Januar 2012

Januar 2012

 

Moin. Zu Beginn des Jahres ist die Nationalparkverwaltung gut aufgestellt: mit verschiedenen Tourismusprojekten, Radarblicken aus dem All, neuen und alten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie stählernen Visitenkarten an der Autobahn. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Gut aufgestellt

© Gut aufgestellt

Autofahrern, die nichts ahnend die Hauptverkehrsstrecke zum Wattenmeer befahren, springt nun mitten in der Dithmarscher Marsch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer ins Auge. Neben der A23 von Hamburg nach Heide (zwischen den Ausfahrten Albersdorf und Heide-Süd) und an der B5-Fortsetzung 10 km nördlich (zwischen den Ausfahrten Lunden/Karolinenkoog und Hemme) wurde je ein touristisches Hinweisschild aufgestellt.

Nordfriesen und Dithmarscher, Touristiker und Naturschützer empfinden die UNESCO Auszeichnung als Ritterschlag für die Wattenmeer-Region. Auf den Wert dieser besonderen Landschaft machen die Schilder nun auch diejenigen aufmerksam, die dort aus ganz anderen Gründen unterwegs sind.

Die Schilder sind Teil des Projekts „Aufbau einer flächendeckenden Besucher-Information an der Westküste Schleswig-Holsteins“, das größtenteils durch das Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung finanziert wird. Die Gemeinden Büsum und Tönning hatten hierfür Fördermittel für Dithmarschen und Nordfriesland beantragt. Für die Autobahnbeschilderung, 61 interaktive Info-Säulen sowie für die Einrichtung von Naturpfaden und neue Ausstellungselemente im Multimar Wattforum gibt der Bund rund 750.000 Euro. Das Motiv des Hinweisschildes hat die deutsch-niederländische Arbeitsgruppe zum gemeinsamen Weltnaturerbe entwickelt.

 
 
Tourismus-Projekte

© Tourismus-Projekte

Die Nationalparkverwaltung beteiligt sich an drei neuen Tourismus-Projekten im Wattenmeer:

Vom 15. Oktober 2011 bis 30. Juni 2014 führt das Internationale Wattenmeer Sekretariat in Wilhelmshaven das INTERREG-Projekt PROWAD (Protect and Prosper – Sustainable Tourism in the Wadden Sea) durch. Laut Projektbeschreibung werden dabei Möglichkeiten, Chancen und Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung im dänisch-deutsch-niederländischen Wattenmeer identifiziert, die aus der Weltnaturerbe-Auszeichnung resultieren. Eine konsistente Strategie für nachhaltigen Tourismus wird erarbeitet, wobei die Regionen und die lokalen und regionalen Akteure eingebunden werden. Auf der Basis eines Aktionsplans wird die Umsetzung koordiniert, um die regionale Entwicklung und das Marketing für authentische touristische Produkte von hoher Qualität zu fördern. Hierzu findet am 22. März 2012 in Husum ein regionaler Workshop statt, bei dem Akteure aus Tourismus und Naturschutz ihre Ideen einbringen sollen. Die Gesamtkosten des Projektes betragen 1,35 Millionen Euro, die Hälfte trägt die EU.

Die Rømø-Tønder Turistforening leitet vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2014 das deutsch-dänische INTERREG-Projekt Natur und Tourismus an der deutsch-dänischen Nordseeküste. Darin werden Bekanntheit und Akzeptanz des Nationalparks sowie Erwartungen von Einheimischen und Gästen untersucht, Erlebnisbausteine für touristische Angebote entwickelt und Kommunikations- und Marketingstrategien erarbeitet. All dies in enger Zusammenarbeit von Touristikern und Nationalparkverwaltungen beider Länder und in Abstimmung mit dem Wattenmeersekretariat. Die EU zahlt 2/3 des knapp eine Million Euro teuren Vorhabens.

Professor Hubert Job, Tourismusforscher der Universität Würzburg, leitet von 2011 bis 2013 eine von der Nationalparkverwaltung beauftragte Studie zu den regionalökonomischen Effekten des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer unter besonderer Berücksichtigung des Multimar Wattforums. Er will die Bedeutung des Nationalparks für die Regionalentwicklung aufzeigen, Kooperationspotenziale zwischen Naturschutz und Tourismus herausarbeiten, aber auch deren Grenzen benennen. Dazu werden ab Mai an 12 Küstenorten Gäste befragt. Vergleichbare Untersuchungen hat Job bereits in neun Nationalparks und mehreren anderen Großschutzgebieten in Deutschland durchgeführt.

