August 2013

August 2013
 

Moin. Eine Arche auf Sylt, ein Hybridauto in Tönning und viel Nachwuchs auf den Inseln. Bleiben Sie uns gewogen. Ihre Nationalparkverwaltung

 
In dieser Ausgabe
Arche

© Arche

Was macht man mit einer Kirche, die keine Kirche mehr ist? Die Schutzstation Wattenmeer und die katholische Gemeinde in Hörnum hatten die himmlische Idee: Eine Arche schaffen! Nicht weil Sylt akut vom Untergang  bedroht wäre (das würde der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz nicht zulassen…), sondern um Gästen und Einheimischen ein weiteres Informationsangebot über das Meer und den Nationalpark zu machen. Im Gebäude der profanierten Kirche St. Josef wurde Anfang Juli das Nationalparkhaus „Arche Wattenmeer“ eröffnet. Der kirchliche Schöpfungsgedanke und der im Nationalparkgesetz  verankerte Schutzauftrag für die Natur stellen im übertragenen Sinn eine Brücke her, die beide miteinander verbindet, wie Nationalpark-Chef Detlef Hansen bei der Eröffnung berührt anmerkte. Im vormaligen Kirchenschiff steht nun das symbolträchtige Natur-Rettungsschiff, eine hölzerne Arche, und  weist unübersehbar auf die symbolträchtigen Zusammenhänge hin.

Das Land Schleswig-Holstein hat das Projekt mit  460.000 € aus EFRE Mitteln unterstützt. Die Bingo-Umweltlotterie gab 150.000 €. Das angrenzende Wohnhaus wird nun für Dienstwohnungen und als Büro genutzt.

 
 
Nachwuchs

© Nachwuchs

Den Austernfischern geht es auf den meisten Inseln und Halligen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer dieses Jahr relativ gut. Diesen Eindruck hat Bernd Hälterlein von der Nationalparkverwaltung nach Beobachtungen auf Hooge, Nordstrandischmoor, Südfall, Föhr und Amrum. Er hat viele Paare mit ein bis zwei Küken beobachtet, manche sogar mit drei Küken, die fast flügge sind. Bei den Lachmöwen hat es in der großen Kolonie bei Friedrichskoog mit etwa 8000 Paaren und auf Hallig Südfall sehr viele Junge gegeben, die flügge geworden sind.

Auf dem Festland brüten Austernfischer seit Jahren mit immer weniger Erfolg. Von 193 Gelegen auf der Hamburger Hallig und in den Vorländern von Westerhever und des Hedwigenkooges wurde kaum ein Küken flügge. Das hat vielfältige Ursachen. Zum einen liegt es an Räubern wie Füchsen und Mardern, die auf Inseln ohne Verbindung zum Festland fehlen. In der Flussseeschwalbenkolonie im Vorland des Neufelder Kooges fanden Füchse und vermutlich auch Minke hingegen reiche Beute. Auch in der Lachmöwen- und Seeschwalben-Kolonie am Eidersperrwerk deuten Bissspuren an toten Altvögeln auf Füchse hin.

Auch das Wetter hat Lachmöwen und Seeschwalben zu schaffen gemacht. Das nasse und kalte Wetter hat Ende Juni viele Küken das Leben gekostet. Die Altvögel konnten ihre Jungen nicht genügend wärmen und ausreichend Nahrung für sie heranschaffen, obwohl genug Fische vorhanden waren.

In der einzigen Lachseeschwalben-Kolonie Mitteleuropas, vor dem Neufelder Koog in Dithmarschen, brüteten 31 Paare insgesamt 20 Küken aus. Alt- und Jungvögel fliegen jetzt gemeinsam ins niederländische Wattenmeer und Ende August weiter nach Westafrika.

 
 
Biosphären-Honda

© Biosphären-Honda

Honda Deutschland stellt dem Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen für ein Jahr einen Honda Insight als Dienstwagen zur Verfügung. Dr. Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung, erhielt den Wagen von Thomas Stabe, Geschäftsführer des Autohauses Fräter in Rendsburg. „Mit dem effizienten Hybrid-Fahrzeug können wir die Umweltbelastung durch Dienstfahrten, für die ein Auto erforderlich ist, auf ein vertretbares Maß reduzieren“, freut sich Hansen.

