15.04.2015

Seegräser und Grünalgen zeigen guten Zustand des Wattenmeeres

Großes und Kleines Seegras im Watt

Großes und Kleines Seegras im Watt | © Stock/LKN-SH

TÖNNING. Im Watt gibt es keine Bäume, klar. Aber andere Pflanzen? Ja, gibt es: Seegräser und Grünalgen. Die Tönninger Nationalparkverwaltung lässt ihre Bestände regelmäßig durch Befliegungen ermitteln. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in List auf Sylt (AWI) legten nun erfreuliche Ergebnisse vor. Im vergangenen Sommer bedeckten Seegräser 13 Prozent des nordfriesischen Wattenmeeres, während Grünalgen mit einem Flächenanteil von 0,3 Prozent vorkamen. Die gute Verbreitung der Seegräser und das spärliche Vorkommen der Grünalgen zeigen dasselbe: Im Wattenmeer nimmt die Belastung mit Nährstoffen ab, der ökologische Zustand verbessert sich.

Im Sommer bilden dichte Seegraswiesen im Gezeitenbereich von Nordfriesland vielerorts wieder einen weichen Teppich auf dem Wattwanderer gern laufen. Nach Einschätzung der AWI-Wissenschaftler befindet sich dort das größte zusammenhängende Seegrasvorkommen Europas. Der gegenwärtige Bestand ähnelt dem auf Luftaufnahmen aus den 1930er Jahren. Dieser gute Bestand ist besonders erfreulich, weil das Große Seegras (Zostera marina) damals durch eine epidemische Erkrankung stark zurückging, wovon es sich bis heute kaum erholte. Noch in den 1990er Jahren lag der Flächenanteil der beiden Seegrasarten in Nordfriesland nur bei 3 Prozent. Seit 2009 dehnen sich die Seegräser aber auf über 100 Quadratkilometern aus, was einem Flächenanteil von über 10 Prozent des nordfriesischen Wattenmeeres entspricht. Im Dithmarscher Wattenmeer ist ihr Anteil traditionell gering und kleiner als 1 Prozent.

Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden nicht nur Seegräser, sondern auch Grünalgen als empfindliche Indikatoren für Nährstoffeinträge in Küstengewässer angesehen. Während Seegräser an nährstoffärmere Gewässer angepasst sind, ist es bei Grünalgen umgekehrt. Bei einem hohen Angebot an Stickstoff und Phosphat können sie sich massenhaft entwickeln.

Mit bis zu 20 Prozent der Wattfläche Schleswig-Holsteins hatten die Grünalgen ab Ende der 1980er Jahre wegen der hohen Einträge von Nährstoffen in die Nordsee eine zuvor nicht beobachtete Ausdehnung erreicht. Ihren dichten Matten blockierten den Sauerstoffzugang des Wattbodens und der darin lebenden Tiere. Im Sommer starb das Leben unter den Algenmatten, schwarze Flecken bildeten sich unter ihnen und am Rande verursachten Schwefelbakterien milchige Zonen. Im vergangenen Jahr wurde dies nicht beobachtet. 2014 bedeckten Grünalgen nur etwa 3 Quadratkilometer (= 0,2 Prozent) des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres.

Seegräser sind mehrjährige, krautige Blütenpflanzen. Sie wachsen im Flachwasserbereich von sandigen Flachmeerküsten. Auf unseren Wattflächen können das Große Seegras und das Zwergseegras (Zostera noltii) im Sommer ausgedehnte und dicht bewachsene Wiesen bilden, die einen eigenen Lebensraumtyp darstellen. Viele Fischarten nutzen die Seegraswiesen des Wattenmeeres als Kinderstube. Beispielsweise heften Hornhechte und Heringe ihre Eier an die Halme des Seegrases. Die dichten Blättermatten schützen die Jungfische vor Feinden. Würmer und andere Tiere legen ihre Gänge in der Nähe der Wurzelsysteme der Seegräser an. Watvögel ernähren sich von Schnecken und anderen Kleintieren der Seegraswiesen. Im Herbst bilden die Seegräser selbst die Nahrung: Ringelgänse und Pfeifenten weiden sie dann regelrecht ab.

Die verschiedenen Arten fädiger Grünalgen und die Meersalat genannten blattartigen Grünalgen der Gattung Ulva wurzeln nicht im Boden und können daher leicht verdriften und übersanden. Neben den Nährstoffkonzentrationen bestimmen auch andere Faktoren wie Anheftungsmöglichkeiten, der Wegfraß durch Tiere, Wellenschlag oder Temperatur ihr Vorkommen.

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