Oktober 2011

Oktober 2011

 

Moin. Die künftigen Regelungen zur Miesmuschelfischerei werden öffentlich intensiv diskutiert. Die Nationalpark Nachrichten sind dafür gern eine virtuelle Bühne. Wie lecker andere Wattprodukte sein können, spürten Freunde des Weltnaturerbes bei einem kulinarischen Hotspot in Berlin. Ökologische Hotspots sind anderswo verortet: auf Süderoogsand beispielsweise oder in St. Peter-Ording. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Miesmuschelfischerei

© Miesmuschelfischerei

Die Miesmuschel (Mytilus edulis) ist bei Mensch und Tier beliebt: in Restaurants, auf heimischen Tellern oder an ihren natürlichen Standorten im Wattenmeer. Schon vor Einrichtung des Nationalparks im Jahr 1985 wurde sie kommerziell befischt. 1992 wurde mit 42.000 Tonnen ein Maximum erreicht.

Seit Ende der 1990er Jahre wachsen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer allerdings kaum noch Muscheln auf. Im Gezeitenbereich ging die Biomasse der Miesmuscheln von 1989 bis 2010 um 90 % zurück und die Bestände sind auch im Unterwasserbereich sehr gering. Eine Ursache sind vermutlich aus dem Klimawandel resultierende Veränderungen im Ökosystem: wenn die Larven sich im Frühjahr festsetzen, erwartet sie bereits eine große Zahl räuberischer Krebse. Ob die geschlechtsreifen Tiere inzwischen so wenig Nachwuchs liefern, dass die früheren Bestände auch bei sonst guten ökologischen Bedingungen nicht wiederkehren, ist offen. Auch muschelfressende Vögel, vor allem Eiderenten und Austernfischer, trifft der Rückgang ihrer Hauptnahrung. Ihre Bestände gingen nachweislich zurück.

Muscheln unterliegen nicht – wie Fische und Krabben – der freien Fischerei, sondern das alleinige Recht zur Nutzung in den Küstengewässern liegt bei den Ländern. Die Muschelzüchter erhalten öffentlich-rechtliche Erlaubnisse. Der Schutzzweck des Nationalparks ist dabei zu berücksichtigen. Um Muschelfischerei und Naturschutz in Einklang zu bringen, vereinbarte das schleswig-holsteinische Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume mit den Muschelzüchtern bereits 1997 ein Muschelprogramm, das diese Art der Fischerei regelt.

In ständig mit Wasser bedeckten Bereichen des Wattenmeeres, nicht aber im Gezeitenbereich, sammeln die Muschelzüchter die kaum einen Zentimeter großen Jungmuscheln (Besatzmuscheln). Zum besseren Wachstum werden sie auf so genannte Kulturflächen aufgebracht, von denen sie nach 1-2 Jahren als mindestens vier Zentimeter große Tiere geerntet werden. Den Rückgang der Besatzmuscheln versuchen die Muschelzüchter seit Jahren durch Besatzmuschelimporte aus England und Irland auszugleichen. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass fremde Arten in das Wattenmeer eingeschleppt werden, weswegen ein umfassendes Monitoring die Maßnahmen begleitet.

Die Muschelzüchter versuchen seit einigen Jahren mit speziellen Anlagen im Wattenmeer Besatzmuscheln zu gewinnen. Dabei handelt es sich um Rohrsysteme von mehreren hundert Metern, die als Schwimmkörper für daran hängende Netze dienen. Auf ihnen siedeln sich Muschellarven an, die dort für die Räuber (Krebse, Seesterne) nicht erreichbar sind.

In Schleswig-Holstein möchten die Muschelzüchter nun den bis 2016 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängern, um Planungssicherheit für notwendige Investitionen zu erlangen. Muschelzüchter und Ministerium haben dazu im Juli Eckpunkte vereinbart (s. Kasten). Das Ministerium wird nun prüfen, ob eine Miesmuschelfischerei nach diesen Eckpunkten mit der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie der EU vereinbar ist. Auf Grundlage der Eckpunkte sollen dann bis Anfang 2012 ein neues Muschelprogramm erstellt und Lizenzen erteilt werden.

