Juni 2013

Juni 2013
 

Moin. Bewegung und Bewegendes am und im Wattenmeer: Auf Süderoog wechseln die Pächter, zur Tonne E 3 kommt Hamburger Hafenschlick, ein Hubschrauber kommt zum Unfallopfer, das Mutterkorn ins Schlickgras und der Staatssekretär zur Eröffnung eines Nationalpark-Hauses. Bewegend: Der Abschied von Peter Todt. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Nachruf

© Nachruf

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die eine Region dauerhaft prägen. Peter Todt, der im Alter von 75 Jahren starb, gehört dazu. 21 Jahre, bis 1999, lebte er im Sommerhalbjahr allein als Vogelwart auf Trischen, der bedeutendsten Vogelinsel im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Ihr Schutz war seine Lebensaufgabe. Mit der Präzision eines Optik-Ingenieurs, der er eigentlich war, beobachtete und dokumentierte er alles, was auf Trischen und in der Umgebung geschah: Rastende und brütende Vögel, durchziehende Schmetterlinge oder die Blühzeiten von Salzwiesenpflanzen. Aber auch die Effekte der damaligen Waffenerprobungen in der Meldorfer Bucht, Ausflugsschiffe, die Seehunde von den Sandbänken vertrieben, oder defekte Leuchten auf der nah gelegenen Ölplattform Mittelplate, die ihm zeitlebens ein Dorn im Auge war. Flugzeuge oder Segler, die Vögel und Seehunde im Paradies störten, wurden – falls Peter Todt nicht direkt Kontakt aufnehmen konnte – augenblicklich der Nationalparkverwaltung gemeldet.

Dabei beließ er es nicht. In manchen Jahren gab sein Freund und Versorgungsschiffer Polli Rohwedder Hunderte von Briefen in die Post, in denen unser erster Nationalparkwart bei Verteidigungs- und Umweltministern, Muschelfischern, Wasser- und Schifffahrtsämtern, Bohrinselbetreibern oder auch beim Nationalparkamt mit scharfen Fragen mehr Naturschutz forderte. Was nicht per Post rausging, fand Eingang in die vielhundertseitigen Jahresberichte des darob „gefürchteten“ Kleinst- und Feinschreibers.

Sein eigenes, aufopferndes und behutsames Verhalten auf Trischen (er verdiente wenig; sensible Bereiche mied er konsequent) verschaffte ihm selbst bei den Mitarbeitern der Mittelplate Glaubwürdigkeit und Respekt, die die ihm auch zuerkannte Schrulligkeit weit überwogen.

Der mit der Schleswig-Holsteinischen Ehrennadel und der Goldenen Nationalparknadel ausgezeichnete Peter Todt hat auf unnachahmliche Weise dafür gesorgt, dass Trischen absolut nutzungsfrei blieb. Mit aufrichtiger Hochachtung, aber auch mit einem Lächeln dabei geben alle langjährigen Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung gern zu, dass Peter Todt uns lehrte, wie restriktiv ein Heiligtum zu schützen ist. Das werden wir nicht vergessen. Danke, Peter.

 
 
Wechsel auf Süderoog

© Wechsel auf Süderoog

Es gibt schon nicht viele Menschen, die ihre Umzugskisten mit dem Schiff zum neuen Heim transportieren müssen. Noch viel seltener ist wohl der Fall, dass sich mit dem Zuzug die Einwohnerzahl am Wohnort verdoppelt. Holger Spreer (33) und Nele Wree (30), die beiden neuen Pächter der Hallig Süderoog, haben ihr neues Zuhause bezogen, herzlich willkommen geheißen von Gudrun und Hermann Matthiesen, die hier seit 22 Jahren leben und arbeiten und nun in den Ruhestand gehen.

Süderoog, westlich von Pellworm gelegen, ist die südlichste der nordfriesischen Halligen: 62 Hektar Land im Meer, blütenreiche Salzwiesen, durchzogen von Prielen, ein Plattenweg führt von einem kleinen Anleger zur einzigen Warft. Hier steht das Reetdachhaus, in dem die alten und die neuen Pächter nun übergangsweise zu viert zusammenleben. Groß genug ist der Dreiseit-Hof, der in den Ställen auch noch Platz für 20 Mutterschafe, zwei Kühe, drei Pferde und etliche Hühner und Enten hat.

