel ist es, in Modellregionen eine nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht beispielhaft zu verwirklichen – ein Gedanke, der seitdem um die Welt geht: Heute gibt es 669 Biosphärengebiete in 120 Ländern.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde 1990 in das Programm aufgenommen, seit 2004 gehören die nordfriesischen Halligen Gröde, Hooge, Langeness, Nordstrandischmoor und Oland (die nicht Bestandteil des Nationalparks sind) als Entwicklungszone dazu. Das gesamte Biosphärengebiet Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen umfasst seitdem 4.431 Quadratkilometer.

Bestandteil des MAB-Konzeptes ist eine Evaluierung der Biosphärengebiete im Zehn-Jahres-Rhythmus. Das heißt, eine Kommission überzeugt sich durch einen Überprüfungsbericht und eine Bereisung, ob die UNESCO-Kriterien erfüllt sind. Die Biosphäre Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde kurz nach ihrer Erweiterung im Jahr 2005 erstmals evaluiert, der zweite Evaluierungsprozess begann im Jahr 2014.

Diese zweite Überprüfung, gestaltete sich aus mehreren Gründen schwierig. So passt die Tatsache, dass das zusammenhängende Ökosystem deutsches Wattenmeer aus drei Biosphärenreservaten (Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein) besteht, nicht in das UNESCO-Konzept. Die Aufteilung ist durch die föderale Struktur vorgegeben. Einer Anregung der UNESCO folgend werden die drei deutschen Wattenmeer-Biosphärenreservate in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen ihre Zusammenarbeit künftig durch turnusmäßige Treffen weiter verstärken.

Zu den MAB-Kriterien gehört außerdem, dass ein Biosphärenreservat aus einer Kern-, einer Puffer- und einer Entwicklungszone besteht. Laut Statuten bildet die Entwicklungszone den Randbereich des Biosphärenreservates. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer ist es genau umgekehrt: Die Halligen, die die Entwicklungszone darstellen, liegen bekanntermaßen mittendrin – das gibt der Naturraum Wattenmeer nun einmal so vor. Und vom Funktionieren dieser Struktur konnte sich die UNESCO bei der Bereisung selbst überzeugen. Mit der Übergabe der Urkunde findet die zweite Evaluierung nun ihren offiziellen Abschluss.

Verantwortlich für diesen Pressetext: Nicola Kabel | Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung | Mercatorstr. 3, 24106 Kiel | Telefon 0431 988-7201 | Telefax 0431 988-7137 | E-Mail: pressestelle(@)melund.landsh.de | Presseinformationen der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter http://www.schleswig-holstein.de | Das Ministerium finden Sie im Internet unter www.melund.schleswig-holstein.de

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