08.04.2013

Winter adé – die „Wundertüte“ Wattenmeer öffnet sich

Bei einer Weltnaturerbe-Fahrt mit einer Nationalpark-Partner-Reederei von Nordstrand aus wurden auf der Lorenzenplate schon etwa 500 Seehunde gezählt.

Im Nationalpark Wattenmeer hat die Saison trotz des hartnäckigen Winterwetters begonnen. Während der ersten Schifffahrten mit den Nationalpark-Partner-Reedereien haben Nationalpark-Ranger schon spannende Beobachtungen gemacht. Bei einer Weltnaturerbe-Fahrt von Nordstrand aus in den Nationalpark wurden auf der Lorenzenplate etwa 500 Seehunde gezählt. Zwei Seeadler, die erst seit wenigen Jahren auch an der Westküste brüten, stritten sich dort um etwas, was wie eine Nachgeburt aussah. Vielleicht war hier ein erstes Seehundjunges geboren worden. In den letzten Jahren hat es immer mal wieder so außergewöhnlich frühe Geburten im April gegeben. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der Tiere ist jedoch gering. Außerdem wurden unterwegs mehrere Schweinswale gesichtet. Die ersten Seetierfangfahrten vor dem Eidersperrwerk waren ebenfalls vielversprechend. Stichlinge, Stinte und Garnelen konnten den Gästen gezeigt werden und wurden anschließend wieder ins Wasser zurück gelassen.

Auch die ersten Wattwanderungen haben stattgefunden. „Mal schaun, was die Wundertüte Wattenmeer uns dieses Jahr zu bieten hat“, meint die Nationalpark-Wattführerin Anne Segebade und freut sich auf die neue Saison. Doch erst bei etwas höheren Temperaturen wird das Watt lebendig und dann können die Gäste die Schönheit und Ursprünglichkeit des Weltnaturerbes und des Nationalparks erleben. Welche Folgen dieser Winter hat, kann Anne Segebade noch nicht abschätzen. Doch sie weiß: Harte Winter sind wohl eine Katastrophe für einzelne Tiere, aber nicht für die Natur insgesamt. Arten wie Herzmuscheln, die direkt unter der Wattoberfläche leben, werden vermutlich weitgehend abgestorben sein. Für andere Arten wie Sandklaffmuscheln und große Wattwürmer, die in tieferen Schichten leben, sind Kälte und Frost nicht so problematisch. Doch das ist das Geniale an diesem Lebensraum, dass die Arten aus der tieferen Nordsee wieder einwandern und die Natur sich so immer wieder erneuert. Denn nicht umsonst heißt es: „Der Wandel ist das einzig Beständige im Nationalpark Wattenmeer.“

Bei den Vögeln verzögert sich die Entwicklung durch den langen Winter vermutlich um zwei bis drei Wochen. Nachdem einige Nonnengänse schon im Februar hier waren und zum Teil wieder die Flucht in Richtung Süden ergriffen hatten, kommen jetzt immer mehr Vögel zurück in den Nationalpark. Zurzeit machen  etwa 70.000 Nonnengänse Rast an der Westküste. Bis Ende April könnten es etwa 100.000 sein. Die Zahl der Ringelgänse  ist noch nicht so hoch. Sie halten sich vorwiegend im Watt auf, was ungewöhnlich ist, und weniger auf den Salzwiesen. Die Salzwiesen sehen noch winterlich grau und braun aus und bieten ihnen noch wenig Nahrung. Das Grau scheint auf der Hamburger Hallig für einige Löffler jedoch sehr reizvoll zu sein. „Es ist außergewöhnlich, dass sich hier seit Mitte März bis zu fünf Löffler regelmäßig aufhalten“, erklärt Nationalpark-Ranger Rainer Rehm.

So langsam beginnt jetzt die Brutzeit. Graugänse haben schon angefangen zu brüten, Austernfischer besetzen ihre Reviere.

Weitere Informationen zu den touristischen Angeboten im Nationalpark Wattenmeer: http://www.nationalpark-partner-sh.de und www.nordsee-naturerlebnis.de

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