04.11.2019

Seehundbestand im Wattenmeer floriert

Themen: 
Pressemitteilung des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS)
Seehund

Foto: Klaus Jahnke

2019 war ein weiteres Rekordjahr für Seehundjungtiere im dänisch-deutsch-niederländischen Wattenmeer. Die Zahl der Neugeborenen war die höchste bis dato registrierte. Auch ihr Anteil an der Gesamtzählung während der Fellwechselperiode im August war der zweithöchste. Die trilaterale Seehundexpertengruppe (Expert Group Seals; EG-Seals) der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit schätzt in ihrem neu veröffentlichten Bericht „Trilaterale Zählungen von Seehunden im Wattenmeer und auf Helgoland 2019“ insgesamt 40.800 Seehunde. Die Gruppe koordiniert die jährlichen trilateralen Erhebungen im den dänischen, deutschen und niederländischen Teilen des Weltnaturerbes Wattenmeer sowie auf Helgoland.

„Wir beobachten nun schon seit Jahren einen sehr starken und stabilen Seehundbestand“, sagt Bernard Baerends, Exekutivsekretär des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (Common Wadden Sea Secretariat; CWSS).  „Dies sind besonders gute Nachrichten, wenn man bedenkt, dass die Seehundpopulation durch menschliche Aktivitäten, sowie durch Ausbrüche der Seehundstaupe 1988 und 2002 und Influenza 2014 starke Beeinträchtigungen erfuhr. Wir können dank der Erhebungen mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen, dass unsere Maßnahmen und die trilaterale Zusammenarbeit zum Schutz des Meeressäugers und seines Lebensraums starke Auswirkungen auf die Entwicklung des Bestandes haben. “

Die trilateral koordinierten Luftzählungen werden zweimal im Jahr durchgeführt - während der Fellwechselzeit, zu der Seehunde mehr Zeit an Land verbringen, und während der Wurfperiode. Während des Fellwechsels im August 2019 wurden im Wattenmeer und auf Helgoland insgesamt 27.763 Seehunde beobachtet. Dies ist ein geringer Anstieg von einem Prozent im Vergleich zu 2018, jedoch die höchste Zahl, die seit den ersten Zählungen 1975 verzeichnet wurden. Das Ergebnis führt den seit 2012 zu beobachtenden stabilisierenden Trend einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 0,4% fort. Mit Blick auf die Regionen bleibt der Seehundbestand im dänischen Wattenmeer mit 2.676 gleich. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer wurden 8.721 Seehunde gezählt (+ 1% gegenüber 2017; keine Zahlen für 2018 verfügbar) und 8.772 in Niedersachsen und Hamburg (+ 9% ab 2018). In den Niederlanden ging die Zahl mit -7% leicht zurück (7.338 Individuen). Auf Helgoland wurde das höchste regionale Wachstum mit 256 Seehunden und einem Anstieg von 33% zum Vorjahr verzeichnet. Die jährlichen Variierungen der regionalen Zahlen können unterschiedliche Gründe haben, wie z. B. ein zum Vorjahr abweichendes Erhebungsdatum, eine unterschiedliche Anzahl von Seehunden an Land, die Wetterbedingungen oder eine Migration zwischen Regionen. Letzteres hebt die Bedeutung der trilateralen Zählungen hervor und unterstreicht die Notwendigkeit, Seehunde im Wattenmeer als einen großen, zusammenhängenden Bestand zu betrachten.

Während der Wurfperiode im Juni 2019 wurden im Wattenmeer 9.683 Jungtiere gezählt. Dies ist die höchste je registrierte Zahl (+2% im Vergleich zu 2018). Aufgeteilt auf die Regionen wurde in Schleswig-Holstein – 2018 Region mit stärkstem Anstieg – ein Rückgang (-19%) mit 3.723 gezählten Jungtieren festgestellt. In Dänemark wurden 919 Neugeborene gezählt (+64%). In Niedersachsen und Hamburg war mit 2.711 Jungtieren ein Anstieg um 26% zu verzeichnen. In den Niederlanden wurden 2.330 Neugeborene registriert (+6%).

