September 2012

September 2012

 

Moin. Die Energiewende ist im Nationalpark angekommen: Die CO2-Endlagerung im Meeresboden oder der Lärm beim Bau von Offshore Windkraftanlagen sorgt Umweltschützer und Umweltminister. Seltene Pflanzen wurden entdeckt und auch ein ungewöhnlich großer Zwerg. Das Watt ist Fahrtziel und alle finden es gut. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Kein CO2-Endlager

© Kein CO2-Endlager

Mit der CCS Technik (Carbon Capture and Storage) soll Kohlendioxid (CO2) vor allem aus den Abgasen von Kohlekraftwerken extrahiert, in unterirdischen Gesteinsformationen endgelagert und so Klima-unschädlich gemacht werden. Wegen der mangelnden Akzeptanz für die CO2-Verpressung an Land rückte die Offshore-Lagerung in den Blickpunkt. Außerhalb der 12-Meilen-Zone hat der Bund die Entscheidungshoheit, und etwa 100 Kilometer westlich der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gibt es scheinbar geeignete Gesteinsformationen. Der Chemiker Dr. Reinhard Knof (48) ist Sprecher der 2009 in Nordfriesland gegründeten, mittlerweile landesweit aktiven Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager. Mit Sorge blickt er auf das Watt und engagiert sich für eine Energiewende ohne CO2-Endlagerung.

„Kohlendioxid ist ein Gas, das natürlicherweise in unserer Atmosphäre in einem Anteil von 0,04 Prozent vorkommt. Wir brauchen es sogar zum Leben, denn alle Pflanzen sind auf CO2 angewiesen, um ihre organische Substanz aufzubauen. Tritt das geruchlose Gas aber infolge eines Unfalls in einer Konzentration von über 8 Prozent auf, ist es für den Menschen tödlich. Die Endlagerung von Kohlendioxid ist eine hochriskante Technik für Natur und Mensch.

Das Risiko für die Bevölkerung liegt nicht erst im unkontrollierten Austritt auf hoher See. Es fängt dort an, wo das CO2 abgeschieden wird: an Land. Abscheideanlagen würden direkt neben den Kohlekraftwerken stehen und eine vergleichbare Größe haben. Chemikalien, die dort in sehr großen Mengen erforderlich wären, würden über viele Zyklen immer wieder erhitzt und gekühlt. Neben dem CO2 würden Stickoxide, Salzsäure, Schwefeloxide, Schwermetalle und ähnliches anfallen. Nach mehreren Zyklen würde ein wildes Gemisch unterschiedlicher Chemikalien entstehen. Bei einer Leckage hätte man aber nicht nur diese Stoffe, sondern vielleicht 10.000 Tonnen CO2 am Ort, so dass schon dies eine erhebliche Gefahr für die lokale Bevölkerung wäre.

Dann müsste dieses CO2 transportiert werden. Da gibt es zwei Möglichkeiten. Eine ist das angedachte CO2-Pipeline-Netz von 25.000 km in Europa. In den USA gibt es 2.500 km CO2 Pipelines. In 20 Jahren kam es dort zu 12 Leckagen. Hochgerechnet wären das jährlich 6 Leckagen, die wir in Europa zu erwarten hätten. Die Alternative wären Schiffe, die jeweils etwa 40.000 Tonnen CO2 befördern könnten, das auf -55 Grad Celsius gekühlt und 6 ½ bar Druck gebracht wurde. Das wäre durch den Hamburger Hafen, die Elbe runter und in die Nordsee zu bringen. Da in Europa jährlich rund eine Milliarde Tonnen CO2 zu verpressen wären, käme man auf etwa 25.000 Schiffsladungen. Da es in der Schifffahrt regelmäßig zu Havarien kommt, wären entsprechende Unfälle - besonders auf unseren engen Schifffahrtsstraßen - geradezu zu erwarten.  

