09.11.2017

Seehundzählung 2017: Seehundwelpen erreichen Rekordzahlen, während Gesamtbestände stagnieren

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Pressemitteilung des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats
Seehund mit Jungtier im Wattenmeer. Foto: Stock/ LKN.SH

Seehund mit Jungtier im Wattenmeer. Foto: Stock/ LKN.SH

Während der trilateralen Zählungen 2017 wurde die höchste Anzahl von Seehundwelpen im Wattenmeer seit den ersten Erhebungen von 1975 ermittelt. Die Gesamtpopulation hingegen stagnierte gegenüber dem Vorjahr. Die Seehundzählungen werden alljährlich von der Trilateralen Seehundexpertengruppe (Trilateral Seal Expert Group - TSEG) koordiniert und umfassen das gesamte Wattenmeer von Dänemark über Deutschland bis in die Niederlande.

„Es gibt dieses Jahr einen auffälligen Gegensatz zwischen den Beständen von Welpen und erwachsenen Seehunden“, erklärt Sascha Klöpper, stellvertretender Sekretär des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (Common Wadden Sea Secretariat; CWSS) und verantwortlich für Ökosystem-Management. „Dies kann dadurch erklärt werden, dass die lokale natürliche Tragfähigkeit des Systems erreicht ist. Deshalb legen die erwachsenen Seehunde für die Nahrungssuche weitere Wege zurück und schwimmen hierfür auch teilweise in die Nordsee hinaus, um dann zur Geburt ihrer Jungen ins Wattenmeer zurückzukehren. Die TSEG schließt aber eine erhöhte Sterblichkeitsrate bei den Jungtieren nicht aus. Wir werden die Seehunde des Wattenmeeres auch unter diesem Aspekt weiter genau beobachten.“ Im Juni 2017 wurden im Wattenmeer 9.167 Neugeborene gezählt, das entspricht 24% mehr als im Vorjahr und ist der höchste aufgezeichnete Bestand von Jungtieren seit 1975. Die Experten verbuchten in allen Teilen des Wattenmeeres einen zweistelligen Anstieg – die größte Steigerung wurde mit +28% in Schleswig-Holstein ermittelt.

Dieser positive Trend spiegelt sich nicht in der Zahl der ausgewachsenen Seehunde wider. Die Zählungen werden traditionell im August, während der Fellwechselperiode und den damit verbundenen häufigeren Landaufenthalten der Tiere, durchgeführt. Während des Fellwechsels im August 2017 verzeichnete Dänemark 2.971 Seehunde, 8.834 wurden in Schleswig-Holstein gesichtet und 7.311 in Niedersachsen. In den Niederlanden wurden 5.920 gezählt, jedoch konnte ein Gebiet, in dem erfahrungsgemäß etwa 800-1000 Robben liegen, zu diesem Zeitpunkt aufgrund militärischer Aktivitäten nicht überflogen werden. Zur Korrektur wurden daher 900 Tiere als Schätzwert hinzugefügt.

Die Entwicklung der Seehundbestände variiert zwischen den Regionen: Während in Dänemark (38%) und Schleswig-Holstein (34%) ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war, verringerte sich der Bestand in Niedersachsen und Hamburg um 16%. In den Niederlanden wurde lediglich ein leichter Rückgang von 4% festgestellt. Die regionalen Ergebnisse sind eine Umkehr der Zahlen aus den Erhebungen des Vorjahrs, als im nördlichen Wattenmeer ein Rückgang festgestellt wurde, während die Bestände im Südwesten zunahmen.

„Die neuen Zahlen zeigen, dass es den Seehunden im Wattenmeer gut geht – eine gute Nachricht. Die gegenläufigen Trends bezüglich der Alt- und Jungtiere verdeutlichen die Notwendigkeit der trilateralen Erhebungen“, so Klöpper.

Seehunde sind eine der prominentesten der 10.000 Tier- und Pflanzenarten, die im Wattenmeer zu finden sind und einer der zahlreichen Gründe, warum das Gebiet 2009 von der UNESCO auf die Liste der Weltnaturerbe gesetzt wurde. Die Seehundzählungen per Flugzeug werden seit 1975 alljährlich im dänischen, deutschen und niederländischen Wattenmeer durchgeführt. Die Seehundexpertengruppe ist Teil der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit. Die TSEG koordiniert die Zählungen und harmonisiert die aus allen Teilen des Wattenmeeres stammenden Ergebnisse.

Seehunde stehen im Wattenmeer unter besonderem Schutz und werden kontinuierlich überwacht im Rahmen des Wattenmeer-Seehundabkommens (Agreement on the Conservation of Seals in the Wadden Sea; WSSA) unter der Schirmherrschaft des UN-Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden Tierarten (Convention on Migratory Species, CMS). WSSA war das erste Tochterabkommen unter dem CMS und wird vom Gemeinsamen Wattenmeersekretariat begleitet.

 

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