Sobald die Ergebnisse der Verträglichkeitsprüfung und der Entwurf des Muschelprogramms vorliegen, werden die Nationalparkkuratorien das Thema intensiv diskutieren. Dabei blicken die Kuratoriumsmitglieder auch nach Dänemark und in die Niederlande: dort hat man auf die ökologischen Veränderungen reagiert und legt die Menge der Besatzmuscheln jährlich so fest, dass muschelfressenden Vögeln genug Nahrung bleibt.

Die Nationalpark Nachrichten möchten dieser Diskussion in dieser Ausgabe Raum geben und baten Peter Ewaldsen, den Geschäftsführer der Erzeugerorganisation schleswig-holsteinischer Muschelzüchter, und Dr. Hans-Ulrich Rösner, den Leiter des WWF Wattenmeerbüros, folgende Fragen zu beantworten:

Peter Ewaldsen

Hans-Ulrich Rösner

Passt die Miesmuschelfischerei zur ökologischen Situation des Wattenmeers?

Ewaldsen: Die Miesmuschelfischerei in der hier ausgeübten Form der Aquakultur (Muschelkulturwirtschaft) genießt nach dem Nationalparkgesetz Bestandsschutz; es ist der ausdrückliche Wille des  Gesetzgebers, dass hier weiterhin diese althergebrachte Art der Miesmuschelfischerei stattfindet. Mit dem Abschluss von öffentlich-rechtlichen Verträgen und jetzt mit der Eckpunktevereinbarung hat  die Muschelkulturwirtschaft  auf einen Großteil ihrer gesetzlich garantierten Rechte verzichtet, um den Forderungen des Naturschutzes weitestgehend entgegenzukommen, unabhängig davon, ob die Forderungen berechtigt sind oder nicht.  So findet z. B. durch das Entgegenkommen der Muschelkulturwirtschaft seit 15 Jahren in etwa 70 % der Nationalparkfläche keine Miesmuschelfischerei mehr statt. Diese stark eingeschränkte Muschelkulturwirtschaft ist mit der ökologischen Situation des Wattenmeeres absolut verträglich. Das bestätigen auch alle Monitoring-Berichte und FFH-Gutachten, die hierzu von unabhängigen Experten und Institutionen erstellt worden sind.

 

Rösner: Das Wattenmeer ist ein einmaliges Ökosystem. Deshalb ist es als Nationalpark ein hochrangiges Schutzgebiet geworden, und wurde schließlich sogar als Weltnaturerbe geehrt. Im Watt hat Natur deshalb in aller Regel Vorrang.
Doch die Muschelfischerei hat lange Raubbau betrieben und sie tut es noch. So hatte man selbst nach der Einrichtung des Nationalparks noch die Größe der künstlich angelegten Kulturbänke mehr als verdoppelt, und damit auch den Bedarf an wild gefangenen Besatzmuscheln gesteigert. In den neunziger Jahren wurden die Muschelbänke im trockenfallenden Watt dann so intensiv genutzt, dass ihre Befischung schließlich verboten werden musste. Danach durften Muscheln nur noch im ständig wasserbedeckten Bereich gefischt werden und die Zone 1, also die besonders geschützte Ruhezone des Nationalparks, sollte im größten Teil eigentlich geschont werden.
Wie sich inzwischen zeigte, war dies aber gar nicht der Fall: Die tiefen Priele inmitten der Zone 1 wurden die ganze Zeit über befischt, sobald dort Muscheln auftauchten. Seit langem gibt es deshalb im ständig wasserbedeckten Bereich des Nationalparks praktisch keine neuen Muschelbänke, die nicht sofort weggefischt würden. Dass dies alles nicht zu einem Schutzgebiet passt, liegt auf der Hand.

 

Worum geht es bei dem Konflikt zwischen Miesmuschelfischerei und Naturschutz aus Ihrer Sicht?

Ewaldsen: Es gibt keinen Konflikt zwischen Miesmuschelfischerei und Naturschutz, es gibt nur einen Konflikt zwischen Miesmuschelfischerei und  einigen Vertretern des Naturschutzes.