Eine kleine, halligtypische Landwirtschaft werden sie nun also betreiben, der Fischer Spreer, der ursprünglich aus Frankfurt an der Oder stammt, und seine Freundin, die in Kaltenkirchen geboren ist und in Bonn Kunstgeschichte studiert hat. Das Boot „Robbe“ übernehmen sie von ihren Vorgängern, außerdem einige Schafe, zu denen bald noch weitere, am liebsten alte Nutztierrassen, hinzukommen sollen. Dass es kein Fernsehen gibt hier draußen, stört die beiden nicht, aber einen Internet-Anschluss hätten sie gern, denn sie möchten auch mit einer eigenen Website über das Eiland informieren. Beide sind als Küstenschützer beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) angestellt und Nationalparkwarte, wofür sie noch bis Ende des Jahres betriebsintern geschult werden. Denn die Hallig gehört dem Land, und die Verpachtung ist an Bedingungen geknüpft. Ihre Hauptaufgabe wird sein, dafür zu sorgen, dass die Hallig und das Haus erhalten bleiben, daneben auch die Natur zu schützen und zu beobachten – Brut- und Rastvögel zählen, den Spülsaum absuchen und manches Treibgut entfernen, Störungen, beispielsweisedurch tieffliegende Flugzeuge,  melden – und natürlich auch die Besucher informieren.

Über Gästemangel können sich die Einwohner der Hallig den Sommer über nicht beklagen: Über 1.000 Besucher kommen pro Jahr zu Fuß und nur in Begleitung ortskundiger Wattführer von Pellworm, um sich eine Stunde lang auf Süderoog umzusehen und mit Suppe, Kaffee und Kuchen für den Rückweg durchs Watt zu stärken. Ein- oder zweimal pro Jahr kommen auch Brautpaare, die sich im Pesel, der guten Stube des Hauses, trauen lassen.

Den Rest der Zeit ist es hier ruhig, wenn man vom stetigen Pfeifen des Windes und den Rufen der Vögel absieht. Hallig Süderoog ist ein wichtiger Lebensraum für sie: Im Frühjahr und Herbst machen hier tausende Ringelgänse Station auf ihrem Zug, und Möwen, Seeschwalben, Austernfischer und Eiderenten finden hier ungestörte Brutplätze.

29 Bewerbungen gab es für Süderoog. Spreer und Wree hatten ihre ganz spontan noch kurz vor Bewerbungsschluss abgegeben – ein Testwochenende bei den Matthiesens im vergangenen August hatte die beiden überzeugt. Und seine handwerklichen Fähigkeiten, gepaart mit ihren Erfahrungen in der Gastronomie – sie hat sieben Monate lang ehrenamtlich ein Café in Jerusalem betreut – haben wohl den Ausschlag gegeben. Beide lebten zuletzt auf Pellworm, kennen das Meer – und sie waren auch die Wunschkandidaten der scheidenden Halligwarte.

Die freuen sich, dass sie ihren Nachfolgern die Eingewöhnung auf „ihrer“ Hallig nun etwas erleichtern, ihnen viel Wissen mitgeben können. Denn zu gut erinnern sie sich noch an ihren eigenen, herausfordernden Start auf Süderoog im November 1990: Landunter, Sturm, ihr Vorgänger erklärte ihnen noch kurz den Generator und fuhr ab... Für den jetzigen Bewohnerwechsel haben sie daher einen ganzen Sommer eingeplant.

Ende September wird das Ehepaar Matthiesen mit seinen drei Kaltblutpferden und einigen Schafen auf die Nachbarinsel Pellworm übersiedeln. Dann bleiben Holger Spreer und Nele Wree zu zweit auf der Hallig und sind ganz konkurrenzlos die einzigen menschlichen Dauerbewohner des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Ilka Thomsen

 
 
Hafenschlick

© Hafenschlick

Hamburg und Schleswig-Holstein haben in der Frage der Verbringung von Schlick eine Übergangslösung vereinbart, um den Zugang zum Hamburger Hafen weiterhin zu sichern. Umweltminister Robert Habeck gab dem Ansinnen Hamburgs vom Spätsommer 2012, Schlick aus der Elbe im Hafengebiet in den sensiblen Bereich der Unterelbe bei St. Margarethen zu verbringen, nicht statt. Aber unter Berücksichtigung der geringen Belastung des Baggerguts und der drängenden Problematik der Elbverschlickung für den Hamburger Hafen erklärt sich Schleswig-Holstein bereit, eine 2008 erteilte Genehmigung für die Verbringung in die Nordsee bei Tonne E 3, etwa 60 Kilometer von der Westküste entfernt, zu verlängern. Nach einem entsprechenden Beschluss des Kieler Kabinetts gaben Minister Habeck und Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch diese Vereinbarung bekannt.