Das auffällig gestaltete Auto ist eines von insgesamt 16 besonders emissionsarmen Fahrzeugen, mit denen Honda die deutschen UNESCO-Biosphärenreservate unterstützt. Seit 2004 engagiert sich der Autohersteller in Zusammenarbeit mit dem Dachverband EUROPARC Deutschland in den deutschen Biosphärenreservaten. Sie sind Modellregionen für nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist seit 1990 als Biosphärenreservat anerkannt. Die Halligen Langeneß, Oland, Gröde, Nordstrandischmoor und Hooge hatten sich 2005 auf eigenen Wunsch dem Gebiet angeschlossen und bilden seine Entwicklungszone.

 
 
HalligLEBEN

Wie bereits in den letzten beiden Jahren erkundeten auch in diesem Sommer 15 Kinder der Hamburger Stiftung Mittagskinder auf Einladung der Nationalparkverwaltung fünf Tage lang spielerisch den Nationalpark rund um die Hallig Langeness.

Die Kids begannen die Nationalpark-Ferien mit einer Walforschertour im Multimar Wattforum, bevor es am Abend mit der Fähre zur Hallig ging (Vielen Dank an die W.D.R. für die gesponserte Überfahrt!) und die Zimmer im Seminarhaus der Schutzstation Wattenmeer bezogen wurden.

Die gelösten Aufgaben der Halligexpedition führten zum Schatz. Um das Vogelbingo zu gewinnen, musste man z.B. Lachmöwe und Küstenseeschwalbe unterscheiden können. Beim Gestalten eigener Schatzkisten und T-Shirts war viel Kreativität gefragt. Und nach anfänglichem Zögern wurde auch das Watt erobert und dem Wattwurm nachgespürt. Bei allen Aktivitäten waren die lütten Hamburger mit viel Elan dabei, so dass auch das Betreuungsteam abends erschöpft ins Bett sank.

Und diejenigen, denen selbst das Chaos-Spiel mit viel Rennen und Raten noch nicht genug war, tobten über die Warft oder fuhren bis spät am Abend Fahrrad. Denn das geht auf der Hallig deutlich besser als im hektischen Hamburger Süden. 

Aber spätestens nach dem reichhaltigen Bio-Abendbrot (Ein Fazit der Woche: Bio-Essen ist gar nicht ekelig!) schliefen auch die letzten beim Vorlesen ein – so ein Halligleben kann sehr  abenteuerreich und anstrengend sein.

Katharina Pocher und Silke Ahlborn

 
 
Fotowettbewerb

Der Nationalpark Wattenmeer bietet zu jeder Jahreszeit vielfältige Fotomotive. Wer jetzt – in der Ferienzeit – im Weltnaturerbe unterwegs ist, sollte noch etwas konzentrierter hinsehen: Ein Fotowettbewerb des Nationalparkzentrums Multimar Wattforum und der Boyens-Anzeigenblätter lockt mit attraktiven Preisen. Für die beiden Hauptgewinner gibt es jeweils eine Digitalkamera. Weitere Gewinne sind unter anderem Familienkarten für das Multimar, eine Fahrt zu den Seehundsbänken oder einen Restaurantgutschein.

Jeder Teilnehmer kann per E-Mail bis zu fünf Motive einreichen. Die Fotos müssen Motive aus dem Nationalpark oder dem Multimar Wattforum zeigen und in diesem Jahr entstanden sein. Die Gewinner werden von einer Jury aus Redaktionsmitgliedern der Anzeigenblätter und der Nationalparkverwaltung ausgewählt. Der Fotowettbewerb läuft noch bis zum 13. September.

