April 2012

April 2012

 

Moin. Ist Müll, der unsichtbar klein ist, eigentlich Müll? Oder ein Problem? Auf Helgoland wird es untersucht. In Westerhever sind Hunderte Schutzgebietsschilder gut aufgestellt. Und auf Amrum zwei Dünenwege, die vom Leerpfad zum Lehrpfad wurden. Durch Geschichten am Wegesrand. Wie besondere Geschichten besonderen Menschen erzählt werden, hat sich das Multimar ausgedacht. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Mikromüll

© Mikromüll

Dr. Gunnar Gerdts (52) arbeitet als Mikrobiologe an der Biologischen Anstalt Helgoland, einer Außenstelle des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. In einem Studentenpraktikum untersuchte er, ob Plastik im Meer überhaupt abbaubar ist – und näherte sich so dem Thema Mikromüll.

„Jeder hat ja schon einmal vom Müllstrudel im Pazifik gehört, jeder kennt die Fotos von den verendeten Vögeln, die Müll gefressen haben, ihn nicht ausscheiden können und verhungern. Der augenfällige Müll in den Meeren ist weltweit und auch in der Nordsee relativ gut untersucht. Ist der Müll so groß, dass man ihn absammeln oder mit der Pinzette anfassen kann, kann man ihn gut quantifizieren. Wie viel Müll von welcher Größenklasse im Meer ist, weiß aber niemand.

Ein besonders langlebiger Anteil des Mülls ist Plastik. Das wird in der Natur kaum biologisch abgebaut, sondern nur durch ultraviolette Strahlung oder mechanisch. Dadurch fragmentiert es immer weiter. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es winzigen Plastikmüll im Meer gibt, der teilweise nur 3 Mikrometer groß ist, dass ist der 300ste Teil des Durchmessers eines Haares: Müll in mikroskopisch kleinen Fasern.

Da wir als Mikrobiologen auch Nahrungsnetze untersuchen, fragen wir uns, wie marine Nahrungsnetze auf Plastik-Mikromüll reagieren. Die Datenlage hierzu sowie zum Vorkommen von Mikroplastik im Meer ist äußerst dünn. Deswegen haben wir auf Helgoland begonnen, diese Thematik zu bearbeiten.

Wir wissen, dass Plastikpartikel, die durch die Meere treiben, auf ihrer Oberfläche viele Schadstoffe anreichern können. Werden die Plastikteilchen von einem Organismus aufgenommen, können die Schadstoffe in den Organismus gelangen. Bei filtrierenden Muscheln wurde nachgewiesen, dass Mikroplastik in die Blutbahn und ins Gewebe gelangte und Zellschädigungen verursachte. Allerdings wurden entsprechende Versuche mit Modellsystemen durchgeführt und wir wissen nicht, ob die Größe und Menge des experimentell eingesetzten Mikromülls realistisch ist. Es gibt keine verlässlichen Daten über die ökologischen Effekte des Mikromülls.

Mittlerweile gibt es weitere beunruhigende Erkenntnisse: Ein Teil des Mikroplastiks stammt aus Kläranlagen. In England wurde kürzlich festgestellt, dass Fleecepullover bei jeder Wäsche enorme Mengen an Mikroplastik abgeben, die mittlerweile in der Nordsee nachweisbar sind.

Das Umweltbundesamt und das Bundesforschungsministerium haben erkannt, dass dringender Forschungsbedarf besteht. Auf Helgoland untersuchen wir dies daher seit einem Jahr. Das Forschungsministerium hat uns ein Analysegerät (FTIR Chemical Imaging System) finanziert, mit dem wir auch kleinste Mikroplastikpartikel identifizieren und quantifizieren können. Wir hoffen, dadurch erstmals belastbare Daten über Plastik-Mikromüll im freien Wasser, im Plankton und in den Sedimenten zu bekommen.

Im Meeresschutz gibt es wenig Bereiche, wo wir noch so sehr am Anfang stehen wie beim Mikromüll. Deshalb wird dieses Thema bei der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie künftig an Bedeutung zunehmen."