Dann käme man in die Nordsee. Dort gibt es bereits zwei große norwegische  Endlager-Projekte. In Snøhvit, auf der Höhe des Nordkaps, musste die CO2-Einpressung vor Kurzem eingestellt werden, weil der Druck in dieser Endlagerstätte so stark angestiegen war, dass das Deckgebirge zu bersten drohte. In dem anderen Endlager, in der Sleipner Formation zwischen Südnorwegen und Schottland, ist ein Viertel des in den vergangenen zehn Jahren eingepressten CO2 nicht mehr auffindbar. Keiner weiß, ob es wieder ausgetreten ist oder sich woanders hinbewegt hat. Das Monitoring von CO2-Endlagern steckt noch in den Kinderschuhen. Man kann allenfalls sehr große Leckagen feststellen. Es gibt auch bis heute keinen säurefesten Bohrlochzement, es besteht also nicht die Möglichkeit, diese Speicher nach Abschluss der Verpressung dauerhaft abzudichten.

Das zentrale ökologische Problem bei der CO2-Verpressung hängt nicht mit möglichen Unfällen zusammen, sondern würde zwangsläufig schon im Normalbetrieb entstehen: Der Sandstein, in den das CO2 eingepresst wird, hat viele Poren, die mit hochsalzigem Wasser gefüllt sind, dem so genannten Formationswasser. Da Wasser nicht komprimierbar ist, würde bei einer Menge von einer Millionen Kubikmeter verpresstes CO2 dieselbe Menge Formationswässer aus den mindestens 800 Meter tiefen Sandsteinschichten herausgedrückt werden und an den offenen Rändern der Deckgebirge oder der Salzhorizonte am Meeresboden austreten. Dieses Formationswasser enthält sehr viele Salze und von Natur aus toxische und radioaktive Stoffe, wie Schwermetalle, aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe. Normalerweise enthält es auch Schwefelwasserstoff und ist sauerstofffrei. Da es schwerer ist als das Meerwasser, würde eine Todeszone am Meeresboden entstehen, mit verheerenden Auswirkungen auf das Ökosystem, auf die Fischerei und damit letzten Endes auch auf die Menschen, die davon leben. Da das Wattenmeer in enger Wechselwirkung zur Nordsee steht, wäre es natürlich auch betroffen.

Bei kleinsten Leckagen im Untergrund würde zudem CO2 mit Salzsäure, mit Schwefelsäure, Salpetersäure und anderen Stoffen austreten. Durch diese Säurebildner wird das Wasser schwerer, bleibt in Bodennähe und hätte ebenfalls die beschriebenen Effekte. 

Bei der CCS-Technik ist auch zu bedenken, dass die CO2-Abscheidung sehr energieintensiv ist. Die Energieeffizienz der Kohlekraftwerke würde um rund 30 Prozent sinken. Selbst wenn man dies akzeptieren würde, niemals Leckagen und keine ökologischen Belastungen eintreten würden, könnten wir damit maximal 1 – 2 Prozent der weltweiten CO2-Produktion in den Griff bekommen. Pro Abscheideanlage würde dies rund eine Milliarde Euro kosten, in Europa käme man auf eine Größenordnung von einer Billionen Euro für Bau und Betrieb der CCS-Technik für die geplanten 240 neuen Kohlekraftwerke. Gelder, die aus anderen Projekten, insbesondere aus dem Umstieg in regenerative Energieerzeugung, herausgezogen würden. CCS ist also keine Technik, die die erneuerbaren Energien ergänzt. Sie ist eine direkte Konkurrenz zu den erneuerbaren Energien.

In Schleswig-Holstein lehnen alle Parteien die CCS-Technik ab. Bundestag und Bundesrat haben aber im Juni ein Gesetz durchgewunken, das eine CO2-Verpressung in großen Demonstrationsprojekten erlaubt, beispielsweise in der Nordsee. Die Bundesregierung muss begreifen, dass sie sich da auf einem Irrweg befindet. Die Energiewende kann nicht gelingen, wenn viel Geld in eine Technik gesteckt wird, die selbst das industrienahe Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung als „tote Technologie“ bezeichnet, die für den Menschen hochriskant und für die Natur schon im Normalbetrieb tödlich wäre.“

 
 