„Diese Lösung wird nur eine Übergangslösung sein“, sagte Habeck „Wir werden strikt darauf achten, dass alle Auflagen eingehalten werden.“ Senator Horch betont: „Die Sedimente, die Hamburg zur Tonne E3 verbringen wird, erfüllen die strengen Anforderungen des Landes Schleswig-Holstein, die schon in den letzten Jahren für die Verbringung zu dieser Tonne angewendet wurden.“ Bei dem Schlick handelt es sich um gering belastetes Sediment. Vollständige Untersuchungsergebnisse stehen aber noch aus. Erst wenn diese vorlägen, könne es  eine Verbringung geben, sagte Habeck. Es wird damit gerechnet, dass mindestens 600.000 Kubikmeter Schlick im laufenden Jahr verbracht werden müssen.

Zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein wurde zugleich vereinbart, dass die Hamburger Port Authority Kompensationszahlungen von 2 Euro pro Kubikmeter Baggergut leistet. Diese sind der Stock einer zu gründenden Stiftung Nationalpark Wattenmeer und werden so zum Naturausgleich eingesetzt.

Die Vereinbarung war bereits im Herbst ausgehandelt worden. Sie sieht auch vor, dass Hamburg und der Bund zeitnah und verbindlich unter Beteiligung von Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein Gesamtkonzept für das Sedimentmanagement in der Tideelbe erstellen, um für die Unterbringung des gering belasteten Sediments eine unter ökologischen Gesichtspunkten vertretbare, dauerhafte Lösung zu finden. Hierzu wird der Leiter der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt  federführend noch  zum Juni zu einem ersten Treffen einladen. Damit sollen problematische Tiefgangsbeschränkungen für Seeschiffe im Hamburger Hafen künftig vermieden werden.

Im Rahmen des Konzepts werden verschiedene Verbringungsvarianten innerhalb und außerhalb der Tideelbe sowie an Land geprüft und die Umweltauswirkungen verglichen. Bei der Erarbeitung werden betroffene Interessenvertreter beteiligt. Das Konzept soll so angelegt sein, dass es als fachlich fundierte Entscheidungsgrundlage für die künftige Verbringung verwendet werden kann.

Bereits von 2008 bis 2011 war Baggergut aus dem Hamburger Hafen bei Tonne E 3  in einen strömungsberuhigten Bereich mit über 30 m Wassertiefe verbracht worden. Die genehmigte Menge von 6,5  Millionen Kubikmetern wurde bis Ende 2011 mit 2 Millionen Kubikmetern bei weitem nicht ausgeschöpft. Nun verlängert Schleswig-Holstein diese Genehmigung zunächst befristet bis Ende 2014; die Höchstmenge und die Rahmenbedingungen bleiben bestehen.

„Der Hamburger Hafen ist extrem wichtig – auch für Schleswig-Holstein“, sagte Umweltminister Robert Habeck. „Um den Zugang zu sichern, haben wir unterschiedliche Alternativen diskutiert. Die Verbringung zur Tonne E 3 ist in der aktuellen Situation die verträglichste Lösung“, sagte Minister Habeck. „Wir nehmen das Ganze aber nicht auf die leichte Schulter. Das Wattenmeer ist ein sensibler Naturraum, der hohen Schutz verdient und braucht“.

Dem stimmt auch Senator Horch zu:  „Diese Stiftung ist ein wesentlicher Baustein für den Schutz und die Förderung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.“ Zweck ist es, über diese Stiftung Projekte des Naturschutzes und dessen Vermittlung im und am Nationalpark und Weltnaturerbe zu fördern. Die Stiftung soll baldmöglichst ins Leben gerufen werden. 

 

Hintergrund

Wie in jedem Hafen im Tidegebiet lagert sich auch im Hamburger Hafen durch die Strömungsverhältnisse Sediment ab, so dass im Hafen regelmäßig gebaggert werden muss, um die für die Schiffe notwendige Wassertiefe aufrechtzuerhalten. Seit Frühjahr 2012 waren insbesondere durch den geringen Oberwasserabfluss der Elbe verstärkte Sedimentationen im Bereich der Hamburger Norderelbe und Süderelbe festzustellen, die bereits Einschränkungen der Schifffahrt zur Folge hatten. So hat sich im Hamburger Hafen das Problem verschärft.