 
 
Gut aufgestellt

© Gut aufgestellt

Der größte Teil des Nationalparks ist für Besucher zugänglich. Wo es erforderlich ist, weisen Schilder oder Informationstafeln aber auf Bereiche hin, die aus Naturschutzgründen gesperrt sind. Im Watt und auf flachen Stränden überstehen Schilder oft kaum einen Winter, gegen Eisgang haben sie keine Chance. Die Ranger der Nationalparkverwaltung, weitere Mitarbeiter des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, Mitarbeiter der betreuenden Naturschutzvereine oder auch Junior Ranger stellen daher alljährlich im Frühjahr Hunderte Pfähle auf, deren Schilder auf ein „Brut- und Rastgebiet“, nicht zu betretende Dünen oder andere lokale Schutzareale hinweisen. Mancherorts läuft kilometerweit ein orangefarbenes Koppelband von Pfahl zu Pfahl und steigert drastisch die Wirkung der kleinen Schildchen. Oftmals nützen sie auch dem Menschen, der so von tiefen oder gefährlichen Prielen ferngehalten wird.

 
 
Kein Leerpfad

© Kein Leerpfad

Aus der Ferne wirkt der Bohlenweg in den Amrumer Dünen ziemlich leer. Wer drauf steht, ist beim Lehrpfad. Jeweils 14 Stationen bilden die beiden neuen Dünen-Lehrpfade in Norddorf und Wittdün. Man lernt seltene Pflanzen und Brutvögel der Dünen kennen, die Entstehung der Dünen und ihren Lebensweg – und dass Dünentypen keine Menschen sind. Ergänzt werden die Lehrpfade um eine Weltnaturerbe-Infosäule am Infozentrum in Norddorf. Die Nationalparkverwaltung und die Naturschutzvereine Öömrang Ferian und Schutzstation Wattenmeer entwickelten die Lehrpfade gemeinsam und stimmten sie mit den Gemeinden ab. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung finanzierte den Großteil des Projektes aus seinem Welterbestätten-Programm.

 
 
Besonders

© Besonders

Manche Menschen stellen besondere Anforderungen, beispielsweise körperlich und geistig Behinderte. Das Multimar Wattforum bietet ihnen etwas Neues, die „Besondere Exkursion“. Bei einem geführten Rundgang mit speziell geschulten Ausstellungsbetreuern werden ihnen 1 ½ Stunden lang nicht Fakten, Fakten, Fakten, sondern vor allem Sinneserfahrungen vermittelt. Es wird gesucht und gefühlt, getastet, gerochen und geschmeckt. In der Sandschatzkiste graben sie nach Muscheln, in der Fühlkiste ertasten sie Treibgut. Das Riechmemory fordert nur einen Sinn, den aber voll. Wie sonst sollen Strandwermut, Meersand und Seetang unterschieden, erinnert und zugeordnet werden? Das beliebte Brandungsbecken hat einen kleinen Bruder bekommen, ein Brandungsbeckchen. Auch Rollstuhlfahrer können Grünalge, Seestern und Strandkrabbe damit nun hautnah erleben und sie auf ihrem Schoß betrachten und befühlen. Wer möchte, kann beim Rundgang Themenbögen bearbeiten, die für verschiedene Altersstufen ausgegeben werden.

Marén Bökamp vom Multimar Wattforum, Katrin Unseld, die letztjährige Praktikantin für die Umwelt, und die Heilpädagogin Katrin Rudolph vom Mars-Skipper-Hof in Kotzenbüll haben das neue Angebot nach den Kriterien der Bildung für nachhaltige Entwicklung entwickelt. Interessierte Gruppen ab 10 Personen sollten sich unter 04861 96200 anmelden. Die Besondere Exkursion kostet – inklusive Multimar Eintritt – 4,50 € für Kinder und Jugendliche und 7,50 € für Erwachsene. Begleitpersonen sind kostenfrei.

 
 
Bücher
 
Havbund møder horisont

©Havbund møder horisont

Mere end 20.000 danskere rejser hvert år til Slesvig-Holstens Vesterhavskysten, overnattende gæster og lige så endagsbesøgende. Slesvig-Holstens Vadehavet Nationalpark kann du ikke kun oplever mellem den danske grænse og Elben, du kan selv tage den i hånden. Nationalpark ledelsen i Tönning uddeler 6000 gratis brochurer ”Havbund møder horisont”, som beskriver den Nationalpark på 16 sider. Du kan finde dem i mange Turistbureauer eller de kan rekvireres fra Nationalpark ledelsen i Tönning: Telefon 0049 4861 96200, E-Mail:

Nichts verstanden? Macht nichts: die neue dänische Nationalparkbroschüre richtet sich an Dänemarks dänische Mehrheit.