Februar 2012

Februar 2012

 

Moin. Das Muschelprogramm war lang umstritten (s. Nationalpark Nachrichten 10/2011), nun ist es beschlossen und wird hier beschrieben. Berichtenswert ist auch das bundesweite Partner-Treffen. Und das, was aus einem Kubikmeter Watt herauskommt, wenn ein Fotograf ihn durchleuchtet. Wem das ein wenig dünn erscheint, mag die Ausstellung zur Sturmflut 1962 besuchen – da kam es ganz dicke, Schleswig-Holstein war knapp davongekommen. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Muschelprogramm

© Muschelprogramm

Der Miesmuschelbestand, der im Auftrag der Nationalparkverwaltung regelmäßig im trockenfallenden Watt erfasst wird, ist in den letzten beiden Jahrzehnten außerordentlich stark zurückgegangen. 1989 gab es noch 61.000 t Miesmuschel-Biomasse, danach nahm der Muschelbestand immer weiter ab und lag 2010 nur noch bei gut 6000 t. Auch in den ständig wasserbedeckten Gebieten des Wattenmeeres sind kaum noch Muschelvorkommen zu finden, so dass die Muschelfischer Schwierigkeiten haben, genügend Besatzmuscheln für die Belegung ihrer Kulturen zu fischen. Sie nutzen daher auch andere Verfahren, nämlich die Saatmuschelgewinnung an künstlichen Anlagen und den Import von Besatzmuscheln aus Gebieten wie Irland und England.

In diesem Zusammenhang hatten die Muschelzuchtbetriebe sich Anfang des Jahres 2010 an Landwirtschafts- und Umweltministerin Rumpf mit der Bitte gewandt, das eigentlich noch bis Ende 2016 geltende Muschelfischereiprogramm und die darauf basierenden Verträge vorzeitig zu verlängern, um dringend anstehende Investitionen wirtschaftlich zu ermöglichen. Diese sind nach Auffassung der Muschelfischer notwendig, um Saatmuschelgewinnungsanlagen und spezialisierte Ernteschiffe zu beschaffen. Die Anlagen bestehen aus über 100 m langen, senkrecht an Schwimmkörpern hängenden Netzen. Hier sollen sich Miesmuschellarven ansiedeln und zu Besatzmuscheln entwickeln.

In intensiven Verhandlungen hatte sich das Land im Juli 2011 mit den Muschelfischern auf Eckpunkte einer vorzeitigen Vertrags- und Programmverlängerung verständigt. Danach erfolgte eine Beteiligung der Naturschutz- und Fischereiverbände sowie der beiden Nationalparkkuratorien in Nordfriesland und Dithmarschen. Die Hinweise der Kuratorien wurden ins Muschelprogramm eingearbeitet. Das Landwirtschafts- und Umweltministerium verlängerte am 30.12.2011 das Muschelprogramm bis Ende 2026.

Die wichtigsten Regelungen für die Miesmuschelkulturwirtschaft:

  • Die Anzahl der Lizenzen und damit der Muschelkutter ist wie bisher auf acht begrenzt.
  • Für Miesmuschelkulturen werden wie bisher 2.000 ha und für Saatmuschelgewinnungsanlagen zusätzlich 300 ha, insgesamt also 2.300 ha Fläche, im Nationalpark zur Verfügung gestellt.
  • Der gesamte durch die Tide trockenfallende Bereich bleibt wie bisher für die Fischerei gesperrt, durch Bezug auf die sogenannte LAT-Linie in den Seekarten ist der als trockenfallend definierte Bereich etwas größer als bisher.
  • Die Schutzzone 1 sowie alle hindurchführenden amtlich bezeichneten Fahrwasser werden für die Besatzmuschelgewinnung gesperrt. Im Ausnahmefall (Schutzzone 2 nachweislich ohne Muschelbesatz) dürfen zwei Gebiete in der Schutzzone 1 und die dortigen Fahrwasser für die Besatzmuschelfischerei genutzt werden, wobei in den Fahrwassern nur die Hälfte der Vorkommen abgefischt werden darf.
  • Die Fahrten aller Muschelkutter werden wie bisher durch einen elektronischen Fahrtenschreiber (Blackbox-System) lückenlos überwacht.
  • Anders als ursprünglich vorgesehen wurden in das Muschelprogramm aufgrund einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes vom Dezember 2011 keine detaillierten Regelungen zum Import von Besatzmuscheln aufgenommen. Derzeit ist der Import gerichtlich untersagt. Die Begründung des Urteils bleibt abzuwarten.