Zur Aufrechterhaltung der notwendigen Fahrwassertiefen zu den wichtigsten Containerhäfen von November bis Ende März hat Hamburg 5,7 Millionen Kubikmeter  gebaggert und an der Landesgrenze bei Neßsand in die Elbe verklappt. Seit April ist diese Art der Baggergutverbringung wegen des zunehmenden Sauerstoffdefizits in der Elbe nicht mehr möglich, sodass in den kommenden Wochen wieder mit einer wachsenden Verringerung der Fahrwassertiefen gerechnet werden muss.

Pressemitteilung des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, und der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation vom 16.5.2013

 
 
Mutterkorn

© Mutterkorn

Das Bild zeigt Schlickgras (Spartina anglica) an seinem natürlichen Standort, dem Übergang von den Salzwiesen zum Watt. Wattwärts wächst nur noch Queller. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurde 2011 erstmals der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) am Schlickgras festgestellt. Botaniker der Uni Hannover meldeten nun, dass sie das hochgiftige Mutterkorn (5 - 10 Gramm können für einen Menschen tödlich sein) in vielen Schlickgrasbeständen festgestellt hätten. Das gab ein Echo!

Wer im Watt oder in Salzwiesen unterwegs ist, braucht sich nicht vor Mutterkorn zu fürchten: Im Spätsommer und Herbst (erst dann bildet der Pilz das violette Mutterkorn aus) meidet man das harte und scharf schneidende Schlickgras ohnehin. Auch das Berühren eines Mutterkorns ist folgenlos, man müsste schon mehrere Körner essen. Gerade bei Kindern sollte aber vorsichtshalber die übliche Aufklärung und Aufsicht - wie in jedem Garten oder Park, in dem auch giftige Pflanzen wie Goldregen oder Eibe wachsen - beachtet werden.

Es wird vermutet, dass der Mutterkornpilz in den Salzwiesen in den 1960er Jahren im Ballastwasser von Schiffen aus Amerika nach Irland eingeschleppt wurde und von dort aus an die englische, später an die belgische und niederländische Küste gelangte. Bekämpfungsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten waren bisher erfolglos.

 
 
Info-Hotspot

© Info-Hotspot

St. Peter-Ording ist nicht nur ein Hotspot der Biodiversität (1.109 Pilz-, 129 Schmetterlingsarten!) sondern ab sofort auch  ein Hotspot der Besucherinformation: Umwelt-Staatssekretär Dr. Ulf Kämpfer - auf dem Bild oben versucht er für das watt-didaktische Windmessgerät möglichst viel Wind zu machen - eröffnete das neue Nationalpark-Haus in der Dünen-Therme. Im besucherstärksten Badeort an unserer Küste können sich Gäste jetzt besser als je zuvor über das Leben mit Sand, Wind und Flut sowie über den Nationalpark und das Weltnaturerbe informieren. Auf knapp 200 Quadratmetern wird das Wattenmeer vor St. Peter-Ording dargestellt. Elf große Aquarien präsentieren Tiere, die in den Lebensräumen vom Flachwasserbereich bis zur offenen Nordsee leben. Außerdem gibt es zahlreiche Exponate zum Spielen und Anfassen sowie mehrere Filme, die teilweise extra für die Ausstellung im Watt vor St. Peter gedreht wurden. Im Zentrum der Ausstellung steht eine dreiarmige „Interaktionsinsel“, die den stetigen Wandel im Nationalpark durch Wasser, Sand und Wind veranschaulicht.

Betreiber des neuen Nationalpark-Hauses ist die Schutzstation Wattenmeer. Die Biologin Sabine Gettner (Foto) ist die neue hauptamtliche Leiterin. 8 Freiwillige (Bundesfreiwillige und Freiwilliges Ökologisches Jahr) unterstützen sie in ihrer Arbeit in der Ausstellung und im Watt. Die Schutzstation hatte für das maßgeblich von ihr initiierte und realisierte Nationalpark-Haus bei der Bingo-Umweltlotterie 150.000 € eingeworben. Die Gemeinde St. Peter-Ording stellt für die Ausstellung den ehemaligen Kursaal zur Verfügung. Die Nationalparkverwaltung beteiligte sich mit ihrer langjährigen Erfahrung an der Entwicklung der Ausstellung und der Einrichtung der Aquarien. Aus den Strandparkgebühren stellte sie 255.000 Euro für Investitionen bereit und beteiligt sich mit bis zu 40.000 Euro jährlich am Dauerbetrieb. So kommen die Parkgebühren der Gemeinde St. Peter-Ording zugute.