Durchblick

© Durchblick

Beim Schweinswal blickt Bundesumweltminister Peter Altmaier voll durch: Auf seiner Sommerreise besuchte er die Seehundstation in Friedrichskoog und informierte sich mit Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck über Seehunde, Wattenmeerschutz und Windenergie. Dabei ging es auch um den Schweinswal, denn sein Gehör kann durch die Rammschläge beim Bau der Fundamente von Offshore Windkraftanlagen leicht geschädigt werden. Altmaier erklärte, dass der Lärmschutz ein wichtiger Gesichtspunkt beim Ausbau der Windenergie sei und sein Ministerium entsprechende Initiativen ergreifen werde. Das vom WWF überreichte Schweinswalmodell wolle er deshalb in seinem Dienstzimmer aufstellen. Er kündigte außerdem an, sich mit seinen Länderkollegen noch in diesem Jahr zum Thema Wattenmeerschutz zu treffen. Spätestens dann hätte er wieder eine perfekte Gelegenheit, die Nationalpark-Krawatte zu tragen, die ihm Nationalparkleiter Detlef Hansen neben allem Inhaltlichen mit auf den Weg gab.

 
 
Antritt

© Antritt

Wer neu ist, schaut sich zunächst alles genau an. Am besten direkt vor Ort. Umweltminister Robert Habeck (2. von links) besuchte „seine“ Nationalparkverwaltung und das Multimar Wattforum in Tönning und informierte sich bei Nationalparkchef Detlef Hansen und den Fachbereichsleitern (Klaus Koßmagk-Stephan, Gerd Meurs, Matthias Kundy und Kirsten Boley-Fleet) über aktuelle Themen.

Ministerpräsident Torsten Albig erlebte den Nationalpark auf Hallig Hooge. Nach dem Besuch des Wattenmeerhauses der Schutzstation Wattenmeer erklärte er bei einer Bürgerversammlung, dass die Halligen eine Bedeutung für die Authentizität, den Heimatbegriff und das Selbstverständnis des Landes hätten, die weit über ihre Flächengröße hinausreichen würde. Die Zukunft der Halligen sei gewollt. Er würdigte die Entscheidung der Halligen, Teil der Biosphäre zu sein, sowie die von den Halligleuten entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie.

 
 
Museumsstück

© Museumsstück

Hägglunds heißt das wattgängige Kettenfahrzeug des LKN, das nicht nur Öl, sondern auch Wale bergen kann. Am 7. August kam es bei Sylt zum Einsatz, wo 500 Meter nördlich vom Hindenburgdamm ein Wal mittlerer Größe im Watt entdeckt wurde.

„Ungewöhnlich an der Bergung war vor allem, dass sie sehr schnell vonstatten ging“, so Dr. Thomas Borchardt, Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung. „Immer wenn größere Wale stranden, geht es zunächst darum, wer den Wal und damit auch die für die Bergung anfallenden Kosten übernehmen will oder muss. Diese liegen bei Kleinwalen bei wenigen Euro, können aber bei Großwalen den fünfstelligen Bereich überschreiten. Im Idealfall findet man ein Museum, das für die Bergung aufkommt und im Gegenzug das Skelett des Tieres zu Ausstellungszwecken verwendet.“

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Bartenwal in der Ausstellung fehlt, um den Besuchern die unterschiedlichen Fressmethoden von Zahn- und Bartenwalen zu vermitteln“, erklärt Dr. Gerd Meurs, Leiter des Mulimar Wattforums in Tönning. „Deshalb habe ich zugesagt, den gestrandeten Wal zu übernehmen.“ Die Bergung konnte somit zügig vonstatten gehen und der Kadaver in einem guten Zustand ans Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum geliefert werden. Zunächst war noch unklar, ob das gut 6 Meter lange Tier ein Finnwal-Junges oder ein Zwergwal war, wodurch die ersten Berichterstattungen etwas widersprüchlich ausfielen. Die beiden Bartenwal-Arten ähneln sich stark, Finnwale können jedoch mit bis zu 20 Metern gut doppelt so lang wie Zwergwale werden. Mittlerweile steht fest, dass es sich um ein etwa zwei Tonnen schweres Zwergwal-Weibchen handelt. Laborergebnisse liegen noch nicht vor, allerdings fiel nach Angaben von ITAW-Leiterin Prof. Dr. Ursula Siebert bei der Obduktion auf, dass der Wal recht mager war, relativ viele Darmparasiten enthielt und kaum Nahrung im Magen-Darmtrakt zu finden war. Das Tier ist also möglicherweise durch Nahrungsmangel umgekommen.