Der Anteil der Jungtiere an der Gesamtzahl der August-Zählung betrug 35% und war damit der zweithöchste bis dato registrierte. Die EG-Seals bewerten diesen seit 2012 zu beobachtende Trend als paradox. Denn Anzeichen für eine Annäherung der Population an die Tragfähigkeit wären ein Rückgang der Jungtierproduktion und ein Anstieg der Jungtiersterberate. Jedoch hat die Jungtierproduktion zugenommen und um das Überleben der Neugeborenen zu untersuchen, müssten noch umfassende Daten gesammelt werden.

Seehunde sind, wie auch Kegelrobben, äußerst prominente Raubtierarten in der Region. Im Rahmen der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit koordiniert die trilaterale Seehundexpertengruppe (EG-Seals) die Zählungen jeweils in einem engen Zeitfenster und harmonisiert die resultierenden Ergebnisse aus allen Teilen des Wattenmeers. Seehunde stehen im Wattenmeer unter besonderem Schutz und werden kontinuierlich, im Rahmen des Wattenmeer-Seehundabkommens (Agreement on the Conservation of Seals in the Wadden Sea; WSSA) unter der Schirmherrschaft des UN-Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden Tierarten (CMS), überwacht. Das CWSS fungiert zugleich als Sekretariat zur Begleitung dieses Abkommens.

Das könnte Sie auch interessieren

Foto: Wolf-Dietrich Hufenbach

Freuen sich auf die Zusammenarbeit (v. li.): Hoteldirektor Florian Schönwetter, Peter Südbeck (Nationalparkverwaltung), Sarah Herbers (Hotel), Astrid Martin (Nationalparkverwaltung) und Dennis Micknaß (Hotel). Foto: Wolf-Dietrich Hufenbach

23.01.2020 Nationalpark-Partner Als erster Partner im neuen Jahrzehnt und erstes Nationalpark-Partner-Hotel in Wilhelmshaven wurde das ATLANTIC Hotel heute als Nationalpark-Partner ausgezeichnet und im Partner-Netzwerk des Nationalparks begrüßt. mehr »
Die 200.000sten Besucher in 2019 im Multimar Wattforum (c) Sötje-Looft/LKN.SH

Familie Brandt aus Peine knackte im Multimar Wattforum die Marke von 200.000 in 2019 gezählten Gästen. Claus von Hoerschelmann (rechts) vom Multimar Wattforum überraschte die Urlauber mit einem Blumenstrauß. | © Sötje-Looft /LKN.SH

06.01.2020 Bilanz, Multimar Wattforum, Infozentrum Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum in Tönning blickt auf ein überaus erfolgreiches Jahr 2019 zurück: ein Rekordplus bei den Besucherzahlen, eine hohe Gästezufriedenheit und gut angenommene neue Angebote. mehr »

Schneeammern im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. ©Kühn/LKN.SH

10.12.2019 Winter, Vögel, Vogelwelt Auch in der kalten Jahreszeit ist das Wattenmeer nicht "vogelleer". mehr »

Wattlandschaft bei Minsener Oog.
Foto: Jana Lacina/NLPV

05.12.2019 Watt Am 5. Dezember ist traditionell der Internationale Tag des Bodens. Mit ihm wollen die Vereinten Nationen auf die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden aufmerksam machen. Seit 2005 wird aus diesem Anlass in Deutschland der „Boden des Jahres“ ausgerufen. Der Boden des Jahres 2020 ist: Der Wattboden. mehr »
Beim Gongkonzert von Peter Heeren ertönen einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum (Archivbild)  |  © Jens Zygvar

Beim Gongkonzert von Peter Heeren ertönen einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum (Archivbild) | © Jens Zygvar

04.12.2019 Veranstaltung, Konzert, Multimar Wattforum Beim Konzert "The Big Gong" von Peter Heeren ertönen am Samstag, den 14. Dezember einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum. Die Gäste erwartet ein echtes Hörerlebnis, das durch Mark und Bein geht. mehr »