 

Rösner: Wir Naturschützer wollen, dass der Nationalpark auch wirklich geschützt wird und seinem anspruchsvollen Namen gerecht wird. Und das bedeutet hier „Natur Natur sein lassen“! Man kann im Watt wandern, die Natur vielfältig erleben, aber wirtschaftliche Nutzungen dürfen in einem Nationalpark nur ganz geringen Einfluss auf die Natur haben. Und sie dürfen nicht größer sein als vor der Einrichtung des Nationalparks. Das ist eine klare Vorgabe im Nationalparkgesetz.
Doch davon kann bei der Muschelfischerei nicht die Rede sein. Ich habe den Eindruck, man will nur ein Maximum an Muscheln aus dem Nationalpark holen, und die Entscheidung des Gesetzgebers für den Schutz durch einen Nationalpark wird dabei als störend empfunden. Schlimmer ist es eigentlich noch, dass ich beobachte, dass Fischereibehörden diese Einstellung fördern, seit es den Nationalpark gibt. Die Summe aus beidem sorgt für den Konflikt.

Ist der Konflikt überhaupt lösbar oder ist dies grundsätzlich ausgeschlossen, weil die Ziele unvereinbar sind?

Ewaldsen: Dieser Konflikt zwischen der Miesmuschelfischerei und  diesen Vertretern des Naturschutzes ist so lange nicht lösbar, wie von  diesen unberechtigte und unsachliche Forderungen nach einem absoluten Aus der Miesmuschelfischerei erhoben werden.

 

Rösner: Dieser Konflikt dauert schon viel zu lange. Im Moment erscheint eine Lösung aber aus zwei Gründen schwierig: Der eine ist, es gibt kein Vertrauen. Im Naturschutz fühlen wir uns doch seit 26 Jahren Nationalpark in Sachen Muschelfischerei laufend hinters Licht geführt. Der andere Grund ist, dass die Landesregierung derzeit völlig einseitig die Muschelfischerei unterstützt. Das führt dazu, dass man dort auf einem sehr hohen Ross sitzt und offenbar gar keinen Grund sieht, sich ernsthaft zu beschränken und Ausmaß und Art der Fischerei den natürlichen Verhältnissen anzupassen.
Nach meiner Auffassung missachtet die Landesregierung damit aber auch das Nationalparkgesetz und das europäische Naturschutzrecht. Das erlaubt es nämlich nicht, den Zustand der Natur in europäischen Schutzgebieten wie dem Wattenmeer zu verschlechtern, wie es derzeit geschieht!
Es wird also Zeit, dass man sich wieder erinnert, was ein Nationalpark ist und was sein Ziel ist. Dann kann man auch eine Lösung finden. Realistisch wäre dann sicher ein Kompromiss zwischen allen Beteiligten, der die Natur klar schützt, aber auch eine naturverträgliche Form der Muschelfischerei zulässt.
Dafür gibt es aber Mindestanforderungen: Die Muschelfischerei muss die trockenfallenden Wattflächen, die Zone 1, sowie das Mausergebiet der Brandgänse völlig in Ruhe lassen und sie muss umgehend jeden Import von Muscheln aus anderen Herkunftsgebieten einstellen. Es wäre auch wichtig, die Fischerei auf die wilden Besatzmuscheln am Boden zu beenden, wenn es sich herausstellen sollte, dass die sogenannten Saatmuschelkollektoren für die Umwelt weniger problematisch sind. Und die Muschelfischerei muss weniger werden, die heutigen acht Lizenzen sind viel mehr, als das Wattenmeer verträgt.

Ergeben sich aus dem Import von Besatzmuscheln mehr Chancen oder mehr Risiken?