Das Skelett des Säugers soll nun von einem Präparator freigelegt und für die Ausstellung hergerichtet werden. Wenn alles gut läuft, wird der Wal um Ostern im Multimar Wattforum zu sehen sein und zur anschaulichen Aufklärung über die Unterschiede zwischen Zahn- und Bartenwalen beitragen.
(Raphaela Betz)

 
 
Nationalpark?

© Nationalpark?

„Alles im grünen Bereich“, könnte man sagen, betrachtet man den SÖM-Watt-Bericht für 2012. SÖM  bedeutet sozioökonomisches Monitoring und bestätigt auch dieses Jahr wieder, dass die Schleswig-Holsteiner dem Nationalpark ausgesprochen positiv gegenüber stehen. Per Telefon wurden zahlreiche Anwohner unter anderem dazu gefragt, wie sie sich entscheiden würden, sollten sie kommenden Sonntag über den Fortbestand des Nationalparks abstimmen. Dabei entschieden sich 2011 rund 82 Prozent der Befragten in Dithmarschen und Nordfriesland ohne Bedingungen dafür.

Kritisch sehen die Befragten, die eine Bedingung stellen würden, die Auswirkungen auf die Fischerei und die persönliche Freiheit. Ein häufiger Wunsch war auch „Mensch und Natur im Einklang“ zu sehen. Das Konzept des Biosphärenreservats, welches genau dieses Ziel verfolgt, ist hingegen nur 52 Prozent der befragten Westküstenbewohner ein Begriff, und die Inhalte werden häufig mit denen der Schutzkategorie 'Nationalpark' vermischt.

Allerdings gab es mit rund einer Million Besuchern in 2011 einen enormen Zulauf bei diversen Informationseinrichtungen wie Nationalparkhäusern, Ausstellungen der Naturschutzverbände, Erlebniszentren und bei Wattführungen. Das Bewusstsein und Interesse an den Themen des Nationalparks ist nach wie vor hoch.

Das SÖM Watt besteht zu einem Hauptteil aus repräsentativen Telefonumfragen unter rund 600 Einwohnern Dithmarschens und Nordfrieslands, seit 2006 kam als Vergleichskreis Rendsburg-Eckernförde mit 300 Befragten hinzu. Außerdem werden seit 2007 weitere 300 Bürger aus dem übrigen Schleswig-Holstein einbezogen.

Wer es noch genauer wissen will, findet hier eine leserfreundliche Version des Berichts als PDF.
(Jule Olbricht)

 
 
Isolepis fluitans

© Isolepis fluitans

Bei diesem Namen klingelt es nur bei eingefleischten Pflanzenkennern in den Ohren. Beim Gros der Wattenmeerliebhaber wird diese Überschrift vermutlich nur ein fragendes Gesicht hinterlassen.

Worum geht es? Isolepis fluitans, die Flutende Moorbinse, ist eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart der feuchten Dünentäler, die in diesem Sommer in den Salzwiesen und Dünen des Wattenmeeres aufgefunden wurde. Aber nicht nur diese, zugegebenermaßen sehr unscheinbare Pflanzenart, sondern auch drei weitere, vom Aussterben bedrohte Arten wurden wieder entdeckt oder ihr Vorkommen konnte bestätigt werden. Dazu zählen die Sumpf-Weichwurz (Hammarbya paludosa), eine Orchideenart, die in den feuchten Dünentälern von Sylt und Amrum gefunden wurde sowie der Zwerglein (Radiola linoides) und die Zwergbinse (Juncus pygmaeus), beides Winzlinge der Pflanzenwelt, die am Grünen Strand sowie in Dünentälchen von Amrum erfasst werden konnten. Die Arten besiedeln nährstoffarme Torfmoos-Schwingdecken, den nackten Sand der Dünentälchen oder die wechselfeuchten sandigen und nährstoffarmen Salzwiesen im Vorstrandbereich der Inseln. Alle Arten werden in der Roten Liste der Blütenpflanzen Schleswig-Holsteins als vom Aussterben bedroht eingestuft und sind daher besonders geschützt. Die Sumpf-Weichwurz ist überdies durch das Washingtoner Artenschutzabkommen besonders geschützt.

