06.11.2015

Spannende Denkanstöße

Veranstalter der Fachtagung

Die Veranstalter der Fachtagung stoßen auf 30 Jahre Nationalpark an. | © Wells / LKN-SH

„Es gibt Vieles, was uns verbindet – aber wir haben unterschiedliche Perspektiven.“ Dieses Fazit von Frank Ketter, Geschäftsführer der Nordsee-Tourismus-Service GmbH, traf den Punkt: Die Fachtagung „Naturerlebnis im touristischen Angebot“ bringt Naturschützer und Touristiker aus dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer zusammen, bietet umfassende Informationen aus beiden Bereichen und Denkanstöße auch aus anderen Tourismusregionen. „Es ist doch spannend zu sehen, wie andere das machen und was wir daraus lernen können“, so Christiane Gätje, in der Tönninger Nationalparkverwaltung zuständig für den Bereich nachhaltiger Tourismus.

„Das“ ist das zentrale Thema der alljährlichen Veranstaltung: nachhaltiger Tourismus in einer geschützten Naturlandschaft. Für erste Impulse sorgte die Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Umweltministerium Silke Schneider mit der Rede „Der Mensch und das (Watten)Meer“. Uwe Garrels, Bürgermeister der ostfriesischen Insel Langeoog, richtete einen Appell an seine Zuhörer: „Die Großartigkeit des Wattenmeeres zeigt sich im kleinsten Detail.“ Daraus für Besucher und Einheimische ein Bild zu formen, sei die zentrale Aufgabe des nachhaltigen Tourismus.

Mit Staunen aufgenommen wurde der Vortrag von Leander Khil, ehemaliger Commerzbank-Praktikant im Wattenmeer-Nationalpark und heute als Biologe als einer von 16 Rangern in Österreich tätig – nicht etwa für die Nationalparkverwaltung am dortigen Neusiedler See, sondern für die in der Nähe angesiedelte „St. Martins Therme und Lodge“. Das Wellness-Hotel bietet Safaris in das Schutzgebiet, die ebenso hochklassig sind wie die 4*-Superior-Lodge selbst. Und findet ihr finanzstarkes Publikum: Das exklusive Haus mit 194 Zimmern und 14 Suiten verzeichnet den Angaben zufolge übers Jahr eine Auslastung von 70 Prozent, 20 Prozent der Hausgäste sowie eine Vielzahl externer Teilnehmer nutzen die individuellen Naturerlebnisangebote.

Sind Konzepte dieser Art übertragbar auf die Nationalparkregion? „Da geht noch was, da geht noch viel mehr“, so das Credo des Tourismusberaters, Dozenten und laut Selbstbild „begeisterten Vogelguckers“ Kai Pagenkopf, der eine Studie zur Vogelbeobachtung im Wattenmeer vorstellte. Es sei die fantastische Vogelwelt, die wie kein anderer Aspekt die internationale Bedeutung des Weltnaturerbes Wattenmeer unterstreiche: „Damit kann man die Leute begeistern.“

Deutlich schwerer dagegen tut man sich offenbar in der Schweiz, wo in 666 Skigebieten 100.000 Hektar Pisten (davon die Hälfte künstlich beschneit) existieren. Angesichts solcher Tatsachen sei es „nicht gerade einfach, zu einer Kooperation zwischen Naturschutz und Tourismus zu kommen“, erklärte Dominik Siegrist von der Hochschule für Technik im schweizerischen Rapperswil. Nichtsdestotrotz wurden für die Alpen Qualitätsstandards für einen naturnahen Tourismus erarbeitet, unter anderem zu Aspekten wie Mobilität, regionale Wertschöpfung, Beherbergung und Verpflegung.

Dass sich in Sachen nachhaltiger Tourismus an der schleswig-holsteinischen Westküste viel tut, zeigt unter anderem das von der Europäischen Union kofinanzierte Projekt PROWAD (Protect and Prosper Sustainable Tourism in the Wadden Sea – www.prowad.org), dessen Ergebnisse Christiane Gätje vorstellte. Ein mittlerweile von allen Wattenmeer-Anrainerstaaten verabschiedetes Strategiepapier gehört dazu, zahlreiche Publikationen, eine Gästebefragung sowie diverse Medien. Eines davon, den animierten Film „Weltnaturerbe Wattenmeer – Ein einmaliges Erlebnis“, präsentierte Anja Szczesinski vom WWF. Er ist in vier Sprachen auf YouTube zu sehen (deutsche Version unter https://youtu.be/n1kU6p9tKAM). Abgerundet wurde das Tagungsprogramm durch den Bildervortrag „Wildnis im Nationalpark Wattenmeer“ des Biologen und Fotografen Martin Stock aus der Nationalparkverwaltung. Alle Vorträge stehen ab 9.November zum Download auf der Website www.nationalpark-wattenmeer.de/sh (Button „Vorträge Fachtagung“) bereit.