Ewaldsen: Der Import von Besatzmuscheln beinhaltet keine Risiken, der Import verbessert vielmehr die Situation der Muschelbestände und z. B. das Nahrungsangebot für muschelfressende Seevögel. Eine FFH-Verträglichkeitsprüfung, die die Erfahrungen aus dem Import von Besatzmuscheln der letzten fünf Jahre auswertet, zeigt eindeutig, dass das so genannte Einschleppen von Tieren und Pflanzen und ihre anschließende Ausbreitung durch die Vorbehandlung der Muschelsaat und durch die hier niedrigeren Wassertemperaturen auszuschließen ist, im übrigen – wenn überhaupt - in Einzelfällen gegenüber den natürlichen Vektoren nur ganz unwesentlich früher eintreten kann. Die FFH-Verträglichkeitsprüfung schließt eine Beeinträchtigung des gesetzlichen Erhaltungsziels „Gewährleistung des möglichst ungestörten Ablaufs der Naturvorgänge“ ausdrücklich aus. Die Muschelkulturwirtschaft arbeitet im Einklang mit der Natur.   Rösner: Ich sehe da nur Risiken. Es ist schon schlimm genug, dass in einem Nationalpark über die natürlichen Verhältnisse hinaus gefischt wird. Aber als Reaktion darauf fischt man nicht etwa weniger, sondern importiert seit Jahren Tausende von Tonnen Miesmuscheln von der britischen und irischen Küste. Dies lief anfangs ziemlich verborgen, bis wir es durch Zufall entdeckt hatten.
Das Problem ist, mit jeder Ladung importiert man auch andere Organismen als Miesmuscheln. Auch solche, die bei uns nicht vorkommen, die z.B. auf den Muscheln wachsen, zwischen ihnen stecken oder im Mantelwasser der Muscheln leben. Wenn man diese Muscheln in die Natur bringt, dann kann man die Einschleppung von weiteren gebietsfremden Arten auch durch technische Maßnahmen gar nicht verhindern.
Beispiele für gebietsfremde Arten bei uns sind die Pazifische Auster, die Wollhandkrabbe oder die Amerikanische Schwertmuschel, und es gibt noch viele weitere. Niemand kann die Auswirkungen solcher Arten auf das Ökosystem vorhersahen, aber wenn sie erst einmal da sind, ist es zu spät, man bekommt sie nicht mehr weg. Besser werden kann das nur durch Vorbeugung, und das heißt im Falle von Aquakultur wie bei den Muscheln, dass man nichts aus entfernten Gebieten in die Natur einschleppen darf. Sonst haben wir am Ende keine heimische Tier- und Pflanzenwelt mehr, sondern eine globalisierte. Das ist das Gegenteil von Artenvielfalt.

Wie bewerten Sie die ökologischen Folgen der Miesmuschelfischerei?

Ewaldsen: Die Miesmuschelfischerei, wie sie hier ausschließlich in Form der Muschelkulturwirtschaft stattfindet, ist ökologisch verträglich, nachhaltig und unbedenklich. Nachteilige Folgen – das ergeben die Monitoring-Berichte eindeutig – sind nicht feststellbar oder zu erwarten. Der Rückgang der natürlichen Miesmuschelbestände ist überall festzustellen, z.B. auch in Dänemark, wo überhaupt keine Miesmuschelfischerei mehr stattfindet. Die Ursachen sind nicht bekannt, aufgrund der gegebenen Umstände und Untersuchungen ist es eindeutig nicht die Miesmuschelfischerei. Ursache können Nahrungsmangel oder erhöhter Fraßdruck sein. Durch die hier praktizierte Muschelkulturwirtschaft tragen wir zum Schutz und zum Aufwachsen der hier geworbenen Besatzmuscheln, also ihrer Vermehrung, bei und erhöhen zusätzlich die Muschelbestände durch den Import von Besatzmuscheln.   Rösner: Eindeutig zu negativ! Es wird zu viel Fläche in Anspruch genommen: Die Zone 1, also die Kernzone des Nationalparks, wird nicht in Ruhe gelassen und kann sich so nicht natürlich entwickeln. Das Mausergebiet der Brandgänse wird nicht in Ruhe gelassen, obwohl gerade diese Tiere im Sommer, wenn sie dort in großen Mengen flugunfähig leben, völlige Ruhe bräuchten. Man lässt keinerlei Entwicklung von Muschelbänken im wasserbedeckten Teil des Wattenmeeres zu, obwohl die Riffe, die die Miesmuscheln mit ihren Bänken bilden, eigentlich zum Ökosystem Wattenmeer dazu gehören. Und man schleppt gebietsfremde Arten ein. Zur Erinnerung: Auch die massive Ausbreitung der Pazifischen Auster kam ja nicht von selbst, denn diese Art wurde von der Muschelfischerei an Europas Küsten gebracht.
Ich denke, dass auch der massive Rückgang der Miesmuscheln auf dem trockenfallenden Watt – seit 1989 um 90 % – nicht nur natürliche Ursachen hat. Immerhin vermischt man die heimische Population mit Tieren anderer Herkunft und damit auch anderen Anpassungen, man hat möglicherweise neue Muschelparasiten eingeschleppt, man hat die Pazifische Auster als Konkurrent der Miesmuschel hergebracht. Und man lässt kaum noch Miesmuscheln, die sich später vermehren könnten, ihre Riffe in den Prielen bilden.

