Muschelfischerei

Im Nationalpark werden zwei auf dem Meeresgrund lebende Muschelarten kultiviert und befischt: Miesmuscheln und Austern. Die Befischung anderer, im Wattboden lebender Arten wurde aus aus Naturschutzgründen verboten.
Muschelfischerei

Miesmuscheln werden mit Dredgen vom Meeresboden abgeräumt. | © Rüdiger Kock

 

Miesmuscheln

Miesmuscheln (Mytilus edulis) bilden als Muschelbänke einen eigenen Lebensraum im Wattenmeer in dem viele andere Arten leben. Die Miesmuscheln filtrieren die gesamte Wassermenge des Wattenmeeres innerhalb weniger Wochen, so dass sie starke Einflüsse auf die Stoffflüsse im Ökosystem Wattenmeer haben. 

In Schleswig-Holstein wurden bereits vor Einrichtung des Nationalparks im Jahr 1985 Miesmuscheln befischt, danach wurden die Fischereiaktivitäten flächen- und mengenmäßig ausgedehnt. In den vergangenen  10 Jahren bis 2015 wurden jährlich durchschnittlich 5.000 Tonnen Miesmuscheln geerntet. Die ökologischen Auswirkungen der Fischerei auf Miesmuscheln bestehen unter anderem im Flächenverbrauch durch Muschelkulturen und durch deren intensive Stoffumsätze. Aber auch der eigentliche Fischereivorgang erzeugt kritische Effekte, weil dabei Dredgen benutzt werden, die in das Sediment eindringen und die dortige Lebensgemeinschaft abräumen. Deswegen regelt ein Muschelfischereiprogramm Folgendes:

• Die Miesmuschelfischerei ist auf 8 Kutter begrenzt.
• Das trockenfallende Watt ist komplett und die Schutzzone 1 weitestgehend gesperrt.
• Zulässig ist nur die Fischerei auf Saatmuscheln, die zum Besatz von Kulturflächen dienen.
• Speisereife Muscheln dürfen nur von den Kulturflächen geerntet werden.
• Die Kulturflächen sind 2000 Hektar groß.
• Die Muschelfischer zahlen dem Land eine jährliche Abgabe von 280.000 €. Damit wird auch eine Bestandserfassung der Muschelbestände finanziert.
• Die Fischerei wird durch ein satellitengestütztes Black-Box-System überwacht.
• Erlaubnisse werden vorbehaltlich einer FFH-Verträglichkeitsprüfung für 5 Jahre erteilt.

Die natürlichen Miesmuschelbestände im Sublitoral scheinen in den vergangenen Jahren (etwa 2005 bis 2010) stark rückläufig zu sein. Daher importierten Muschelfischer seit einigen Jahren Besatzmuscheln aus Südengland und Irland. Dieser Import wurde gerichtlich gestoppt, da die Gefahr besteht, dass unbeabsichtigt gebietsfremde Arten eingeschleppt werden.Die Miesmuschelfischer versuchen nun Saatmuscheln mit Hilfe von ausgehängten Netzen zu gewinnen („Smart Farms“).

Austern

Die Europäische Auster (Ostrea edulis) ist etwa um 1930 aufgrund der Überfischung im Wattenmeer ausgestorben. Vor List/Sylt wird jedoch seit Mitte der 1980er Jahre eine 30 Hektar große Kultur von Pazifischen Austern (Crassostrea gigas) betrieben. 1991 wurden erstmals wildlebende Pazifische Austern im Wattenmeer beobachtet. Sie haben sich seitdem stark ausgebreitet.

Die Gesamtbiomasse der Austern ist inzwischen um ein Vielfaches höher als die der Miesmuscheln. Austernsammeln ist seit 2005 beschränkt erlaubt. Auflagen stellen sicher, dass keine nachteiligen Effekte auftreten (Sammeln nur per Hand, nur auf 1% der Fläche und weitere).

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