Auf den Inseln Föhr und Sylt konnten zusätzlich die stark gefährdete Stielfrüchtige Melde (Atriplex pedunculata) und auf den Inseln und Halligen sowie am Festland die Rauhaarige Dornmelde (Bassia hirsuta) in den Salzwiesen kartiert werden.

Diese botanischen Seltenheiten sind im Rahmen der erstmals flächendeckenden Kartierung der Dünen und Salzwiesen an der schleswig-holsteinischen Westküste beobachtet worden. Gefunden wurden diese Kleinode der Pflanzenwelt von Dr. Gisela Bertram, Dr. Manfred Haacks und Nicole Janinhoff von der Firma LEGUAN aus Hamburg, die im Auftrag der Nationalparkverwaltung in diesem Jahr diese Erfassungen entsprechend einem wattenmeerweit standardisierten Erfassungsprogramm durchführen.
(Martin Stock)

 
 
Fahrtziel Watt

© Fahrtziel Watt

Dass öffentliche Verkehrsmittel ein Plus für die Umwelt sind, ist ja nun nichts Neues. Die Deutsche Bahn vermochte aber noch eins drauf zu setzen und rief bereits 2001, gemeinsam mit BUND, NABU, VCD und WWF eine Kooperation genannt "Fahrtziel Natur" ins Leben. Unter dieser Marke kreiert und vertreibt Tochterkonzern Ameropa klimafreundliche Zugreisen in die 18 teilnehmenden Naturlandschaften Deutschlands.

Als Weltnaturerbe erfreut sich das Wattenmeer dabei besonderer Beliebtheit. Um dies angemessen zu würdigen, wurde nun ein Projekt im Projekt von "Fahrtziel Natur" und den einschlägigen Tourismusorganisationen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins geschaffen. In dessen Rahmen wurde die Wattenmeerregion mit  acht Seiten Sonderbeilage in der Zeitschrift DBmobil bedacht. Dort kommt die „überragende Naturerscheinung“ persönlich zu Wort und schwärmt in Ich-Form von ihrer weitläufigen Schönheit.

Wer da Lust auf Meer bekommt, braucht sich nur noch die passende Pauschalreise auszusuchen, zum Beispiel zwei Nächte Pellworm inklusive Deichwanderung und Fährfahrt nach Nordstrand.

Zusätzlich gibt es ein buntes Spektrum an Spezialangeboten vor Ort; Ostfriesland macht seine Besucher mit dem „Urlaubsbus für’n Euro“ noch mobiler und die Nationalpark-Partner trumpfen von Leuchtturmerkundung über Multimar-Besuch bis Krabbenpulen mit allem auf, was das Urlauberherz höher schlagen lässt. BahnCard-Besitzer bekommen bei einer Reise im September sogar eine Wattwanderung mit einem zertifizierten Nationalpark-Wattführer gratis.

Zwei Jahre soll das Sonderprojekt laufen und das umweltfreundliche Reisen ans Wattenmeer unterstützen. Bei Preisen ab 165 Euro profitieren Reisende und Region gleichermaßen. In diesem Sinne: „Thank you for traveling with Deutsche Bahn.“
(Jule Olbricht)

 
 
Kommen und gehen

© Kommen und gehen

Über das Watt wisse sie noch nicht viel, aber das solle sich ändern. Vor wenigen Wochen kam Barbara Sötje in die Nationalparkverwaltung. Ihre drei Jungs sind so groß, dass Mama wieder arbeiten kann. Bis vor 5 Jahren hatte die Verwaltungsfachangestellte in Heide gearbeitet, die LKN-Betriebsstätte dort wurde zwischenzeitlich aber geschlossen. Nun also Tönning. Der Bereich Planung, Service und Organisation bleibt, die Vertretung im Sekretariat und in der Telefonzentrale kommen hinzu. Hier schon mal das Gesicht zur freundlichen Stimme.