Für die Austernwirtschaft gelten im Wesentlichen die bisherigen Regeln weiter:

  • Für den Austernzuchtbetrieb im Nationalpark werden bis zu 30 ha im trockenfallenden Bereich zur Verfügung gestellt.
  • Das Sammeln von Wildaustern ist wie bisher nur mit der Hand im betretungsfreien Bereich der Schutzzone 2 auf maximal 1 % der Fläche zulässig. Für das Besatzausternsammeln wird eine Lizenz und für das Konsumausternsammeln werden sieben Lizenzen vergeben.
  • Importe sind unter Auflagen möglich.

Die Trogmuschelfischerei wurde aufgrund des kältebedingten Bestandszusammenbruchs im Extremwinter 1995/96 und der danach ausbleibenden Erholung der Trogmuschelbestände eingestellt. Das neue Programm sieht vor, dass auch bei einer zukünftigen Neuentwicklung des Bestandes nach 2016 keine Erlaubnisse mehr ausgegeben werden.

 
 
Partner-Treff

© Partner-Treff

Unter dem Dach von EUROPARC Deutschland, dem Dachverband der Nationalen Naturlandschaften, gibt es inzwischen in 16 Schutzgebieten 550 Partnerbetriebe (davon 124 in Schleswig-Holstein). 70 Verantwortliche aus den Bereichen Tourismus und Naturschutz tauschten im Nationalpark Kellerwald-Edersee ihre langjährigen Erfahrungen aus und diskutierten die Themen „Touristische Trends und biologische Vielfalt“, „Servicequalität“ sowie „Innovative Marketingstrategien“. Dabei erklärte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz: „Die Partner-Initiativen zeigen eindrucksvoll, wie sich naturverträglicher und nachhaltiger Tourismus mit dem Erhalt der biologischen Vielfalt in Einklang bringen lässt. Von der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Tourismus profitieren sowohl die Schutzgebiete als auch der Gast und letztendlich die Natur, die es zu schützen gilt. Die Partnerbetriebe tragen wesentlich zu einer besseren Gästeinformation und -sensibilisierung bei.“ Das Treffen gab viele Anregungen für eine Weiterentwicklung der bestehenden Partner-Initiativen. Die wichtigsten Ergebnisse der Tagung werden bis Ende Februar unter www.biologischevielfalt.de eingestellt.

 
 
1m³ - Watt

© 1m³ - Watt

In jedem Quadratmeter Watt leben viele Millionen Tiere. Selbst der tropische Regenwald hat weniger lebende Substanz als das Wattenmeer. Aber wie zeigt man das? Der Fotograf Christian Diehl hat seinen Weg gefunden: Wie ein Maulwurf gräbt er sich durch Erde. Nicht irgendwelche Erde, sondern einen Kubikmeter Acker, Wald, Halde - und jetzt Watt. Er zerlegt einen Block von einem Kubikmeter Watt komplett in seine Bestandteile. Welche Pflanzen und Pflanzenteile, welche Lebewesen, welche Gesteinsbrocken und welche anderen Details sind dort verborgen? Diehl inszeniert mit seiner Kamera eine komplette Durchleuchtung des Fotogegenstandes. Nach den Prinzipien einer sachlichen Fotografie findet eine Art wissenschaftliche Dokumentation mit künstlerischen Obertönen statt. Sie beleuchtet und streift dabei Nachbargebiete wie Geologie, Botanik und Zoologie. Jede der Fotografien ist nicht nur Fragmentbild, sondern gleichzeitig ein herausgehobenes Einzelstück mit allen ästhetischen Aspekten.

Die Arbeit ist ein Ergebnis des im September beendeten Sylt Stipendiums für zeitgenössische Fotografie 2011. Zu sehen vom 28. Januar bis 1. April im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte, später in Berlin und an anderen Orten.