 
 
Kooperation

© Kooperation

2010 wurde der dänische Teil des Wattenmeeres zum Nationalpark erklärt. 2014 soll es – wie die Wattenmeer-Schutzgebiete in Deutschland und den Niederlanden – ebenfalls Weltnaturerbegebiet werden. Das dänische Nationalpark-Sekretariat ist auf Rømø angesiedelt, im Naturcenter Tønnisgård.

Zu einem ersten Arbeitstreffen besuchte Thomas Holst Christensen (kniet rechts), der Leiter des dänischen Nationalpark-Sekretariats, mit zwei Mitarbeitern seine schleswig-holsteinischen Kollegen. Dr. Detlef Hansen (steht links), der Leiter der Nationalparkverwaltung in Tönning, freut sich über die Möglichkeit, dass die Nationalparke sich jetzt über die Grenzen hinweg besser vernetzen können. So sollen die Barrieren, die durch unterschiedliche Gesetze und Zuständigkeiten bestehen, verringert werden.

Thomas Holst Christensen betonte, dass der junge dänische Nationalpark noch im Aufbau begriffen ist. Mit seinen insgesamt drei Mitarbeiter/innen möchte er vor allem mit touristischen Projekten beginnen. Dazu gehören vordringlich die Einrichtung von Nationalpark-Partnerschaften und die Planung einer Besucherlenkung. Von Schleswig-Holsteins Erfahrungen will man profitieren.

 
 
Umweltpraktikum

© Umweltpraktikum

Stürmischer Auftakt in das Open-Air-Semester: Katharina, Sophie und Tine starten in ihr Praktikum für die Umwelt. Bei einer Wanderung auf die Hamburger Hallig sammelten sie windige Eindrücke im Wattenmeer, ihrem Zuhause für diesen Sommer. Bis Ende September arbeiten die drei in der Nationalparkverwaltung in Tönning, im Multimar Wattforum und auf der Hamburger Hallig.

Katharina Pocher hat Medienmanagement in Sachsen und Media Engineering in der Schweiz studiert. Nach ihrem Studium arbeitete die 25-Jährige im Bereich Tourismus und Projektmanagement in Kanada und Schwedisch Lappland. „Nun war es für mich an der Zeit, Berge und Bären gegen Meer und Möwen zu tauschen. Ich bin sehr gespannt auf diesen Sommer am Meer, der sicherlich nicht nur landschaftlich viel Neues für mich bereithält.“ Katharina unterstützt das Team im Fachbereich Kommunikation und Nationalpark-Partner in der Tönninger Nationalparkverwaltung.

„Das Wattenmeer und seine Bewohner haben mich im letzten Jahr so beeindruckt, dass es mich wieder zurückgezogen hat“, sagt die 28-jährige Kölnerin Tine Pütz. Im vergangenen Sommer 2012 absolvierte die Biologiestudentin ein Praktikum in der Seehundstation Friedrichskoog. Jetzt arbeitet Tine im Multimar Wattforum und kann ihre Begeisterung mit Jung und Alt teilen.

Aus Wien reiste die 21-jährige Sophie Ette in den hohen Norden. „Ich studiere Forstwirtschaft im vierten Semester und war überglücklich, als ich die Zusage für dieses außergewöhnliche Praktikum erhielt.“ Bisher eher vertraut mit Wald und Bäumen, wird Sophie nun auf der Hamburger Hallig unter anderem die Wattwerkstatt betreuen. „Nicht nur die Umgebung unterscheidet sich stark, auch mein Lebensgefühl ist nach einer Woche Hallig schon ein ganz anderes, es ist unbeschreiblich schön, das Meer immer direkt vor der Nase zu haben.“

Das „Praktikum für die Umwelt“ wird seit 22 Jahren von der Commerzbank finanziert und hat bisher über Tausend Studierenden einen Einblick in die Arbeit von Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks ermöglicht.