In den Ruhestand ging Josi Hamann. Der gelernte Landwirt und Landwirtschaftslehrer arbeitete zunächst in der Landwirtschaftsschule Bredstedt. 1997 kam Josi ins Nationalparkamt. Bald übernahm er Aufgaben in der Umweltbildung. Die „Wanderwerkstatt Vögel im Wattenmeer“ war seine große Sache. Er konzipierte sie und setzte sie nicht nur in die Wirklichkeit um, sondern dann auch von Schule zu Schule. Beispielsweise mit einem Ranger in den 4. Stock einer Kieler Schule. 1,5 Tonnen ohne Fahrstuhl, das physische Highlight seines Berufslebens. Schüler von weit über 100 Schulen erlebten das Wattenmeer so in ihrem Klassenzimmer und zeigten sich darüber begeistert. Mit seiner Partnerin und „Frau Bürstner“ (seinem Wohnmobil) erkundet er nun Deutschland – und gewöhnt sich so allmählich an den Ruhestand.

 
 
Bücher
 
Monitoringberichte

©Monitoringberichte

Der Offshorebereich der deutschen Nordsee beheimatet zahlreiche Seevogelarten. Diese werden regelmäßig gezählt. Dabei ergab sich, dass sich deutlich weniger Trauerenten als noch vor einigen Jahren finden, außerdem etwas weniger Seetaucher. Sehr gering nur ist das Vorkommen von Zwergmöwen. Stark vertreten sind dagegen die beiden nahe verwandten Arten Trottellumme und Tordalk. Diese und weitere Ergebnisse, die von Wissenschaftlern vom Schiff und vom Flugzeug aus ermittelt wurden, beschreibt der Monitoringbericht 2010-2011 zu Seevögeln in Nord- und Ostsee.

Auch die einzige heimische Walart, der Schweinswal, wird genau beobachtet. Die flugzeuggestütze Erfassung erfolgte mehrfach von Mai 2010 bis August 2011 in der deutschen Nordsee und der westlichen Ostsee. Selbst die Tiere im mitten in der Nordsee liegenden Doggerbank-Gebiet konnten erfasst und analysiert werden. Den Ergebnissen zufolge weisen das Walschutzgebiet des Nationalparks und das seewärts unmittelbar angrenzende Schutzgebiet Sylter Außenriff nach wie vor die höchsten Schweinswaldichten in der deutschen Nordsee auf. Auch sind in diesem Bereich weiterhin am häufigsten Mutter-Kalb-Gruppen anzutreffen.

Beide Berichte sind frisch erschienen und wurden im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erstellt. Das BfN ist seit 2012 für das Monitoring von Seevögeln und Schweinswalen zuständig, während die Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen Seehunde und Kegelrobben sowie die Wattenmeervögel erfassen. Somit werden zuständigkeitenübergreifend alle Vögel und Säuger der Nordsee gesichtet. Die Daten bilden gemeinsam die Grundlage zu den deutschen Berichtspflichten gegenüber der EU nach den Natura 2000-Richtlinien und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Beide Berichte finden Sie hier.

(Raphaela Betz und Kai Eskildsen)

Multilingual

©Multilingual

Weniger wissenschaftlich, aber dennoch sehr informativ präsentiert sich das neue Wattenmeer-Poster des WWF. Die liebevoll gestalteten und detailreichen Zeichnungen bringen dem Betrachter die Wattbewohner in ihrer Umgebung näher. Die Namen der Tiere sind jeweils viersprachig angegeben (englisch, niederländisch, dänisch, deutsch), ebenso der Aufruf „Entdecke und schütze die Vielfalt im Weltnaturerbe und Nationalpark“. Das Poster ist also nicht nur für Kinder geeignet, sondern unterstützt auch alle, die ihre Fremdsprachenkenntnisse um einige Fachwörter erweitern möchten, zum Beispiel mit: Halligfliederspitzmausrüsselkäfer – Sea lavender weevil – Lamsoorsnuitkeever – Hindebægersnudebille.

Das Poster gibt’s kostenlos in den Nationalpark Infozentren oder gegen 5 Euro Porto- und Verpackungskosten bei idee&konzept. LehrerInnen erhalten für die Vorbereitung von Klassenfahrten oder den wattenmeerkundlichen Unterricht kostenlose Einzelexemplare beim WWF Wattenmeerbüro.
(Raphaela Betz)