 
 
Radarblick

© Radarblick

„Für einen Radar-Satelliten ist die Rauhigkeit von Muschelbänken geringer als die von archäologischen Spuren im Watt – damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Jörn Kohlus, Geoinformatiker der Tönninger Nationalparkverwaltung. Zufällig entdeckte er mit seinen Kollegen, dass Bilder, die der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X aus 514 Kilometern Höhe aufgenommen hatte, Wattstrukturen darstellt, die auf Satellitenbildern zuvor nie bemerkt wurden: eine Reihe schnurgerader, paralleler Linien, jeweils einige hundert Meter lang und etwa 30 Meter voneinander entfernt. Die Begehung des nördlich Pellworms liegenden Watts zeigte Gräben und Wege, die bis ins 14. Jahrhundert (im Bild schräge Streifen) und vor dem 17. Jahrhundert (senkrechte Streifen) angelegt worden waren.

Die vor Ort erfolgten Einmessungen wurden als Kreise in das schwarz-weiße Bild des Radarsatelliten (links) und in farbige Luftbilder (rechts) eingearbeitet und zeigen den Umfang der archäologischen Fundstelle. Im Prinzip wären derartige Spuren auch bei Luftbildern aus dem Flugzeug zu erkennen. Die gelingen aber nur tagsüber bei wolkenlosem Himmel und sind teuer. Radarbilder können dagegen bei jedem Niedrigwasser gemacht werden. Spuren, die durch Umlagerungen des Watts zu Tage treten, können sie aktueller zeigen als die meist viele Monate alten Luftbilder.

Austernbänke, die wegen ihrer größeren „Rauhigkeit“ mit dem Radarblick eigentlich gut erkennbar sein müssten, ließen sich allerdings nur im niedersächsischen Wattenmeer ermitteln. Jörn Kohlus und seine Kollegen rätseln noch, warum sie in Schleswig-Holstein bisher nicht diagnostizierbar sind. Eine der Fragen, die sie nach Abschluss des „De Marine“-Projektes (2008 – 2011) nun - zusammen mit Universitäten und Fachfirmen - in einem weiteren Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt klären wollen. Sie hoffen und erwarten, dass sich bald auch unterschiedliche Sediment- und Vegetationstypen aus dem All erkennen lassen. Damit wäre eine kostengünstige, großflächige und gleichzeitige Dokumentation grundlegender Watt-Parameter möglich.

 
 
Personalkarussell

© Personalkarussell

Im Februar hatten die Nationalpark Nachrichten vom Personalkarussell in der Nationalparkverwaltung berichtet. Mit dem Jahresende ist der Dreh vollendet, das Karussell steht wieder am Anfang: Britta Diederichs übernimmt wieder die Fachdatenbank der Nationalparkverwaltung, Vera Knoke wird wieder Nationalparkreferentin im Umweltministerium und Kirsten Boley-Fleet wieder Leiterin des Fachbereichs Schutz- und Entwicklungsplanung. Neuer Leiter des Fachbereiches Kommunikation und Nationalpark-Partner ist Matthias Kundy. Dort gibt es auch eine neue Mitarbeiterin: Anne Segebade übernimmt die Organisation und Durchführung von Seminaren für die Nationalpark-Partner und die Koordination des Besucherinformationssystems.

 
 
Bücher
 
World Ocean Review 2010

World Ocean Review 2010
Damit die Meere der Welt mehr Aufmerksamkeit erhalten, gründete der Hamburger Mare Verlag 2009 die gemeinnützige Stiftung Maribus. 250 Kieler Forscher, die zum Klima- und Ozeanwandel arbeiten und im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ zusammengeschlossen sind, wurden ihr wichtigster Partner. 40 von ihnen haben jetzt den deutschsprachigen World Ocean Review 2010 herausgegeben. Auf 236 Seiten geben sie einen aktuellen Überblick über die Situation der Meere und behandeln u. a. die Effekte des Klimawandels, die Verschmutzung und Überdüngung der Meere, die Überfischung, eingeschleppte Arten, den Weltseeverkehr und die Rechtsordnung der Ozeane.

Als PDF oder gedruckt kostenlos erhältlich unter www.worldoceanreview.com