 
 
Rettung

© Rettung

Vor der Hallig Südfall kam es zum Einsatz des Rettungshubschraubers. Bei der geführten Wattwanderung zu den Kulturspuren von Rungholt verletzte sich ein Teilnehmer. Beim  Durchwaten eines Prieles zog er sich eine stark blutende Schnittverletzung am Fußrücken zu. Nationalpark-Wattführerin Cornelia Mertens legte einen Druckverband an und verständigte über den Notrufkanal 16 die Seenotleitung MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) Bremen. Obwohl keine lebensbedrohliche Situation vorlag, veranlasste die Küstenfunkstelle den Einsatz des Rettungshubschraubers, da der Patient nicht aus eigener Kraft 10 Kilometer im Watt zurücklaufen konnte.

Zur vorgeschriebenen Ausrüstung für Wattführer gehört auch ein Rauchsignalmittel. Dies war zur Heranführung des Hubschraubers zur Landesstelle unentbehrlich, trotz GPS Positionsmeldung. Die Landung des Hubschraubers auf dem unstabilen Wattboden war gefährlich. Die Retter übernahmen den Patienten und brachten ihn ins Husumer Krankenhaus, das er noch am selben Tag verlassen konnte.

Der Rettungseinsatz lief wie im Lehrbuch ab. "Die strengen Sicherheitsvorschriften für Wattführungen haben sich bewährt", so Cornelia Mertens. "Wir haben alle unsere Rettungsmittel im Gebrauch gehabt und die Zusammenarbeit klappte vorzüglich." Die Wattführung konnte, mit einer kleinen Abkürzung, regulär zu Ende gebracht werden.

 
 
Biosphäre im Finale

© Biosphäre im Finale

Die Biosphäre Halligen gehört zu den 10 Finalisten beim Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusregionen 2012/13. Aus den Händen von Bundesumweltminister Peter Altmaier nahm Biosphären-Geschäftsführerin Natalie Eckelt (links) in Berlin die Auszeichnungsurkunde entgegen. Neben der Urkunde erhält die Biosphäre Halligen einen Beratungsworkshop. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung“, so Natalie Eckelt. Diese sei eine Anerkennung für die langjährige Arbeit, die man in den Aufbau der Region gesteckt habe.

Matthias Piepgras, Vorsitzender der Biosphäre Halligen und Bürgermeister von Hallig Hooge, wies darauf hin, dass die Stärke der Biosphäre das Zusammenspiel aus Natur, Kultur und Tourismus sei, bei dem die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehe. „Wir haben es als Biosphäre geschafft, einen Tourismus zu entwickeln, der zu unserer individuellen Struktur und unserem Charakter passt“, so Piepgras. Als wichtige Gemeinschaftsprojekte nennt er die Ringelganstage und die Schaffung des Magazins "Wir Halliglüüd".

 
 
Bücher
 
Der Küstenatlas

©Der Küstenatlas

Bei einer Wanderung vor einigen Monaten auf dem Süderoogsand erzählte Hans Joachim Kühn, ehemals Westküstendezernent des Archäologischen Landesamtes, dass die jüngere Küstenarchäologie viel neues Wissen erbracht habe. Viele alte Vorstellungen seien zu korrigieren und viele alte Bücher einfach falsch. Zusammen mit dem Prähistoriker und Geologen Dirk Meier und dem Geografen Guus J. Borger hat er nun den Küstenatlas vorgelegt. Das großformatige, knapp 200 Seiten starke Buch ist ein schlankes Monumentalwerk. Die von 1920 bis heute erfolgten geografischen, geologischen und archäologischen Untersuchungen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer werden darin erstmals zusammengefasst. Als greifbare Erinnerungskultur, so die Autoren, dokumentieren untergegangene Warften, Flure und Deiche, dass Teile des Weltnaturerbes Wattenmeer einst besiedeltes Kulturland waren. Viele neue Karten veranschaulichen die Landschaftsentwicklung und archäologische Funde verschiedener Regionen. Welche Details heute bekannt sind, beispielsweise die Wetterlage während der Sturmflut 1362, erstaunt. Das Buch beschreibt äußerst fundiert, wie Natur und Mensch in den vergangenen 1.000 Jahren mit- und gegeneinander das schleswig-holsteinische Wattenmeer prägten.

D. Meier, H. J. Kühn und G. J. Borger (2013): Der Küstenatlas. Boyens Verlag, 192 S., 29,95 €.