22.07.2016

„Kükenalarm“ im Nationalpark

© Marco Maier/NABU

„Kükenalarm“ im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Die meisten Jungvögel sind geschlüpft und erkunden ihre Umwelt, viele sind bereits flügge. Für genaue Zahlen ist es zwar noch zu früh, der Vogelexperte der Nationalparkverwaltung Martin Kühn spricht in einer ersten Bewertung jedoch von einem „mittelmäßigen“ Brutjahr mit großen lokalen Unterschieden: „Bei den Austernfischern zum Beispiel gab es auf den Raubsäuger-freien Halligen einen guten Bruterfolg, Richtung Festland wie in den letzten Jahren große Verluste“, so der Nationalpark-Ranger am Freitag (22). Juni) in einer vorläufigen Bilanz.

Seit einigen Jahren nämlich sorgen Raubsäuger wie Fuchs und Marder für so große Verluste bei den Brutvögeln, dass die Populationen am Festland weitgehend zusammengebrochen sind. Zu den wenigen Ausnahmen zählen eine kleine, durch ein Schutzprojekt intensiv betreute Lachseeschwalbenkolonie in Neufelderkoog sowie ein größerer Trupp von Küstenseeschwalben rund um das Eidersperrwerk.

Insgesamt ziehen jährlich fast 100.000 Paare Seeschwalben, Möwen, Wat- und andere Küstenvögel auf den Salzwiesen, Stränden und Dünen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ihren Nachwuchs groß. Das Bild in diesem Jahr zeige sich je nach Art und Standort extrem uneinheitlich, berichtet Martin Kühn. Bei den Großmöwen auf Amrum etwa unterschieden sich die Ergebnisse „sogar von Kolonie zu Kolonie von mittelprächtig bis Totalausfall.“ Bei den Fluss- und Küstenseeschwalben auf Hallig Hooge dagegen freut sich der Nationalpark-Ranger über einen „richtig guten Bruterfolg“.

Von der Vogelinsel Trischen im Dithmarscher Wattenmeer berichtet der Vogelwart des NABU Marco Maier in seinem Blog von einem anhaltenden Abwärtstrend bei Sturm- und Silbermöwen und konstanten Zahlen bei den Mantel- und Heringsmöwen. Fluss-, Zwerg- und Küstenseeschwalben hätten allesamt „zugelegt“. Auf Norderoog weit draußen im nordfriesischen Wattenmeer sieht es ebenfalls nach Zuwächsen aus: Nach ersten Schätzungen von Christel Grave vom betreuenden Verein Jordsand brüteten jeweils etwa 3.000 Paare der dort  am häufigsten vertretenen Brandseeschwalben und Lachmöwen; das wären in beiden Fällen etwas mehr als im Vorjahr, so die Landschaftsökologin: „Eine endgültige Bewertung ist aber erst nach Abschluss der Luftbildzählungen möglich.“

Bei aller Freude über solche Erfolgsmeldungen: Brutvögel bleiben die Sorgenkinder der Nationalparkler. Denn seit den 1990er Jahren sind die Bestände von nahezu zwei Drittel der Brutvogelarten – auch so häufiger wie Austernfischer und Rotschenkel – kontinuierlich zurückgegangen,  und zwar im gesamten Wattenmeer.

Die Gründe dafür sind vielfältig, Experten des Gemeinsamen Wattenmeersekretariates (CWSS) in Wilhelmshaven nennen unter anderem häufigere Überflutungen der Brutgebiete, Raubsäuger, schlechte Nahrungsbedingungen sowie auch die Klimaveränderung und Meereserwärmung als Faktoren. Mit einem kürzlich vom CWSS veröffentlichten Aktionsplan soll diesem Trend nun auf trilateraler Ebene entgegengewirkt werden. Er enthält zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung der Brutbedingungen für Vögel im Weltnaturerbe Wattenmeer.

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