 

Eckpunktevereinbarung für ein neues Muschelprogramm
  • Der Gezeitenbereich bleibt frei von der Miesmuschelfischerei.
  • Es gibt keine Mengenbeschränkungen.
  • Kulturflächen sollen maximal 2000 Hektar Fläche haben.
  • Zusätzlich sollen 400 Hektar für Besatzmuschelanlagen bereit gestellt werden.
  • Wenn in Zone 2 des Nationalparks keine befischbaren Bestände gefunden werden, können Besatzmuscheln auch in Teilen der Zone 1 gewonnen werden.
  • Der Import von Besatzmuscheln wird im Muschelprogramm geregelt, ab 2017 kommen sie nur noch aus der Nordsee, ab 2022 nur noch aus dem Wattenmeer.

Die Mitglieder der Nationalparkkuratorien erhielten diese Unterlagen zur Miesmuscheldiskussion:

 
 
Der Ring des Falken

© Der Ring des Falken

Dem Wanderfalken in Deutschland geht es wieder gut: in den 1950er Jahre gab es rund 900 Brutpaare in Deutschland, Anfang der 1980er Jahre waren es nur noch 60. Umweltgifte wie das Insektizid DDT waren die Ursache. DDT wurden verboten, die Bestände stiegen wieder an. Heute gibt es rund 1.000 Brutpaare in Deutschland. Seit 1995 brüten sie sogar in unserem Nationalpark. Insgesamt 73 Jungvögel flogen seitdem auf Trischen, Norderoog- und Süderoogsand aus. David Fleet, Ornithologe der Nationalparkverwaltung, beringt sie. Bei der Beringung im Juni auf dem Süderoogsand machte Kollege Martin Stock Fotos der Altvögel, um ihre Ringe abzulesen. Das funktionierte: Links gelb, rechts 5EK. Dieser Falke ist ein Wattvogel: am 17. Mai 2006 wurde das Weibchen auf dem Leuchtfeuer Tossens im niedersächsischen Wattenmeer als Küken beringt.

 
 
Watt Lecker

© Watt Lecker

Mehr als 200 Gäste erlebten bei einer Wattenmeer-Kochshow in der Berliner Landesvertretung, wie lecker Watt sein kann. Der Sylter Sternekoch Johannes King präsentierte kulinarische Wattenmeer-Highlights: Austern mit Salzwiesengräsern, Meeräsche mit Queller und Cremesüppchen von Strandschnecken. Für ihn und fünf weitere Spitzenköche, die den Gästen wattregionale Produkte zubereitet hatten, findet die Saison auf dem Teller statt. Das Wattenmeer sollte nach ihrer Auffassung – soweit es im Einklang mit dem Naturschutz steht – zum Quellgebiet für gastronomische Erlebnisse werden. Die Kochshow bildete den Abschluss einer vierwöchigen Ausstellung zum Weltnaturerbe Wattenmeer, die 1.500 Gäste in der gemeinsamen Landesvertretung von Niedersachsen und Schleswig-Holstein gesehen haben.

 
 
Bücher
 
Hotspot St. Peter-Ording

©Hotspot St. Peter-Ording

Biodiversität ist fast ein Modethema, und kein schlechtes. Ein Hotspot der Artenvielfalt ist die Küstenlandschaft von St. Peter-Ording: 58 Gefäßpflanzen der Roten Liste gedeihen dort, für 5 Arten haben wir eine globale Verantwortung, 3 sind akut vom Aussterben bedroht. Auch für Pilze hat das Gebiet internationale Bedeutung: 1.109 Arten (!) wurden festgestellt, nahezu 500 sind selten oder bedroht. 129 Schmetterlingsarten sind dokumentiert, ebenso Amphibien und Reptilien. Die wirkmächtige Kraft des Meeres und die seit Jahrhunderten anhaltende natürliche Dynamik sind die Ursache der Struktur- und Artenvielfalt. Fachkundig und detailliert beschreiben 10 Autoren die mit Hilfe von vielen Ehrenamtlichen jüngst gewonnenen Erkenntnisse.

Katrin Romahn, Hrsg. (2011): Die Küstenlandschaft von St. Peter-Ording – ein Hotspot der Artenvielfalt, Heft 67 der Arbeitsgemeinschaft Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg, 309 Seiten. Bestellung: .