 
 
Ermittler

© Ermittler

In dem drei Jahre laufenden STopP-Projekt (Vom Sediment zum Top-Prädator) der Nationalparkverwaltung ermittelt Alexandra Ruales jetzt Daten, organisiert die Datenhaltung und unterstützt die Verwaltung des Projektes. Obwohl sie bisher keine Wattenmeer-Erfahrung hat (angesichts des Niedrigwassers im Husumer Hafen und der Stunden später dort schwimmenden Schiffe fragte sie sich: „Ist es das, was ich gelesen habe: Gezeiten?!“), erfüllte sie die umfangreichen Anforderungen unter den 62 Bewerbern am besten. Dass die 29-Jährige das Watt nicht kannte, hat einen Grund. In Quito, wo die  Ecuadorianerin aufwuchs und Geografie studierte, gibt es kein Watt. Auch nicht in Karlsruhe, wo sie zwei Jahre später Ressources Engeneering mit der Masterprüfung abschloss. Das Wattenmeer gefällt ihr sehr, auch weil hier zwei Landschaften zusammenkommen: Schafweiden und das Meer. Die Schafe in den Anden Ecuadors bekommen das Meer dagegen nie zu sehen – und die Ecuadorianer keine Küstenschafe.

Beim Urlaub auf Amrum hat er nie sonderlich auf die Rückstände von Öl oder auf Wachsreste am Strand geachtet – nun analysiert er sie: Als Chemieingenieur ist Nicolas Fitz bis Ende 2015 beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) angestellt, sein Arbeitsplatz ist im Sülldorfer Labor des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Dort arbeitet der 34-Jährige, um die Belastung unserer Nordsee mit  Öl, Ölrückständen und  Paraffinwachsen zu ermitteln. Viele Naturschutzverbände liefern dafür Proben, die sie in Spülsäumen entlang der deutschen Nordseeküste sammeln. Dafür erhielten sie 40 spezielle Probenahme-Sets. Nicolas Fitz, der in seiner Masterarbeit eine Methode zur Bestimmung organischer Schadstoffe im Fettgewebe mariner Säuger entwickelte, baut nun eine wachsende Kommunikation mit den Spülsaumsammlern auf, um diesen Rückmeldungen über ihre Funde zu geben. So erfahren sie zeitnah, was an ihrem Küstenabschnitt anlandet und bekommen einen Einblick in den laborseitigen Teil des Projektes. Vielleicht leistet dieser Dialog einen Beitrag zur Motivation, denn die harte Zeit der Sammler liegt noch vor ihnen: die kalten, stürmischen Wintertage, wenn diese Verschmutzungen erfahrungsgemäß besonders häufig auftreten. Das Projekt schließt an drei Vorgängervorhaben an, in denen verölte Vögel und Strandverschmutzungen seit den 1980er Jahren untersucht werden.

 
 
Bücher
 
Halligen - Entdecken und erleben

"Schwimmende Träume“ nannte der Husumer Dichter Theodor Storm die kleinen Eilande vor der Nordseeküste liebevoll. Halligen sind weltweit einzigartig. Sie sind ein Naturphänomen und auch ihre Bewohner sind etwas Besonderes. Wer „Insel“ sagt, hat schon verloren.

Frank und Jennifer Timrott haben auf einer der Halligen ein neues Zuhause gefunden. Beide sind begeisterte Halligfans und haben sich mit der Entstehung, der Geschichte, der Kultur und der Natur dieser Eilande im nordfriesischen Wattenmeer intensiv auseinandergesetzt. Ihre Begeisterung für die einmalige Hallignatur im Biosphärenreservat und Nationalpark Wattenmeer mündete in dem nun vorgelegten Halligführer. In 11 Kapiteln wird dem Leser Wissenswertes über fast alle Aspekte des Halliglebens und der Hallignatur vermittelt. Jeder Hallig ist ein weiteres eigenes Kapitel gewidmet. Somit kann sich der Leser detailliert über spezifische Aspekte informieren, bekommt Tipps und Hinweise für die Anreise und erhält Anregungen für spezielle Entdeckertouren. Das Buch ist reich illustriert. Schade nur, dass die Druckqualität der Bilder in vielen Fällen nicht den heutigen Ansprüchen der Leserschaft entspricht.

Der neue Reiseführer ist eine tolle Ergänzung zu dem Buch „Halliglüüd - Erzähltes Leben“ von Christiane Jenemann und sollte bei Ausflug und Reise in die Halligwelt immer dabei sein.

Martin Stock

Frank Timrott und Jennifer Timrott: „Halligen - Entdecken und erleben“. Broschur, Wachholtz Verlag, Neumünster 2013, 207 Seiten mit farbigen Abbildungen und Fotos, 14 x 19,5 cm, ISBN 978-3-529-05009-1, 16,80 Euro.