Veranstalter des alljährlichen Treffens – diesmal bereits das 13. – ist die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit der Nordsee-Tourismus-Service GmbH, Dithmarschen Tourismus, dem WWF und der Fachhochschule Westküste. Und das Interesse ist ungebrochen: Erneut waren mehr als 120 Interessierte der Einladung gefolgt. Zum Abschluss – und vor dem Hintergrund des zu Ende gehenden Jubiläumsjahres zum 30-jährigen Bestehen des Nationalparks – stießen Teilnehmer, Veranstalter und Referenten mit einem Glas Sekt auf den Geburtstag an. Naturschutz und Tourismus seien im Nationalpark Wattenmeer einen guten und erfolgreichen  Weg gemeinsam gegangen, sagte der Leiter der Nationalparkverwaltung in seinem Toast auf den Geburtstag: „Ich wünsche dem Wattenmeer, dass auch in Zukunft immer genügend Menschen da sind, die sich für seinen nachhaltigen Schutz einsetzen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Die Wilhelmshavener Junior Rangerin Silja Reiser (rechts) und Marleen Jorritsma aus den Niederlanden (links) vertraten zusammen mit zwei Kindern aus Dänemark das Weltnaturerbe Wattenmeer am 8. Juni bei der World Oceans Conference in New York. Prinz Albert II von Monaco (Mitte) unterzeichnete als Erster den Appell zum Schutz der Meere für zukünftige Generationen. Foto: Joel Sheakoski/UNESCO

16.06.2017 Junior Ranger, UNESCO Im Rahmen der World Oceans Conference in New York hat am 8. Juni 2017 eine Gruppe von Kindern aus aller Welt vor der UN-Vollversammlung für den Schutz der Weltmeere für zukünftige Generationen plädiert. Über 30 Kinder aus mehr als 10 verschiedenen marinen Welterbestätten vertraten dabei die 49 marinen Welterbestätten der Welt. Vier Kinder aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden repräsentierten das Weltnaturerbe Wattenmeer – unter ihnen die vierzehnjährige Silja Reiser aus Wilhelmshaven. mehr »
Uferschnepfe. Foto: G. Reichert/NLPV

Die Uferschnepfe ist eine der Zielarten des LIFE-Projektes „Wiesenvogelschutz“. Für sie wurden die Grünland-Lebensräume auf Borkum auf einer Fläche von 250 ha optimiert. Foto: G. Reichert/NLPV

15.06.2017 LIFE+, LIFE, Artenschutz Im Bereich des Tüskendörsees auf Borkum sind von September bis Dezember 2016 umfangreiche Baumaßnahmen zum Wiesenvogelschutz im Rahmen des EU-geförderten LIFE-Projekts „Wiesenvögel“ umgesetzt worden. Am 9. und 10. Juni luden die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die interessierte Öffentlichkeit dazu ein, sich vor Ort über die umgesetzten Maßnahmen und bereits sichtbare Erfolge zu informieren. mehr »
Lammnachmittag auf dem Deich vor dem Multimar Wattforum

Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum lockt am 22. Juni mit zwei tierischen Veranstaltungen nach Tönning: Nachmittags findet die traditionelle Schafschur mit Lammkönigin statt (Foto) und abends eine unterhaltsame Vogelstimmenlesung des Tierstimmenimitators Uwe Westphal   |   © Claußen/LKN.SH           
                                                              

14.06.2017 Multimar Wattforum, Veranstaltungen, Infozentrum Am Donnerstag, den 22. Juni 2017 lohnt es sich gleich doppelt, nach Tönning ins Multimar Wattforum zu kommen, denn es werden zwei interessante Veranstaltungen geboten: Nachmittags geht es den Multimar-Schafen „an den Pelz“ und abends trällern bezaubernde Vogelstimmen durch das Nationalpark-Zentrum. mehr »

Strandnelken im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer  |   © Stock/LKN.SH

12.06.2017 Salzwiese Die Pflanzenwelt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erwacht zum Leben. mehr »